Tafeln brauchen mehr Lager- und Transportmöglichkeiten

Nicht mehr zu stemmen

Der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, fordert für gemeinnützige Lebensmittelausgabestellen Unterstützung vom Staat, um die Logistik auszubauen. Gerade sozial schwache Menschen treffe die Pandemie besonders hart.

Die Tafeln helfen Bedürftigen / © Hauke-Christian Dittrich (dpa)
Die Tafeln helfen Bedürftigen / © Hauke-Christian Dittrich ( dpa )

Brühl sagte der "Heilbronner Stimme" am Mittwoch: "2020 mussten wir etwa 190 LKW-Ladungen mit großen Lebensmittelspenden ablehnen, weil den Tafeln die Lager- und Transportmöglichkeiten dafür fehlten. Das muss sich 2021 ändern." Allein durch Spendengelder und ehrenamtliches Engagement sei das nicht zu stemmen.

Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel / © Oliver Mehlis (dpa)
Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel / © Oliver Mehlis ( dpa )

Die Nachfrage hat sich verändert

Die Pandemie habe gravierende Folgen für sozial Schwache, fügte Brühl hinzu. Menschen, die Hartz IV oder Grundsicherung im Alter bezögen, hätten erhöhte Kosten: "Lebensmittelpreise steigen, kostenloses Schul- und Kita-Essen gab es lange nicht, Masken müssen gekauft werden und soziale Angebote sind während der Pandemie nur eingeschränkt möglich".

Brühl berichtete von einer veränderten Struktur auf der Nachfrageseite: "Auf der einen Seite kommen nun Menschen zu den Tafeln, die vor der Pandemie nicht auf externe Hilfe angewiesen waren. Das sind Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, in Kurzarbeit sind oder deren Aufträge wegbrechen. Auf der anderen Seite kommen viele, vor allem ältere Kundinnen und Kunden nicht mehr zu Tafel, weil sie Angst haben, sich anzustecken."

Tafeln in Deutschland

Die bundesweit agierenden Tafeln haben sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer der größten sozialen Bewegungen in Deutschland entwickelt. Waren es 2002 noch gut 300, gibt es heute bundesweit etwa 900 Tafeln mit rund 2.100 Tafel-Läden und Ausgabestellen. Bei ihnen engagieren sich circa 60.000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Alle zusammen versorgen sie mehr als 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln, die sie als Spenden im Handel und bei Herstellern gesammelt haben.

Helfer sortieren  Salat bei der Lebensmittelausgabe in der Kirche Sankt Karl Borromäus in Köln / © Harald Oppitz (KNA)
Helfer sortieren Salat bei der Lebensmittelausgabe in der Kirche Sankt Karl Borromäus in Köln / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA