Neue "Epstein Files" enthalten Verweise auf katholische Kirche

"Der Teufel macht mir Angst"

Die "Epstein Files" enthüllen die engen Beziehungen des Missbrauchstäters Jeffrey Epstein zu zahlreichen Prominenten. Doch es finden sich auch katholische Spuren in den Akten. Sie werfen eine Frage auf: War Epstein katholisch?

Autor/in:
Roland Müller
Dokumente mit geschwärzten Passagen, die in den vom US-Justizministerium freigegebenen Jeffrey-Epstein-Akten enthalten sind. / © Jon Elswick/AP/dpa (dpa)
Dokumente mit geschwärzten Passagen, die in den vom US-Justizministerium freigegebenen Jeffrey-Epstein-Akten enthalten sind. / © Jon Elswick/AP/dpa ( dpa )

Donald Trump, Bill Clinton, der englische Ex-Prinz Andrew und Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit – diese und viele weitere prominente Namen sind sehr oft in den Ende Januar zugänglich gemachten "Epstein Files" zu lesen. Die nun veröffentlichten neuen Dokumente sind vor allem Chat-Protokolle, E-Mails und Akten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. 

Die umfangreichen Epstein-Akten sind auf der Internetseite des US-Justizministeriums frei zugänglich. Wer sich durch die drei Millionen Seiten, 2.000 Videos und etwa 180.000 Bilder klickt, die mit dem 2019 durch Suizid in Haft gestorbenen Epstein in Verbindung gebracht werden, entdeckt dabei auch Verweise auf die katholische Kirche. 

Die Veröffentlichung der Epstein-Akten wurde bereits lange gefordert. / © Mehmet Eser/ZUMA Press Wire/dpa (dpa)
Die Veröffentlichung der Epstein-Akten wurde bereits lange gefordert. / © Mehmet Eser/ZUMA Press Wire/dpa ( dpa )

So machte vor allem in englischsprachigen Zeitungen ein Foto die Runde, das Epstein und seine Komplizin Ghislaine Maxwell bei einem Treffen mit Papst Johannes Paul II. zeigt. Medienberichten zufolge soll es aus dem Jahr 2003 stammen. 

Epstein und seine Freundin sollen für die kurze Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt bei einer öffentlichen Audienz mit dem Privatjet nach Rom geflogen sein. Dieser war auch als "Lolita-Express" bekannt, weil darin regelmäßig sexuelle Vergehen an minderjährigen Mädchen stattgefunden haben sollen. 

Lebte Epstein im Vatikan?

Gefunden wurde das Foto in der Luxus-Villa des Missbrauchstäters auf seiner privaten Karibik-Insel. Das Anwesen Epsteins auf der Insel Little Saint James, die zu den Amerikanischen Jungferninseln gehört, war auch als "Orgy Island" bekannt. Wahrscheinlich wollte sich der als ausgezeichneter Netzwerker bekannte Epstein mit dem Foto vor seinen Gästen damit rühmen, den Papst getroffen zu haben.

Doch hat der US-amerikanische Investmentbanker und Multimillionär auch einige Zeit im Vatikan gelebt? Das legt jedenfalls eine E-Mail aus den "Epstein Files" nahe. Ein gewisser Brandon Thompson berichtete Epsteins Anwalt und Finanzverwalter Richard Kahn im Jahr 2015 von Renovierungsarbeiten in einer Immobilie des Sexualstraftäters. Darin erwähnt er, dass Epstein "mit Papst Johannes Paul II. im Vatikan gelebt" habe. 

Doch was hat er damit gemeint? Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass Epstein in einem engeren Kontakt mit dem polnischen Kirchenoberhaupt stand oder jemals im Vatikan gelebt hat. Vielleicht bezog sich der Kommentar Thompsons auf einen Besuch im Vatikan oder einen kurzen Aufenthalt dort? Nähere Informationen dazu gibt es jedenfalls nicht.

Der Hauptsitz des Istituto per le Opere di Religione (IOR), der Vatikanbank, am 6. Mai 2018 im Vatikan. / © Stefano dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Der Hauptsitz des Istituto per le Opere di Religione (IOR), der Vatikanbank, am 6. Mai 2018 im Vatikan. / © Stefano dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )

Als sicher kann jedoch gelten, dass sich der Vermögensverwalter Epstein für die Vatikanbank interessierte. 2013 bezeichnete Epstein in einer E-Mail den Wechsel des Direktors des "Istituto per le Opere di Religione" (auf Deutsch "Institut für die religiösen Werke", IOR) als "bedeutendste Änderung im Vatikan" – sogar noch wichtiger als den unerwarteten Rücktritt von Papst Benedikt XVI., den der Pontifex wenige Tage vor der E-Mail Epsteins angekündigt hatte. 

