Flüchtlingsbischof warnt vor pauschaler Rückkehrquote für Syrer

"Lage in Syrien weiter sehr prekär"

Es gibt Streit um Rückkehrpläne des Bundeskanzlers. Die von Friedrich Merz genannte Quote zur Ausreise syrischer Geflüchteter stößt bei Flüchtlingsbischof Stefan Heße auf deutliche Kritik. Und er hält feste Zahlen für falsch.

Eine Rückkehr in die Heimat könnte für viele Syrer problematisch werden. / © Anas Alkharboutli (dpa)
Eine Rückkehr in die Heimat könnte für viele Syrer problematisch werden. / © Anas Alkharboutli ( dpa )

Der katholische Flüchtlingsbischof Stefan Heße hat sich kritisch zu Forderungen nach einer schnellen Rückkehr syrischer Geflüchteter in ihre Heimat geäußert. 

Eine pauschale Quote, wonach 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb weniger Jahre in ihre Heimat zurückkehren sollten, halte er für wenig sinnvoll, sagte Heße am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg mit Blick auf entsprechende Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

"Solche Fragen müssen mit Augenmaß entschieden werden, nicht anhand fixer Zahlen." Es brauche sowohl Menschen, die zurückkehren, als auch solche, die in Deutschland bleiben, so der Hamburger Erzbischof und Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz.

Erzbischof Heße feiert die Heilige Messe mit sudanesischen Geflüchteten im St. Bakhita-Zentrum in Kairo, Ägypten  / ©  Daniela Elpers (DBK)
Erzbischof Heße feiert die Heilige Messe mit sudanesischen Geflüchteten im St. Bakhita-Zentrum in Kairo, Ägypten / © Daniela Elpers ( DBK )

Merz hatte am Montag nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa gesagt, in den nächsten drei Jahren sollten rund 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer in ihre Heimat zurückkehren. Der Bundeskanzler stellte diese Zahl als Wunsch der syrischen Seite dar und verwies zugleich darauf, dass gut integrierte Menschen in Deutschland bleiben könnten.

Lage in Syrien laut Heße weiter sehr prekär

Heße sagte, nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 habe er mit einem Erzbischof aus der syrischen Stadt Homs gesprochen. Dessen Einschätzung sei klar gewesen: Eine schnelle Rückkehr sei derzeit kaum möglich, da viele Menschen "mit nichts ins Nichts" zurückkehren würden. "Zwar hat sich die Lage in manchen Gebieten Syriens punktuell verbessert, insgesamt ist die humanitäre Lage aber weiterhin äußerst prekär." Der Wiederaufbau brauche Zeit und Unterstützung.

Heße betonte, dass Syrerinnen und Syrer eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau ihres Heimatlandes spielen müssten. Gleichzeitig seien viele Geflüchtete in Deutschland gut integriert und leisteten wichtige Beiträge, etwa im Gesundheitswesen. "Sie werden also auch in Deutschland dringend gebraucht", so der Erzbischof.

Zahlen zur Katholischen Flüchtlingshilfe 2024

Die Katholische Flüchtlingshilfe in Deutschland hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 492.000 Schutzsuchende unterstützt. Für die Flüchtlingshilfe 2024 hätten die 27 Bistümer und Erzbistümer, Hilfswerke und Militärseelsorge 84,4 Millionen Euro aufgebracht, teilte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn anlässlich des neunten Katholischen Flüchtlingsgipfels in Mainz mit. 

Der größere Teil mit 50,3 Millionen Euro sei auf die internationale Flüchtlingshilfe entfallen. Für die Arbeit im Inland seien 34,1 Millionen Euro aufgewendet worden.

Flüchtlinge auf der Balkanroute  / © Ajdin Kamber (shutterstock)
Flüchtlinge auf der Balkanroute / © Ajdin Kamber ( shutterstock )
Quelle:
KNA