Nach Berlin-Umzug sucht das ZdK noch nach neuem Standing

Ein neues politisches Profil

Zu Jahresbeginn verlegte das höchste Gremium der katholischen Laien seinen Sitz von Bonn nach Berlin. Das neue ZdK-Präsidium kündigte an, mit dem Umzug verbinde sich der Auftrag, das politische Profil des Komitees zu schärfen.

Das Logo des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auf einer Broschüre / © Julia Steinbrecht (KNA)
Das Logo des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auf einer Broschüre / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die neue Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist nicht zu beneiden. Der Umzug nach Berlin stellt das ZdK vor ganz neue Herausforderungen. Die jüngste Auseinandersetzung um Äußerungen von Irme Stetter-Karp zum Thema Abtreibung wirft dabei ein Schlaglicht auf die anstehenden Fragen rund um Selbstverständnis, Repräsentanz und politische Einflussmöglichkeiten, denen sich das ZdK am neuen Standort stellen muss.

Politische Neuausrichtung

Die Kirchengemeinde Herz Jesu, neuer Sitz des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (Zdk) (KNA)
Die Kirchengemeinde Herz Jesu, neuer Sitz des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (Zdk) / ( KNA )

Allerdings muss sich das Gremium nach dem Umzug in der Hauptstadt überhaupt erst einmal einrichten. Viele Mitarbeiter sind in Bonn zurückgeblieben und damit viel politische Erfahrung. Die neuen Referenten müssen sich einarbeiten. Dabei hat sich das im Herbst neu gewählte ZdK-Präsidium viel vorgenommen.

Die Präsidentin mahnte bei ihrer Wahl im vergangenen November den Laienkatholizismus, sich nicht innerkirchlich zu verzetteln, sondern auch politisch wieder mehr Flagge zu zeigen. Die Sozialwissenschaftlerin selbst steht dabei mit Blick auf ihre Caritas-Herkunft für einen Sozialkatholizismus, der bei vielen Fragen den Staat in der Pflicht sieht. Man müsse die katholische Stimme in den "unvermeidlichen und umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozess" einbringen, betonte sie. Und deutete damit wohl nicht ganz zufällig eine gewisse Anschlussfähigkeit an die Veränderungs- und Fortschrittsrhetorik der rot-grün-gelben Mehrheit im Lande an.

Der gesellschaftliche Wandel nach 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft ist auch an der Vertretung des Laienkatholizismus nicht spurlos vorübergegangen. Das zeigte sich schon bei der Wahl der Einzelpersönlichkeiten auf der Vollversammlung in Berlin, als langjährige Mitglieder aus dem Umfeld der Union nicht wiedergewählt wurden. Noch augenfälliger wurde dies dann beim Katholikentag in Stuttgart durch die signifikante Verschiebung bei der Präsenz der Parteien. Fanden sich früher Unionspolitiker auf fast jedem politischen Podium, so waren die Reihen nun deutlich gelichtet. Nach dem Spitzenpersonal hielt man vergeblich Ausschau. Der neue CDU-Vorsitzende Friedrich Merz fehlte ebenso wie CSU-Chef Markus Söder; dasselbe galt für die vielen Stellvertreter.

Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist das höchste repräsentative Gremium des deutschen Laien-Katholizismus. Es vertritt die katholischen Laien bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung und ist das von der Bischofskonferenz anerkannte Organ zur Koordinierung des Laienengagements in der Kirche. Allerdings melden sich immer wieder auch einige katholische Laien und Vereinigungen zu Wort, die das ZdK nicht als ihre Vertretung verstehen.

Kreuz und Logo des ZdK / © Harald Oppitz (KNA)
Kreuz und Logo des ZdK / © Harald Oppitz ( KNA )

Überproportional waren hingegen die Grünen und vor allem die SPD vertreten - also Parteien, von denen sich weitaus weniger Politiker zur Kirche bekennen oder gar kirchlich aktiv sind, angefangen bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Das hatte sicherlich mit dem Regierungswechsel in Berlin zu tun, dürfte aber auch Ausdruck einer größeren Distanz zwischen Union und ZdK sein.

