Nach Plakataktion: Italiens Bischöfe solidarisch mit Franziskus

"Verunglimpfung des Nachfolgers Petri"

Nach dem Auftauchen papstkritischer Plakate in Rom haben sich Italiens Bischöfe demonstrativ hinter Papst Franziskus gestellt. Die Aktion würde den Papst auf "vulgäre Art" verletzen.

Papst-kritische Poster in Rom  / © Lena Klimkeit (dpa)
Papst-kritische Poster in Rom / © Lena Klimkeit ( dpa )

Die Aktion sei eine "Verunglimpfung des Nachfolgers Petri", heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz, aus der die Tageszeitung "Avvenire" in ihrer Online-Ausgabe am Montag zitierte. Der Papst werde durch die Plakate "sowohl der Form als auch dem Inhalt nach auf vulgäre Art verletzt", so die Bischöfe. "Wir bekräftigen nachdrücklich Wertschätzung und Dankbarkeit für den Dienst, den der Papst für die Universalkirche leistet." Sie versicherten Franziskus zudem der "Gemeinschaft und Verbundenheit" ihrer Ortskirchen.

In Rom hatten Unbekannte in der Nacht auf Samstag mehr als 200 papstkritische Plakate in mehreren Stadtteilen aufgehängt. Auf ihnen ist Franziskus mit einem besonders finsteren Gesichtsausdruck zu sehen. Unter dem Foto steht in römischem Dialekt: "Franziskus, du hast Kongregationen unter kommissarische Leitung gestellt, Priester entlassen, den Malteserorden und die Franziskaner der Immakulata enthauptet, Kardinäle ignoriert, aber wo bleibt deine Barmherzigkeit?"

Urheber eventuell politische Rechte

Die italienische Polizei und die Stadt Rom entfernten oder überklebten am Samstag insgesamt mehr als 200 der widerrechtlich auf städtischen Werbeflächen angebrachten Plakate. Konkrete Hinweise auf die Täter gab es zunächst nicht. Der italienische Verfassungsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Italienische Medien vermuten hinter der Aktion Italiens politische Rechte und konservative katholische Kreise, die den Reformkurs von Franziskus ablehnen.

Der Papst selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu den Plakaten geäußert. Laut einem Medienbericht soll Franziskus gelassen reagiert haben. Kurienkardinal Marc Ouellet bezeichnete die Aktion am Sonntag als "Werk des Teufels".

Das erste Mal

Der Text der Plakate spielt offensichtlich auf kirchliche Vorgänge an, die in konservativen Kreisen zu Kritik am Papst geführt hatten; etwa den Rücktritt des Malteser-Großmeisters Matthew Festing auf Drängen von Franziskus und den Brief von vier Kardinälen an den Papst, die öffentlich Zweifel an seinem Schreiben "Amoris laetitia" äußerten und mehr Klarheit im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen forderten.

Es ist das erste Mal seit dem Amtsantritt von Franziskus im März 2013, dass solche Plakate in Rom auftauchen. 2014 sorgte ein Graffiti in der Nähe des Vatikan für Aufsehen, das den Papst in Superman-Pose zeigte.

 

Quelle:
KNA