Vor 125 Jahren wurde Bischof & TV-Star Fulton Sheen geboren

Onkel Fultie war der "rechte Arm des Vatikan" in den USA

Erzbischof Fulton Sheen war zu Lebzeiten das bekannteste Gesicht des US-amerikanischen Katholizismus und machte die einstmals viel geschmähten Katholiken gesellschaftsfähig.

Autor/in:
Christiane Laudage
Erzbischof Fulton Sheen / © CNS (KNA)
Erzbischof Fulton Sheen / © CNS ( KNA )

Die Karten für die geplante Seligsprechung am 21. Dezember 2019 waren schon verkauft. Alles lief nach Plan, bis 14 Tage vor der geplanten Feier der zuständige Bischof von Peoria in den USA, Daniel Jenky, verkünden musste, dass die Seligsprechung zu diesem Termin nicht stattfinden würde.

Einige US-Bischöfe hätten im Vatikan um Aussetzung und um eine neue, gründliche Überprüfung der Causa Sheen gebeten. Genaue Gründe wurden bislang nicht mitgeteilt; es soll sich um eine mögliche Deckung von Missbrauchstaten handeln.

Sheen war nicht überall bekannt

Der Vorgang ist so ungewöhnlich wie die Person Fulton Sheen selbst, der vor 125 Jahren, am 8. Mai 1895, geboren wurde. In den USA war er zu Lebzeiten so bekannt wie das Weiße Haus.

Nur auf der anderen Seite des Atlantiks fragt man sich: Fulton wer? Der Erzbischof war das populäre Gesicht des US-Katholizismus, der in Amerika endlich das
Immigranten-Getto hinter sich ließ und gesellschaftsfähig wurde. Damit wurde auch der Weg für den ersten katholischen US-Präsidenten bereitet: John F. Kennedy.

"Unsere Liebe Frau vom Fernsehen"

"Onkel Fultie", so sein Spitzname, war ein TV-Star zu einer Zeit, als Familien noch gemeinsam abends zusammen vor dem Fernseher saßen und eines der wenigen Programme sahen. Seine Sendung "Das Leben ist lebenswert" lief drei Jahre und erreichte die höchsten Zuschauerzahlen im US-Fernsehen der Nachkriegszeit. Zweimal wurde der ebenso gewinnende wie eindringliche Prediger mit dem "Emmy Award" ausgezeichnet.

Keineswegs nur Katholiken, auch Protestanten und Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften planten ihren Dienstagabend um die Sendung herum. Und was bekamen sie dann zu sehen? Fulton Sheen im Bischofsgewand, eine Marienstatue, die unter dem Namen "Unsere Liebe Frau vom Fernsehen" bekannt wurde.

Bücher auf der Bestsellerliste

"Onkel Fultie" verkündete ihnen jeweils eine halbe Stunde lang, dass das Leben lebenswert sei. Er nahm zu aktuellen, aber auch grundsätzlichen Fragen der Zeit Stellung. Damit traf er einen Nerv. Pro Woche erhielt er rund 8.000 Briefe, viele von Nichtkatholiken, obwohl er katholisch-theologische Predigten hielt. Er verpackte sie allerdings so geschickt, dass sie ein weites Publikum ansprachen.

Seine Bücher eroberten die Bestsellerlisten. Der Bischof selbst produzierte wiederholt Schlagzeilen, nicht zuletzt weil er berühmte Persönlichkeiten wie den Geiger Fritz Kreisler, aber auch berüchtigte Menschen wie den kommunistischen Gewerkschaftsboss Louis Budenz zum Katholizismus bekehrte. Der Vatikan bezeichnete ihn als "unser rechter Arm in Amerika".

Machte sich Feinde in der eigenen Kirche

Weil er schon früh durch akademische Brillanz auffiel, wurde er zum Studium an Universitäten in den USA und Europa geschickt. Bekannter wurde er, als er 1950 Sprecher des Radioprogramms "Die katholische Stunde" wurde. Diese Sendung war ein Erfolg, der nur noch von seiner TV-Sendung übertroffen wurde. Papst Paul VI. ernannte ihn 1966 zum Bischof von Rochester im Bundesstaat New York; eine Aufgabe, die Sheen ebenfalls meisterte.

Fulton Sheen war als Bischof mehr als nur ein tennisbegeisterter TV-Star; er galt auch als Seelsorger mit einem Gespür für die Armen, vor der eigenen Tür wie in der Welt. In den 50er Jahren von einigen noch als "Kommunistenfresser" gefeiert, machte er sich Feinde in der eigenen Kirche wie auch in der Regierung, als er Präsident Lyndon B. Johnson zum sofortigen Rückzug aus dem Vietnam-Krieg aufforderte.

Offizielle Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens

Sein Metropolitanerzbischof, Kardinal Francis Spellman von New York, der die Waffen für den Krieg gesegnet hatte, war nicht begeistert. 1969, mit 74 Jahren, verzichtete Fulton Sheen auf sein Leitungsamt als Bischof. In der Öffentlichkeit blieb der zum Titularerzbischof Ernannte bis zu seinem Tod im Dezember 1979 präsent.

2003 wurde dann das Verfahren zur Seligsprechung offiziell eröffnet. In diesem Zusammenhang kam es zu einem eigenwilligen Rechtsstreit um die letzte Ruhestätte von Fulton Sheen, die schon viel mit der möglichen Seligsprechung zu tun hatte. Begraben lag er in der New Yorker St.-Patrick's-Kathedrale, seine Nichte aber wollte ihn in die Kathedrale von Peoria (Illinois) verlegen lassen. Sie bekam durch alle Instanzen recht. Dort sollte er dann als Seliger der Kirche verehrt werden können. Das wird nun, wenn überhaupt, noch dauern.

 

Quelle:
KNA