Kölns Stadt- und Domdechant Robert Kleine hat im ökumenischen Gottesdienst für Karnevalisten im Kölner Dom das Ehrenamt als unverzichtbare Grundlage des Kölner Karnevals hervorgehoben. Das Sessionsmotto "Mer dun et för Kölle" biete eine gute Gelegenheit, über das Miteinander im Karneval, aber auch im Alltag und Glauben nachzudenken.
Kleine spannte in seiner Predigt den Bogen von biblischen Lesungen zur gesellschaftlichen Realität des Karnevals. Dabei verwies er auf das Evangelium mit dem bekannten Wort Jesu: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan", sowie auf Paulus, der den Leib Christi als Bild für Gemeinschaft und Vielfalt nutzt. Diese biblischen Aussagen ließen sich direkt auf das ehrenamtliche Engagement im Karneval anwenden.
Weitergabe von Tradition
Der Domdechant erinnerte daran, dass der Kölner Karneval ohne die Arbeit tausender Ehrenamtlicher nicht möglich sei. Ob in Traditionskorps, Tanzgruppen, Sitzungen oder Veedeln – überall trügen engagierte Menschen zum Gelingen bei. Diese gelebte Gemeinschaft sei ein Abbild des biblischen Bildes vom Leib mit vielen Gliedern: Nicht jeder werde gesehen, aber jede Aufgabe zähle.
Kleine zitierte verschiedene kölsche Karnevalslieder als Ausdruck dieser Werte. Das Lied "Sprimg" von Brings zeige etwa, wie jeder das einbringt, was er kann. "Unser Stammbaum" von den Bläck Fööss erinnere an die Weitergabe von Tradition und Verantwortung über Generationen hinweg. "Im Veedel" beschreibe das alltägliche Miteinander, das vom Engagement der Menschen lebe. Auch "Mir sin eins" von Kasalla verdeutliche, dass Köln nicht aus Gebäuden bestehe, sondern aus den Menschen, die zusammenhalten – unabhängig von Herkunft, Glaube oder Lebensform.
Nicht von der Stadt, sondern von Menschen
Für Kleine ist der Karneval damit mehr als ein kulturelles Event: Er ist Ausdruck christlicher Grundhaltungen wie Nächstenliebe, Gemeinschaft und Verantwortungsbereitschaft. Die kölsche Musik mache diesen Geist hörbar – als Dankeschön an alle, die sich freiwillig einbringen, und als Botschaft, dass Ehrenamt Gesellschaft menschlicher macht.
Zum Abschluss betonte Kleine: Der Karneval werde nicht von der Stadt organisiert, sondern von Menschen getragen – und ohne sie wäre Köln nicht dasselbe. Die Verbindung von Musik, Ehrenamt und Glauben sei ein starkes Fundament für die Stadtgemeinschaft.
DOMRADIO.DE hat den ökumenischer Gottesdienst für Karnevalisten im Kölner Dom übertragen. Stadtdechant Robert Kleine und Stadtsuperintendent Bernhard Seiger feierten den Gottesdienst mit vielen Jecken.
Zum Ablauf des ökumenischen Gottesdienstes gehören die Segnung der Karnevalskerze, die Segnung der Standarten und Plaggen. Neben klassischen Kirchenliedern erklingen auch traditionelle Karnevalslieder wie „Am Dom zo Kölle“.
Die Karnevalskerze wurde vom Kinder-Dreigestirn gestaltet, das Sessionsmotto „ALAAF – Mer dun et för Kölle“ dreht sich in diesem Jahr um das Kölner Ehrenamt.
Im Gottesdienst zur Eröffnung der "heißen" Phase der Session für Kölns Karnevalisten wird traditionell das "Loss Jonn"-Register der Domorgel gezogen. Das ist speziell für wenige Tage im Jahr während der fünften Jahreszeit reserviert, allerdings versagt von Zeit zu Zeit die Technik – die starken Temperaturschwankungen im Dom sorgen immer wieder für eine klemmende Figur – so wie zuletzt 2025.
Das "Loss Jonn"-Register erinnert an Dompropst Bernard Henrichs. Unter dessen Ägide wurde die Schwalbennestorgel 1998 gebaut. Das Register ist ein kleines Gimmick, das die Firma Klais damals einbaute. Es ist eine Geste als kleiner Dank für die Unterstützung des Dompropstes, der immer für Scherze zu haben war.
Wenn das Register gespielt wird, sieht man eine kleine Henrichs-Figur, mit einer Narrenkappe, die aus der Orgel herauskommt. Dazu spielt die Orgel die Melodie von "Mer lasse de Dom in Kölle".