Der katholische Flüchtlingsbischof Stefan Heße hat sich kritisch zu Forderungen nach einer schnellen Rückkehr syrischer Geflüchteter in ihre Heimat geäußert.
Eine pauschale Quote, wonach 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb weniger Jahre in ihre Heimat zurückkehren sollten, halte er für wenig sinnvoll, sagte Heße am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg mit Blick auf entsprechende Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
"Solche Fragen müssen mit Augenmaß entschieden werden, nicht anhand fixer Zahlen." Es brauche sowohl Menschen, die zurückkehren, als auch solche, die in Deutschland bleiben, so der Hamburger Erzbischof und Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz.
Merz hatte am Montag nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa gesagt, in den nächsten drei Jahren sollten rund 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer in ihre Heimat zurückkehren. Der Bundeskanzler stellte diese Zahl als Wunsch der syrischen Seite dar und verwies zugleich darauf, dass gut integrierte Menschen in Deutschland bleiben könnten.
Lage in Syrien laut Heße weiter sehr prekär
Heße sagte, nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 habe er mit einem Erzbischof aus der syrischen Stadt Homs gesprochen. Dessen Einschätzung sei klar gewesen: Eine schnelle Rückkehr sei derzeit kaum möglich, da viele Menschen "mit nichts ins Nichts" zurückkehren würden. "Zwar hat sich die Lage in manchen Gebieten Syriens punktuell verbessert, insgesamt ist die humanitäre Lage aber weiterhin äußerst prekär." Der Wiederaufbau brauche Zeit und Unterstützung.
Heße betonte, dass Syrerinnen und Syrer eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau ihres Heimatlandes spielen müssten. Gleichzeitig seien viele Geflüchtete in Deutschland gut integriert und leisteten wichtige Beiträge, etwa im Gesundheitswesen. "Sie werden also auch in Deutschland dringend gebraucht", so der Erzbischof.