In Oberammergau rücken die Passionsspiele immer näher

"Arbeiten unter Hochdruck"

In etwas mehr als einem Monat ist die Premiere der weltberühmten Oberammergauer Passionsspiele – aufgrund der Corona-Pandemie mit zwei Jahren Verspätung. Nun arbeiten alle Mitwirkenden an den letzten Vorbereitungen.

Zahlreiche Darsteller der 42. Passionsspiele Oberammergau stehen bei der ersten großen Probe mit Volk auf der Bühne / © Angelika Warmuth (dpa)
Zahlreiche Darsteller der 42. Passionsspiele Oberammergau stehen bei der ersten großen Probe mit Volk auf der Bühne / © Angelika Warmuth ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie weit ist man in Oberammergau mit den Vorbereitungen der Passionsspiele? Wie sieht es da gerade aus?

Christian Behrens (DOMRADIO.DE-Reporter in Oberammergau): Die Arbeiten laufen unter Hochdruck. Nach der Verschiebung der Passionsspiele vor zwei Jahren wegen Corona wurden alle Proben und Arbeiten im Theater erst mal komplett ausgesetzt. Erst sehr spät im vergangenen Herbst hat man wieder mit den Vorbereitungen losgelegt. Das war damals nicht ganz einfach, denn die Proben für Chor und Orchester konnten zunächst nur in Kleinstgruppen stattfinden, genauso wie die Proben der Bühnendarsteller. Vor jeder Probe mussten sich alle Mitwirkenden testen lassen. Das war ein Riesenaufwand. Ich war damals auch einmal bei so einer Probe dabei und musste mich selber natürlich auch testen lassen. Das war also nicht ganz einfach.

Aber jetzt scheint einer Premiere nichts mehr im Weg zu stehen, wie mir sowohl der Pressesprecher der Passion als auch Jesus-Darsteller Frederik Mayet berichtet haben. Er sagte, die Schneiderei der Kostüme sei schon ziemlich weit und der Bühnenbau sei auch fertig. Da gehe es jetzt aber darum, zu üben, alles schnell auf und abzubauen. Bei den Proben sei man mittendrin.

DOMRADIO.DE: Wie sind die Corona-Regeln für die Besucher während der Aufführungen der Passionsspiele?

Behrens: Das ist Stand heute relativ einfach. Es gibt gar keine. Der Zuschauerraum des Passionstheaters kann tatsächlich voll besetzt werden. Die mehr als 4.500 Zuschauer - bei jeder Aufführung wohlgemerkt -, müssen keine Masken tragen und keine Impfungen oder irgendwelche Tests vorweisen, wie mir der Geschäftsführer bestätigt hat.

Er sagte, man werde sich derzeit "nach den gesetzlichen Vorgaben richten". Die 2G-Regel sei bei Besuchern weggefallen und auch die 3G-Regel bei den Mitwirkenden. Laut dem Hygienekonzept sollen aber weiterhin bei den Proben und auch bei den Aufführungen alle Mitwirkenden getestet werden.

DOMRADIO.DE: Nach der Verschiebung der Passionsspiele um zwei Jahre haben zwar viele Karteninhaber ihre Tickets gehalten, aber viele haben sie auch wieder zurückgegeben. Wie ist gegenwärtig die Auslastung? Gibt es für Kurzentschlossene noch Karten?

Behrens: Ja, die gibt es. Zurzeit sind etwa 75 Prozent der Karten verkauft. Da gibt es also noch ein paar Tausend Karten, die man im Internet bestellen kann. Was beim Vorverkauf interessant ist: Traditionell war bisher der Anteil der Besucher aus den USA, Großbritannien und Skandinavien immer sehr hoch. Das ist jetzt ganz anders. Jetzt kommen sehr viel mehr Besucher aus Deutschland. Ein Grund könnte sein, dass die Amerikaner zum Beispiel befürchten, dass vielleicht doch noch mal abgesagt wird. Dann würden sie möglicherweise auf den Flugkosten sitzen bleiben. Die waren dann doch ein bisschen vorsichtiger. Deswegen sind mehr Leute aus Deutschland diesmal dabei.

Was es sonst noch zu berichten gibt: Zu Beginn der Passion wird eine neue CD mit der Passionsmusik veröffentlicht und der neue Bildband mit den wichtigsten Szenen des Spiels. Auch der kommt zur Premiere dann raus. Am 14. Mai geht es nun hoffentlich los und in Oberammergau ist die Vorfreude natürlich riesig.

Das Interview führte Michelle Olion.

Information der Redaktion: DOMRADIO.DE bietet eine Reise mit Willibert Pauels zu den Passionsspielen an. Die Informationen dazu finden Sie hier.

Oberammergauer Passionsspiele

Die weltberühmten Passionsspiele von Oberammergau gehen auf ein Gelübde von 1633 zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges waren 84 Menschen aus dem kleinen Ort an der Pest gestorben. Daraufhin gelobten die Dorfbewohner, alle zehn Jahre die "Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu" aufzuführen, damit Gott der Krankheit ein Ende bereite. Der Überlieferung zufolge starb danach niemand mehr an der Seuche. Seither findet das Spiel regelmäßig - mit einigen Ausnahmen - statt. Auch für 2020 war es geplant, musste jedoch coronabedingt auf 2022 verschoben werden.

Ein Plakat an einer Straße in Oberammergau wirbt für die Passionspiele 2022 / © Dieter Mayr (KNA)

Quelle:
DR
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