Papst fordert Dialog zwischen Moraltheologie und Seelsorge

"Ehe und Familie keine Last"

Die katholische Moraltheologie soll sich nach Aussage des Papstes noch stärker dem interdisziplinären Dialog wie auch den realen Lebenssituationen von Paaren und Familien stellen. Franziskus sprach von einem "fruchtbaren Kreislauf".

Kind mit Hund schaut traurig aus dem Fenster / © Soloviova Liudmyla (shutterstock)
Kind mit Hund schaut traurig aus dem Fenster / © Soloviova Liudmyla ( shutterstock )

Dies verlange es, "eine abstrakte Vorstellung von Wahrheit zu überwinden, die von den Erfahrungen der Menschen, Kulturen und Religionen losgelöst ist", so der Papst am Freitag vor Teilnehmern eines internationalen Theologenkongresses in Rom. Das viertägige Treffen befasst sich mit den praktischen Folgen des päpstlichen Schreibens "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie, das Franziskus 2016 veröffentlichte.

Papst Franziskus erteilt seinen Segen, während er das Mittagsgebet Regina Coeli aus dem Fenster seines Arbeitszimmers mit Blick auf den Petersplatz spricht / © Andrew Medichini (dpa)
Papst Franziskus erteilt seinen Segen, während er das Mittagsgebet Regina Coeli aus dem Fenster seines Arbeitszimmers mit Blick auf den Petersplatz spricht / © Andrew Medichini ( dpa )

Zwischen Theologie und pastoralem Handeln muss laut Franziskus "immer wieder ein fruchtbarer Kreislauf hergestellt werden". So wenig, wie sich konkrete Seelsorge allein aus abstrakten theologischen Grundsätzen ableiten lasse, dürfe sich theologische Reflexion auf eine Wiederholung der Praxis beschränken, mahnte das Kirchenoberhaupt. Christliche Ehe und Familie dürften nicht als Last empfunden werden, die es ein Leben lang zu schultern gelte. Vielmehr seien sie "ein dynamischer Weg von Wachstum und Verwirklichung".

Kritische Rolle der Theologie

Natürlich komme der Theologie eine kritische Rolle zu. Allerdings seien ihr Ausgangspunkt die Lebenserfahrung und der Glaubenssinn der Menschen. Angesichts der oft komplexen Probleme, mit denen Paare und Familien konfrontiert sind, werde eine sorgfältige, auch geistliche Unterscheidung dessen, was notwendig, gut und hilfreich ist, immer wichtiger.

Der bis Samstag dauernde Kongress "Pastoral Practices, Life Experience and Moral Theology: Amoris Laetitia Between New Opportunities and New Paths" wird ausgerichtet von der Päpstlichen Universität Gregoriana und dem "Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II. für Ehe und Familien". Zu den Teilnehmern gehören Theologinnen und Theologen aus vier Kontinenten; aus dem deutschsprachigen Raum Stephanie Höllinger (Mainz) und Sigrid Müller (Wien).

Kritik an Papst-Schreiben

Der Kongress, an dem auch die Kurienkardinäle Kevin Farrell (Ehe und Familie) und Mario Grech (Synodensekretariat) teilnehmen, ist als eine Bilanz des "Amoris-laetitia"-Jahres für Ehe und Familie gedacht. Mit dem Aktionsjahr wollte Franziskus sein nachsynodales Schreiben zu den Ehe- und Familiensynoden 2014/2015 noch einmal ins Gespräch bringen und für dessen Umsetzung werben.

Bekannt geworden war das Schreiben vor allem wegen der Kritik (Dubia) von vier Kardinälen an der im Text skizzierten Möglichkeit, dass wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen unter bestimmten Bedingungen zur Kommunion zugelassen werden können. Weil darüber viele andere Aspekte des Dokuments unterzugehen drohten, startete der Vatikan fünf Jahre nach Erscheinen das Aktionsjahr. Offiziell endet es mit dem Weltfamilientreffen vom 22. bis 26. Juni in Rom.

Das Papstschreiben "Amoris laetitia"

"Amoris laetitia" (lateinisch "Die Freude der Liebe") ist ein Schreiben von Papst Franziskus an Bischöfe, Priester, christliche Eheleute und Laien vom April 2016. Er fasst darin die Ergebnisse der Weltbischofssynoden von 2014 und 2015 zur Erneuerung der kirchlichen Ehe- und Familienlehre und -seelsorge zusammen.

Papstschreiben "Amoris Laetitia" / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)

 

Quelle:
KNA