Schwer zu sagen, ob dies mehr auf den Unmut von Seiten der Union oder auf eine Neuausrichtung des ZdK zurückzuführen ist. Jedenfalls haben sich die Beziehungen vieler Unionspolitiker gegenüber dem ZdK deutlich abgekühlt. Dazu passt auch, wie aufmerksam in Unionskreisen die Äußerungen Stetter-Karps zur Abschaffung des Paragrafen 219a wahrgenommen wurden. Während die ZdK-Chefin - zuletzt in einem Gastbeitrag für die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" - dies begrüßte, hatte sich die Union in Übereinstimmung mit den Bischöfen für eine Beibehaltung des Werbeverbots für Abtreibung als Teil des umfassenden Schutzkonzepts stark gemacht.

Kritik an Präsidentin Stetter-Karp

Mindestens ebenso kritisch wurde nicht nur von Seiten der Bischofskonferenz und vieler Katholiken, sondern auch in Unionskreisen die Aussage Stetter-Karps im selben Beitrag aufgenommen, es sei "sicherzustellen, dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs flächendeckend ermöglicht wird". Insbesondere im ländlichen Raum sei das derzeit nicht der Fall.

Irme Stetter-Karp / © Julia Steinbrecht (KNA)
Irme Stetter-Karp / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Thomas Arnold, Direktor der Katholischen Akademie Dresden Meißen, ZdK-Mitglied und Mitglied in der Grundwertekommission der CDU, verwies denn auch auf mögliche politische Weiterungen einer solchen Forderung. "Wer ein flächendeckendes Angebot für den Lebensanfang fordert, läuft Gefahr, mit gleicher Begründung auch das flächendeckende Angebot am Lebensende umsetzen zu müssen", sagte Arnold dem Portal katholisch.de.

Andere warfen die Frage auf, ob dann Ärzte möglicherweise gegen ihren Willen an Abtreibungen teilnehmen müssten, um das Angebot sicherzustellen. Zuvor hatte Arnold in einem Tweet ZdK-Generalsekretär Marc Frings die Frage gestellt: "Ab wann, lieber @mpfrings, darf die Präsidentin "Namens des gesamten @zdkonline" sprechen? Ich frage unwissend und freue mich um Geschäftsordnungs-Aufklärung."

Oder anders gefragt: Wer spricht wann im Namen des ZdK und für wen spricht das ZdK? Das betrifft auch den Generalsekretär selbst, der seit 2020 im Amt als ehemaliges Mitglied der Konrad Adenauer Stiftung aus dem politischen Raum kommt. Stärker als seine Vorgänger orientiert er sich bei seiner Rolle offenbar an jener der Generalsekretäre von Parteien. Und so äußert er sich auch schon mal durchaus pointiert zu nicht weniger umstrittenen Fragen wie etwa zum kirchenpolitischen Reizthema "LGBTQI-Rechte".

Positionierung schärfen?

Das Thema der Repräsentanz dürfe das Laiengremium somit künftig nicht nur im innerkirchlichen Raum beschäftigen, sondern auch im gesellschaftlichen. Thomas Sternberg hatte bei seinem Abschied als ZdK-Präsident unter anderem beklagt, dass viele Statements des ZdK nicht mehr hinreichend wahrgenommen würden. Ein Grund könnte auch in ihrem bisherigen Konsens-Charakter liegen. Wer politischen Einfluss haben will, muss Partei ergreifen und zuspitzen, um im vielstimmigen Chor der Berliner Lobbyisten Gehör zu finden.

Wie weit aber kann das ZdK dies leisten, ohne selbst Partei zu werden? Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Herausforderung bei seiner Rede auf dem Katholikentag in Stuttgart so zusammengefasst: "Das Wort und das Zeugnis der Kirchen soll (...) nicht das wiederholen, was in der Gesellschaft ohnehin schon gesagt wird. Orientierung können Christen nur gewinnen und geben, wenn sie sich auf ihr Eigenes besinnen, auf das, was nicht aus den Plausibilitäten abgeleitet werden kann, die gerade aktuell sind."

Für das ZdK sicher ein schwieriger Balanceakt - wobei der ein oder andere Ausrutscher wohl kaum zu vermeiden ist.

Autor/in:
Christoph Scholz
Quelle:
KNA