Das Bundesforschungsministerium fördere das "Käte-Hamburger-Kolleg" in den ersten vier Jahren mit rund 7,7 Millionen Euro, teilte die Universität am Donnerstag mit. Konkret gehe es um die Frage, unter welchen Bedingungen messianische Konzepte und Figuren ihre Wirkung entfalten können und wie Menschen überhaupt zu Messias-Figuren werden.
"Mit seiner Arbeit will es auch in die Gesellschaft hineinwirken; denn Erlösungslehren können zwar Gemeinschaften stiften, aber auch Demokratien gefährden: Sie haben das Potenzial, egalitäre und totalitäre Tendenzen zu begünstigen", so die Mitteilung.
Politische Sensibilisierung
Menschen verehrten immer wieder einen Messias - also eine Person, die als Heilsbringer und gottgesandter Retter wahrgenommen wird, heißt es weiter. Diese Rolle könne religiös, politisch oder kulturell besetzt sein.
In jüngster Zeit inszeniere sich etwa US-Präsident Donald Trump als ein solcher Messias. Das Kolleg wolle in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen Initiativen zur politischen Aufklärung und Sensibilisierung anstoßen. Ziel sei, messianische Phänomene und ihre Wirkungsweisen zu erkennen und sich kritisch damit auseinandersetzen zu können.
Das Kolleg wird den Angaben zufolge von Barbara Schmitz und Christian Wehr geleitet. Schmitz, Lehrstuhlinhaberin für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen, erforsche messianische Konzepte und Herrschaftsstrukturen in der Geschichte des Judentums, von der Antike bis zur Gegenwart.
Wehr, Inhaber des Lehrstuhls für spanische und französische Literaturwissenschaft, habe bereits an einem Projekt zu Messianismus in Lateinamerika von der Kolonialzeit bis heute gearbeitet. Zudem wolle man jedes Jahr zehn herausragende Forscher aus aller Welt einladen, um die Arbeit am Thema zu vertiefen.
Raum für wissenschaftliche Forschung
Mit den Käte-Hamburger-Kollegs bietet das Bundesforschungsministerium laut den Angaben herausragenden Wissenschaftlern seit 2008 Freiräume für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungen auf Weltniveau.
Dies sei die wichtigste Förderlinie des Ministeriums für diese beiden Wissenschaftsbereiche. Namensgeberin ist die deutsche Germanistin, Literaturwissenschaftlerin und Philosophin Käte Hamburger (1896-1992).