Museumsdirektor weist Kritik an "marodem Kolumba" zurück

Ausdruck "völlig fehl am Platz"

Ist das Kunstmuseum Kolumba des Erzbistums Köln "marode"? Darüber berichet der "Kölner Stadtanzeiger". Für Direktor Stefan Kraus ist die Einschätzung übertrieben. Zumal auf die Probleme schon lange transparent hingewiesen wird.

Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Julia Steinbrecht (KNA)
Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Sie sind ein bisschen empört über die Schlagzeile, dass Kolumba "marode" sei. Warum genau?

Gastgeber im Kolumba war Museumsdirektor Dr. Stefan Kraus. / © Tomasetti (DR)
Gastgeber im Kolumba war Museumsdirektor Dr. Stefan Kraus. / © Tomasetti ( DR )

Dr. Stefan Kraus (Direktor des Museums Kolumba): Ich finde es immer wieder spannend, wie es Kulturarbeit auf die Titelseiten der Printmedien schafft. Da wünscht man sich natürlich eine inhaltliche Berichterstattung und nicht den Aufhänger, Kolumba sei nach 15 Jahren marode.

Ich glaube, jeder kann sich selber davon ein Bild machen und ich lade jeden herzlich ein, das Haus zu besuchen und zu sehen, dass das nach 15 Jahren ein unglaublich fitter und schöner Bau ist, der zugegebenermaßen ein bauphysikalisches Problem hat, das wir seit Jahren kennen und an dessen Behebung und Lösung wir uns in den letzten Jahren sehr vorsichtig herangetastet haben.

DOMRADIO.DE: Was ist das denn für ein Problem?

Kraus: Das ist sehr ausführlich beschrieben. Sie können das auch auf der Homepage von Kolumba auf der Startseite nachlesen. Wir haben 60 Zentimeter dicke, massive Wände gebaut, die mit einem Leitungssystem durchzogen sind, wo wir an Geothermie angeschlossen auch Bauteilaktivierung betreiben, also ein sehr ökologische Verfahren gewählt haben. Das war in dieser Größenordnung einzigartig.

Dr. Stefan Kraus

"Da gibt es ein Problem, das eben im Zusammenhang mit den Fugen sich kleine Fugenrisse gebildet haben, durch das Regenwasser eindringen kann."

Wir haben einen dafür gebrannten Ziegel vermauert, den Kolumba-Ziegel, der vom dänischen Hersteller weltweit verkauft wird. Im Inneren der Wände haben wir einen einfacheren Ziegel gebraucht. Da gibt es ein Problem, dass sich im Zusammenhang mit den Fugen kleine Fugenrisse gebildet haben, durch die Regenwasser eindringen kann.

Das geht dann leider nicht mehr nach außen raus, sondern nach innen und produziert dann auf unseren schönen lehmverputzten Wänden feuchte Flecken, die man vor allen Dingen in den Turmräumen schon seit vielen Jahren sehen kann.

Dem begegnen wir mit vielen Testflächen, die wir beraten von physikalischen Instituten angelegt haben. Das ist eine Maßnahme, die wir vor einigen Jahren gemacht haben, indem wir zunächst einmal nur die Fugen selbst mit einer Chemie bestrichen haben, die sie gegen das eindringende Wasser schützt.

Das alleine hat noch nicht den gewünschten Effekt gebracht, sodass wir in den letzten Jahren noch weitere Testflächen beobachtet haben und nun zu der Überzeugung gekommen sind, dass es sinnvoll und richtig und auch vernünftig ist, die West- und die Südseiten des gesamten Hauses mit einer unsichtbaren Chemie zu hydrophobieren, die man nicht wahrnimmt, die aber tatsächlich das Eindringen von Wasser an diesen Wänden verhindert.

DOMRADIO.DE: Jetzt findet auch aktuell eine Ausstellung zu 1700 Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland statt. Hat diese Sanierung darauf irgendwelche Auswirkungen?

Kraus: Überhaupt nicht. Auch das kann man nachlesen. Darüber haben wir immer transparent informiert und werden das auch in Zukunft weiter tun. Unsere Ausstellungsarbeit ist in keiner Weise davon behindert und ich kann jedem nur empfehlen, diese wunderbare Kooperation mit "MiQua", dem Jüdischen Museum hier in Köln, über Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland der vielen Jahrhunderte noch bis zum 15. August zu besuchen.

Dr. Stefan Kraus

"Am Ostturm kann man das sehr schön beobachten, dass sich da tatsächlich im Laufe der letzten Jahre dann keine neue feuchten Stellen gebildet haben."

Ich glaube, es lohnt sich einfach. Ab Mitte September sind wir dann wieder ein ganz anderes Kolumba. Das kann ich jetzt schon ankündigen. Da werden wir uns intensiv mit der Geschichte des eigenen Ortes beschäftigen.

DOMRADIO.DE: Dann wird es aber auch keine Einschränkungen wegen Sanierungsmaßnahmen geben?

Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Rosner (Erzbistum Köln)
Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Rosner ( Erzbistum Köln )

Kraus: Nein, überhaupt nicht. Deshalb ist der Begriff "marode" an dieser Stelle wirklich völlig fehl am Platz. Das Haus hat sich als Ausstellungshaus sehr bewährt. Ich glaube, das kann jeder beurteilen, der da war. Wir arbeiten darin unheimlich gerne.

DOMRADIO.DE: Wie zuversichtlich sind Sie denn, dass es irgendwann mit den Sanierungsmaßnahmen vorbei ist?

Kraus: Ich kann mich nur darauf verlassen, was uns die Bauphysiker raten und empfehlen. Wir sind sehr zuversichtlich, sonst würden wir das nicht so machen.

Wir haben Testflächen an den betroffenen Turmräumen angelegt. Am Ostturm kann man sehr schön beobachten, dass sich da im Laufe der letzten Jahre keine neue feuchten Stellen gebildet haben. Während der Südturm, der unbehandelt ist, tatsächlich solche Stellen aufweist.

Deshalb sind wir eigentlich ganz zuversichtlich, dass wir den richtigen Weg gefunden haben, um dann hoffentlich zu einer Lösung zu kommen.

Das Interview führte Florian Helbig.

Museum Kolumba

 © Mizkit (shutterstock)

Das Kunstmuseum des Erzbistums Köln Kolumba wurde am 14. September 2007 eröffnet. Pläne und Ausführung stammen von dem Schweizer Architekten Peter Zumthor. Der Neubau bezieht Reste der im Krieg zerstörten spätgotischen Kirche Sankt Kolumba, die 1950 fertiggestellte Kapelle "Madonna in den Trümmern" von Gottfried Böhm sowie die archäologische Ausgrabung (1973-1976) mit ein. Von den Baukosten von 43,4 Millionen Euro trug das Erzbistum 38,4 Millionen, das Land Nordrhein-Westfalen 5 Millionen Euro.

Quelle:
DR