Damals galt die Vatikanbank als ein Finanzparadies mitten in Europa, das eine gute Möglichkeit zur Geldwäsche war. Mit dem neuen Statut von 2019 wurde das Finanzinstitut des Heiligen Stuhls reformiert. Heute gilt die Vatikanbank als geläutert und auch finanziell konsolidiert. 

Keine Regeln zur Transparenz

Epstein schien besonders an den damals noch bestehenden Möglichkeiten zur Verschiebung von Geldern interessiert gewesen zu sein. "Wegen des Status des Vatikans als souveräner Staat gelten die Regeln zur Transparenz für ihn nicht. Das bezieht sich nicht nur auf die italienischen Vorgaben, sondern auch auf die der Europäischen Union", schrieb Epstein damals. Dadurch werde es besonders hochrangigen Kunden der Bank ermöglicht, Gelder zu transferieren, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen, woher sie stammen. Ob Epstein diese Möglichkeit für seine Mandanten genutzt hat, ist nicht bekannt. 

Steve Bannon / © J. Scott Applewhite (dpa)
Steve Bannon / © J. Scott Applewhite ( dpa )

Was jedoch gut durch die "Epstein Files" belegt ist: Der Betreiber eines Missbrauchsrings stand in engem Kontakt mit Steve Bannon. Der rechtspopulistische Publizist war 2016 und 2017 ein enger politischer Berater von Donald Trump. Bannon kann als einer der Vordenker der MAGA-Bewegung Trumps gelten, für die er die Kontakte zu extrem konservativen Christen in den USA aufgebaut hat. 

Der Katholik Bannon plante deshalb den Aufbau einer Kaderschmiede für die künftige Elite der europäischen Rechten in einem ehemaligen Kloster in Italien. Für die Populismus-Akademie in der Ex-Abtei Trisulti konnte der Politikberater sogar den konservativen US-Kardinal Raymond Leo Burke gewinnen – der 2019 jedoch seine Unterstützung zurückzog.

Spenden an katholische Wohltätigkeitsorganisation

Zwischen 2018 und bis kurz vor seinem Tod 2019 stand Bannon mit Epstein engem Kontakt, was zahlreiche E-Mails in den Akten belegen. Bannon informierte den Missbrauchstäter etwa über die Beziehungen des Heiligen Stuhls zu China. Epstein schlug Bannon – wahrscheinlich als Witz gemeint – vor, einen Exorzisten in sein Team aufzunehmen. 

Auch das wohl letzte Video-Interview Epsteins führte Bannon mit ihm. Darin gab Epstein zu, dass er ein Verbrecher sei, zeigte sich jedoch nicht zu Empathie mit seinen meist minderjährigen Opfern fähig. Er beendete das Interview mit den Worten: "Der Teufel macht mir Angst."

Das Anwesen auf der Insel von Jeffrey Epstein auf den Amerikanischen Jungferninseln. / © Uncredited/House Oversight Committee/AP/dpa (dpa)
Das Anwesen auf der Insel von Jeffrey Epstein auf den Amerikanischen Jungferninseln. / © Uncredited/House Oversight Committee/AP/dpa ( dpa )

Die Epstein-Akten belegen zudem, dass der Multimillionär immer wieder mittlere Geldbeträge an einen katholischen Wohltätigkeitsfonds auf den Amerikanischen Jungferninseln spendete. Die karitative Organisation setzt sich vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche der Region ein. Epsteins Privatinsel gehörte zu diesem Außengebiet der Vereinigten Staaten – möglicherweise wollte er sich Zugang zu neuen Missbrauchsopfern in seiner unmittelbaren Umgebung verschaffen, wie diverse Medien spekulieren. 

Schließlich halten die neuen "Epstein Files" auch eine verwirrende Entdeckung bereit: War Epstein vielleicht selbst katholisch? In einem Steckbrief einer Firma, die Straftäter auf Bewährung überwacht, und der für ein Sheriff-Büro in Florida angefertigt wurde, findet sich ein entsprechender Eintrag. In der Zeile "Religion" wird für Epstein "Catholic" angegeben. Dabei kann es sich eigentlich nur um einen Fehler handeln, denn Epstein stammt aus einer jüdischen Familie. Eine spätere Taufe oder Konversion zur katholischen Kirche ist nicht bekannt. Dafür Bedarf es weiterer Informationen und Veröffentlichungen zur Person Jeffrey Epstein.

Die katholische Kirche in den USA

Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der USA, denn die Protestanten teilen sich in verschiedene Konfessionen. Ein knappes Viertel der US-Amerikaner ist katholisch, die meisten Katholiken leben im Nordosten und im Südwesten. Genaue Zahlen sind schwierig, weil in den USA der Wechsel einer Konfession sehr häufig vorkommt.

Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 (shutterstock)
Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 ( shutterstock )
Quelle:
DR

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