Kardinal Marx sieht "toten Punkt" auch als Wendepunkt

Nicht "das Ende"

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht den Menschen als das "größte nur denkbare Kunstwerk". Mit Blick auf sein vom Papst abgelehntes Rücktrittsgesuch erinnerte Marx daran, dass ein "toter Punkt" nicht das Ende bedeuten müsse.

Reinhard Kardinal Marx / © Harald Oppitz (KNA)
Reinhard Kardinal Marx / © Harald Oppitz ( KNA )

Der "revolutionäre Gedanke, dass jeder Mensch Bild des lebendigen Gottes ist", sei ein Impuls, "der längst noch nicht eingeholt ist in Politik und Gesellschaft". Das sagte der Erzbischof von München und Freising laut seiner Pressestelle am Sonntag in der Jesuitenkirche Sankt Michael bei einem Gottesdienst im Rahmen der Münchner Opernfestspiele. 

"Je mehr wir darüber nachdenken, was es bedeutet, dass der Mensch Bild Gottes ist, umso mehr sehen wir auch unseren Auftrag, unsere Möglichkeiten und Grenzen", so Marx.

Der Kardinal betonte, die ganze biblische Tradition sei "ein Nein gegenüber dem Tod". In der Betrachtung dieses Gedankens werde der Tod "umso absurder". Die Gefühle und Erfahrungen, die einen Menschen einmalig machten, "können nicht einfach ausgelöscht werden".

"Toter Punkt" kann Wendepunkt sein

Marx erinnerte an seinen Brief an Papst Franziskus, in dem er kürzlich seinen Rücktritt angeboten hatte. Darin stand die Formulierung, die Kirche sei "an einem gewissen 'toten Punkt'". Dieses auf den Jesuitenpater Alfred Delp zurückgehende Zitat sei "nicht eine Klage darüber, dass das das Ende ist". Vielmehr könne ein Wendepunkt erreicht werden, "wenn man den toten Punkt gesehen und anerkannt hat", sagte Marx.

So wie Christus müsse man "hineingehen in die Nacht des Todes, in die Finsternis", damit Verwandlung geschehen könne, erklärte der Kardinal. "Ohne Tod keine Auferstehung." Auch die Kirche dürfe nicht zurückschauen, "und meinen, im Rückblick werde die Rettung erfolgen". Diese könne nur "im Ausblick" erfolgen und im Hören auf die Stimme des Herrn.

Reinhard Marx

Reinhard Marx wurde am 21. September 1953 in Geseke/Westfalen geboren. Er studierte Theologie und Philosophie in Paderborn, Paris, Münster und Bochum. 

Im Jahr 1979 wurde er in Paderborn zum Priester geweiht. Es folgten Stationen als Vikar in Bad Arolsen und als Geistlicher Rektor des Sozialinstituts Kommende (in Dortmund) und als Diözesanbeauftragter für die Betriebsseelsorge im Erzbistum Paderborn.

Reinhard Kardinal Marx
 / © Julia Steinbrecht (KNA)
Reinhard Kardinal Marx / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA