Neuer Wiener Erzbischof will Seelsorger und "Teamplayer" sein

Josef Grünwidl wird zum Bischof geweiht

Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl wird an diesem Samstag geweiht und tritt sein Amt an. Der erfahrene Seelsorger will auf geistliche Tiefe, Dialogbereitschaft und behutsame Reformen in Einheit mit der Kirche setzen.

Autor/in:
Matthias Altmann
Josef Grünwidl, ernannter Erzbischof von Wien / © Henning Klingen (KNA)
Josef Grünwidl, ernannter Erzbischof von Wien / © Henning Klingen ( KNA )

Ein Jahr und zwei Tage: So lange wird die Vakanz auf dem erzbischöflichen Stuhl in Wien gedauert haben. Für ein Bistum, in dem der Papst den Oberhirten relativ frei ernennen kann und keine außergewöhnliche politische Situation im Blick haben muss, ist das ziemlich lang. Das lag dem Vernehmen nach auch daran, dass die päpstliche Wunschbesetzung etwas zögerte. Doch schließlich war Josef Grünwidl bereit, das Amt des Wiener Erzbischofs anzunehmen. Mit der Bischofsweihe an diesem Samstag (24. Januar) tritt er es nun offiziell an.

Sehr erschrocken sei er zunächst gewesen, als er erfahren habe, dass er einer der Kandidaten sei, so Grünwidl. Er hatte nach dem altersbedingten Rücktritt von Kardinal Christoph Schönborn am 22. Januar 2025 das Erzbistum bereits übergangsweise geleitet. Eine Erkenntnis habe ihm schließlich geholfen, ja zu dieser Aufgabe zu sagen, betonte er kurz nach seiner Ernennung im Oktober: "Gott braucht mich nicht perfekt, sondern er will mich verfügbar."

Vertrauter Schönborns

Grünwidl, am 31. Januar 1963 in Niederösterreich geboren, ist ein "Kind" der Wiener Erzdiözese und diente ihr seit seiner Priesterweihe 1988 in verschiedenen Funktionen: als Pfarrer, Diözesanjugendseelsorger, Dekan, Vorsitzender des Wiener Priesterrates, Bischofsvikar. Er gilt als enger Vertrauter seines Vorgängers Schönborn, der das Erzbistum 30 Jahre lang leitete. Zu Beginn von dessen Amtszeit war Grünwidl sein erster Sekretär.

Stephansdom in Wien / © Annika Schmitz (KNA)
Stephansdom in Wien / © Annika Schmitz ( KNA )

Der künftige Wiener Erzbischof ist pastoral erfahren, in der kirchlichen Basis verankert und gilt als dialogbereiter Zuhörer.

Beobachter und Weggefährten beschreiben ihn als unprätentiös und umgänglich. Seine künftige Aufgabe als Erzbischof versteht er vor allem spirituell: Die Kirche brauche weniger Strukturdebatten, sondern mehr geistliche Tiefe, erklärte er mehrfach.

Das hält ihn aber nicht ab, bei einigen heiß diskutierten Reformfragen in der Kirche für Änderungen zu plädieren. Mehrfach bekräftigte er seinen Wunsch nach einer Weiterentwicklung der kirchlichen Praxis und des Kirchenrechts mit Blick auf Rolle der Frauen.

Für Lockerungen beim Zölibat

Auch beim Thema Zölibat ist er für eine Lockerung. Das ehelose Leben für Priester habe immer schon existiert und werde auch immer weiterbestehen; man könnte den Priestern jedoch zur Wahl stellen, ob sie zölibatär leben möchten oder nicht. Er wolle bei diesen Fragen seine auch bislang schon vertretene Linie weitergehen, immer jedoch in Einheit mit der Kirche, betont Grünwidl. Einst gehörte er nämlich der österreichischen Pfarrer-Initiative an - einem Verein von Geistlichen, der sich für Reformen in der Kirche einsetzt. Nach deren "Aufruf zum Ungehorsam" zog er sich aber daraus zurück.

Grünwidl will für eine missionarische Kirche einstehen. "Das heißt nicht, ich überrede oder überzeuge andere Menschen - sondern ich stehe zu meinem Glauben", umreißt er sein Verständnis. Es gehe darum, die eigene Haltung sichtbar zu machen und offen auf Menschen zuzugehen; unabhängig davon, ob sie der Kirche nahestehen oder nicht.

Für Grünwidl ist das Evangelium "die beste Botschaft für die Welt von heute". Zentral sei dabei das persönliche Zeugnis: "Nur wer innerlich brennt, kann leuchten." Dieses Zitat aus einer seiner Predigten kürte die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) zum positiven Spruch des Jahres 2025.

Musikalische Ader

À propos Spruch: Der Wahlspruch aus Grünwidls künftigem Wappen passt gleich doppelt: "Melodiam Dei recipite" ("Nehmt Gottes Melodie in euch auf"). Er stammt aus einem Brief des frühchristlichen Märtyrers Ignatius von Antiochien und soll einerseits das Anliegen des künftigen Erzbischofs ausdrücken, die "Melodie Gottes" - das Evangelium - "den Menschen ins Ohr und Herz zu pflanzen".

Andererseits spiegelt es auch Grünwidls ausgesprochen musikalische Ader wider. Parallel zu seinem Theologie-Studium studierte er das Konzertfach Orgel. Auch sein Wappen enthält einen Hinweis auf seine Leidenschaft: In einem Feld sind fünf Orgelpfeifen zu sehen.

Für Samstag werden rund 3.000 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft im Wiener Stephansdom erwartet. Als Hauptkonsekrator nimmt Kardinal Schönborn die Weihe vor. Grünwidl selbst, sagte er wenige Tage vor dem Ereignis, gehe diesem Ereignis mit großer Freude und Hoffnung entgegen. Er wolle die aktuellen Probleme der Kirche nicht kleinreden. Doch er betont: "Ich definiere die Kirche nicht in erster Linie über Probleme, Defizite, über Statistiken und Strukturen, sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes."

So wolle er "Seelsorger, Brückenbauer, Team Player" sein. Dazu zitiert er den heiligen Augustinus, der selbst Bischof war: "Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ."

Erzdiözese Wien

Das Erzbistum Wien ist die von der Katholikenzahl her mit Abstand größte Diözese Österreichs. Sie umfasst das Bundesland Wien und die östliche Hälfte von Niederösterreich. Aufgrund der besonderen Größe und der unterschiedlichen Struktur dieser Gebiete ist die Diözese in drei Regionen, die Vikariate unterteilt, für die jeweils ein Bischofsvikar als Stellvertreter des Bischofs verantwortlich ist: 

 Stephansdom in Wien
 / © Annika Schmitz (KNA)
Stephansdom in Wien / © Annika Schmitz ( KNA )
Quelle:
KNA