#OutInChurch fordert von Bischöfen "Koalition der Willigen"

"Ohne Hinterzimmerpolitik"

Bei der Initiative #OutInChurch macht sich nach der jüngsten Vollversammlung des katholischen Reformprozesses Synodaler Weg Ernüchterung breit. Dass dennoch einige Texte verabschiedet wurden, sei nur ein schwacher Trost.

Prostestplakat zum Umgang mit Sexualität in der Kirche / © Julia Steinbrecht (KNA)
Prostestplakat zum Umgang mit Sexualität in der Kirche / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Dass die Bischöfe ein Grundlagenpapier zur Erneuerung der kirchlichen Sexualmoral scheitern ließen, sei erneut ein "Schlag ins Gesicht" gewesen, hieß es seitens der Initiative bei einem Online-Pressegespräch am Montag. Die Bischöfe, die dem Text zugestimmt haben, müssten nun eine "Koalition der Willigen" bilden.

Vertrauen nachhaltig zerstört

Das Vertrauen in die Bischöfe sei nach der Versammlung "nachhaltig nicht nur gestört, sondern auch zerstört", hieß es. Die Bischöfe müssten die Anliegen queerer Menschen nun "aktiv" und "ohne Hinterzimmerpolitik" verteidigen. Dass nach dem Nein zu dem Grundlagenpapier weitere Texte durchgegangen seien, sei nur ein schwacher Trost: "Was sind diese Handlungstexte eigentlich substanziell wert, wenn sie keine grundlegende Basis haben?" Scharfe Kritik übte #OutInChurch an jenen Bischöfen, die sich vorab nicht in die Debatten um die Texte eingebracht hatten.

Auch legte die Initiative den reformwilligen Bischöfen nahe, einen "Plan B" zu entwickeln. Jeder Bischof könne und müsse im Rahmen seiner Möglichkeiten Rechtssicherheit für queere Menschen im eigenen Bistum schaffen. Die Initiative kündigte zudem an, selbst einen Brief an den Papst zu verfassen und ihn um eine Änderung des Katechismus zu bitten.

Deutschlandweite Debatte angestoßen

Im Rahmen der Initiative #OutInChurch hatten sich im Januar rund 125 Mitarbeiter und Mitglieder der katholischen Kirche öffentlich als queer geoutet, also etwa als homosexuell oder transgender. Sie forderten unter anderem eine Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen der Kirche, damit zum Beispiel in einer homosexuellen Partnerschaft lebende Beschäftigte keine Kündigung mehr fürchten müssen. Die Reformbewegung stieß damit eine deutschlandweite Debatte zur Situation queerer Menschen in der katholischen Kirche an.

Der Synodale Weg verabschiedete bei seiner Vollversammlung mit großer Mehrheit ein entsprechendes Papier zur Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts. Die Stoßrichtung deckt sich mit den bereits seit Längerem laufenden Reformbestrebungen der katholischen Bischöfe. Ein Entwurf der Deutschen Bischofskonferenz zur Novellierung der Grundordnung liegt inzwischen vor.

Was wurde bei der vierten Synodalversammlung beschlossen?

Insgesamt berieten die gut 200 Delegierten der vierten Synodalversammlung von Donnerstag bis Samstag über 8 Papiere, ursprünglich waren 14 vorgesehen. Vier Texte wurden in Zweiter Lesung verabschiedet; einer scheiterte an einer Sperrminorität von Bischöfen. Drei Texte standen in Erster Lesung zur Debatte und sind deswegen noch nicht beschlossen, auch wenn die jeweiligen Abstimmungsergebnisse Rückschlüsse auf die grundsätzliche Akzeptanz der jeweiligen Anliegen erlauben.

Abstimmungsgerät bei der vierten Synodalversammlung / © Max von Lachner (SW)
Abstimmungsgerät bei der vierten Synodalversammlung / © Max von Lachner ( SW )

Quelle:
KNA