Eine Gruppe katholischer Ordensfrauen hat zu Ostern scharfe Kritik an Kirche und Gesellschaft geübt. Unter dem Motto "Ich widersage!" wenden sich die "Ordensfrauen für Menschenwürde" am Dienstag gegen Ungleichheit, Diskriminierung und politische Abschottung.
Mit ihrer Forderung knüpft die Gruppe an den Ritus der Tauferneuerung an. - Auf die Frage "Widersagst du...?" antworten Gläubige im Gottesdienst: "Ich widersage!"
Im Fokus steht besonders die katholische Kirche: Die Rolle von Frauen bleibe trotz Reformdebatten unzureichend geklärt. Zwar heiße es nach den von Papst Franziskus initiierten Debatten: "Es gibt keinen Grund, Frauen daran zu hindern, Führungsaufgaben in der Kirche zu übernehmen." Zugleich bleibe aber die Frage des Zugangs von Frauen zu Weiheämtern offen. Das Ergebnis sei mager, so die Ordensfrauen.
Respekt und Toleranz für alle
Deutlich positionieren sie sich auch gesellschaftlich. Sie fordern "Respekt, Schutz und Liebe – ohne Ausnahme und unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Lebensweise" und kritisieren traditionelle Rollenbilder. Aussagen wie "Frauen müssen der weißen christlichen Nation Kinder gebären und sie dann großziehen" bezeichnen sie als gefährlich.
Weitere Kritik richtet sich gegen Nationalismus, Rassismus und eine restriktive Asylpolitik. Die Abwertung Schutzsuchender als "Asyltourist" sei menschenverachtend. Auch wachsende soziale Ungleichheit und mangelndes Engagement im Kampf gegen den Klimawandel prangern die Ordensfrauen an.
Motivation aus dem christlichen Glauben
Dem stellen sie ihr Glaubensbekenntnis entgegen: Sie glauben an einen Gott, der die Menschen nach seinem Bild geschaffen habe, an Christus, der sich mit den Geringen identifiziere, und an Geistkraft, die zum Handeln befähige. Ostern sei kein Ritual "the same procedure as every year", sondern Auftrag zum Einsatz für Menschenwürde, Demokratie und Solidarität.
Die Gruppe "Ordensfrauen für Menschenwürde", gegründet 2018, versteht sich als Stimme für Menschenwürde und mischt sich regelmäßig in gesellschaftliche Debatten ein. Ihre Mitglieder leben in verschiedenen Ordensgemeinschaften, beispielsweise in Klöstern der Benediktinerinnen, Dominikanerinnen oder Franziskanerinnen, und verbinden ihre religiöse Berufung mit gesellschaftlichem Engagement.