Hilfswerke fordern faire Verteilung des Covid-19-Impfstoffs

"Pandemie gemeinsam besiegen"

Es ist soweit: Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht für den ersten Impfstoff gegen Covid-19 gegeben. Hilfsorganisationen begrüßen die Entwicklung, fordern aber eine gerechte Verteilung der Wirkstoffe.

Symbolbild Impfen / © funnyangel (shutterstock)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einem "Meilenstein in der Pandemiebekämpfung". Auch Hilfsorganisationen begrüßten die Entwicklung, erneuerten aber zugleich ihre Forderungen nach einer gerechten, weltweiten Verteilung der Präparate und nahmen die Pharmaindustrie in die Pflicht.

Die Pandemie könne nur gemeinsam besiegt werden

Der Hauptgeschäftsführer des Entwicklungshilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, rief zu Solidarität mit Schwächeren und verletzlichen Gruppen auf. Die Pandemie könne nur gemeinsam besiegt werden, nicht jedoch "mit Egoismen und Partikularinteressen". Die Länder des globalen Südens seien angesichts der künftigen Versorgung mit Impfstoffen gegen das Coronavirus besorgt. Ihr Leben und Leiden sei jedoch wenig im Blick. Ein Patentschutz auf einen Impfstoff müsse "zur Sicherung des gerechten, weltweiten Zugangs zu Impfstoffen zumindest temporär aufgehoben werden", so Spiegel noch vor der EMA-Impfstoff-Zulassung.

Grundsätzlich wirke die Corona-Krise "wie ein Brennglas für multiple gesellschaftliche Missstände", betonte der Misereor-Chef. Globale Krisen hätten sich in der Pandemie verschärft. Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben, mahnte Spiegel.

Impfstoffhersteller Biontech zeige mangelndes Engagement

Die Nichtregierungsorganisation One warf dagegen dem deutschen Impfstoffhersteller Biontech mangelndes Engagement in der Verteilungsfrage vor. So sei vom Versprechen des Unternehmenschefs Ugur Sahin, den Impfstoff schnellstmöglich auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen, praktisch nichts zu sehen, kritisierte der Direktor von One Deutschland, Stephan Exo-Kreischer. "Es wurden weder Preisnachlässe für Entwicklungsländer angekündigt noch eine Zusammenarbeit mit der internationalen Impfstoff-Initiative Covax."

Bislang habe der Vorstand des Unternehmens seinen politischen Einfluss nicht genutzt, um sich für eine gerechte Verteilung einzusetzen, so Exo-Kreischer weiter. "Alle auf der Welt müssen Zugang zum Impfstoff bekommen. Ansonsten wird sich die Pandemie länger hinziehen als nötig und das wird uns allen auf die Füße fallen."

Impfstoff sollte gleichmäßig verteilt werden

Auch der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, und der katholische Moraltheologe, Franz-Josef Bormann, sprachen sich für einen supranationalen Verteilungsmechanismus des Impfstoffs aus. "Wir können den Kampf gegen Sars-Cov-2 nicht in Deutschland gewinnen", betonte Montgomery. Daher sei es sinnvoll und wichtig, ärmeren Ländern bei der Impfstofffinanzierung zu helfen oder die Kosten sogar zu übernehmen.

Bereits am Wochenende hatten sich die Hilfswerke Caritas international und Save the Children für eine faire globale Verteilung des Impfstoffs ausgesprochen. Es dürfe in dieser Frage weder Nationalismus, noch eine Benachteiligung der armen Länder wegen ihrer wirtschaftlichen Schwäche geben, so der Appell der Organisationen.

Quelle:
KNA
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