Neros Superpalast in Rom wird durch moderne Technik lebendig

Virtuelle Realität zeigt Teile des "Goldenen Hauses"

Seit Jahrhunderten schlummert Neros riesiger Goldpalast unter Roms Erde. Seine Geschichte erzählt von Macht, Maßlosigkeit und genialer Baukunst. Teile des "Domus Aurea" sind heute begeh- und mit Technik neu erlebbar.

Autor/in:
Severina Bartonitschek
Domus Aurea / © Severina Bartonitschek (KNA)
Domus Aurea / © Severina Bartonitschek ( KNA )

Ein außergewöhnlich blutrünstiger Brandstifter war der römische Kaiser Nero nicht. Dieses Bild dürften seine politischen Gegner geschaffen haben. Bescheidenheit gehörte jedoch ebenso wenig zur Zier des Sohnes von Köln-Gründerin Agrippina. Das bezeugen die Überreste seines einstigen Superpalastes "Domus Aurea", die sich heute nahe des Kolosseums befinden - verborgen unter dem Park des Oppius-Hügels.

Dass Kaiser Trajan (98-117) einen Teil der Anlage zuschütten ließ und als Fundament für seine Therme nutzte, sorgte zwar zunächst für ihren sichtbaren Untergang. Doch zugleich konservierte er damit einen Teil des "Goldenen Hauses". Die unterirdischen Gewölbe vermitteln noch zwei Jahrtausende später ein beeindruckendes Bild von Neros Superbau. Durch VR-Brillen können Besucher dort – wie einst der Kaiser – einen Blick vom Oppius-Hügel über den rund 80 Hektar großen Komplex schweifen lassen – untermalt vom virtuellen Plätschern zahlreicher Brunnen.

Endlich wohnen wie ein Mensch

Die Palastanlage mit ihrer Vielzahl an Gebäuden zog sich über mehrere römische Hügel. Es gab Parks, Weinberge, Wiesen, Felder, Ländereien, Wälder und einen künstlichen See dort, wo später das Kolosseum stehen sollte. Das Gelände sei belebt gewesen von einer Vielzahl der verschiedenartigsten zahmen und wilden Tiere, schreibt der römische Schriftsteller Sueton. Eine über 30 Meter hohe Kolossalstatue Neros begrüßte die Besucher in der Vorhalle des Palastes. Der Kaiser selbst soll sich laut Sueton bei der Einweihung zufrieden darüber gezeigt haben, dass er jetzt endlich anfange, wie ein Mensch zu wohnen.

Das "Goldene Haus" war eine Stadt in der Stadt. Nero ließ es nach dem großen Brand von Rom im Jahr 64 n. Chr. innerhalb von rund vier Jahren errichten. Das Feuer hatte seinen ebenfalls wenig bescheidenen Vorgängerpalast "Domus Transitoria" weitestgehend zerstört. Namensgebend für den gigantischen Neubau war wohl die Sonne, deren goldenes Licht den Palast einst flutete. Ein Beleuchtungssystem stellt das in dem heute unterirdischen Gemäuer nach.

Zufällig wiederentdeckt

Mit Neros Tod im Jahr 68 verschwanden die prunkvollen Verzierungen aus Gold, Edelsteinen und Marmor nach und nach aus dem Palast - und schließlich auch die Sonne. Erhalten blieben jedoch zahlreiche Fresken mit ihren Ornamenten und Fabelwesen, die Ende des 15. Jahrhunderts zufällig wiederentdeckt und von Künstlern wie Raffael in der Renaissance als Grotesken – vom italienischen Begriff "grotta" für Höhle – wiederverwendet wurden.

Fresko an den Ruinen einer Decke im Museum Domus Aurea / © Severina Bartonitschek (KNA)
Fresko an den Ruinen einer Decke im Museum Domus Aurea / © Severina Bartonitschek ( KNA )

Die Jahrtausende überdauert hat auch der berühmte achteckige Bankettsaal, über dem eine Kuppel mit 15 Metern Durchmesser thront. An ihrem Gewölbe könnte sich einst eine Nachbildung des Universums bewegt haben, ganz so, wie es der Römer Sueton beschrieb: "Der Hauptspeisesaal war eine Rotunde, welche in einem fort Tag und Nacht sich wie das Weltall herumdrehte."

Ein Regenbogen für den Kaiser

Und eine weitere Besonderheit hatten sich die Architekten in dem Oktogon einfallen lassen. Einmal im Jahr, zur Sommersonnenwende am 21. Juni, fiel das Sonnenlicht durch die Kuppelöffnung auf einen künstlichen Wasserfall. Die Strahlen trafen dabei auf genau jene Stelle, an der das Wasser in feinen Tröpfchen von der Oberfläche abprallte. Es entstand: ein Regenbogen für den Kaiser.

Ob Nero selbst dieses Farbenspiel sprichwörtlich "erlebte" ist ungewiss. Der Kaiser starb wenige Monate nach der Einweihung seines prunkvollen Palastes im Jahr 68 – Anfang Juni, wenige Tage vor der Sommersonnenwende.

Der Saal und zahlreiche weitere Räume sind von Freitag bis Sonntag für Besucher geöffnet. Ein Einführungsvideo sowie die virtuelle Tour mit VR-Brille vermitteln einen Eindruck von Aussehen und Größe des antiken Komplexes. Tickets können online gebucht werden unter ticketing.colosseo.it.

Quelle:
KNA