DOMRADIO.DE: Anfang Juni findet in Rom wieder der Vatikan Cup statt. Auch der KSV Johannisthal ist wieder dabei, mit einer Herren- und einer Damenmannschaft. Was ist diesmal das Besondere?
Elmar Werner (ehemaliger ev. Jugendpfarrer in Berlin, Gründungsmitglied des KSV Johannisthal): Das Besondere ist zunächst einmal, dass wir erneut vom Vatikan eingeladen wurden. Ich weiß nicht, wie viele Vereine diese Einladung ein zweites und drittes Mal bekommen. Außerdem stellen wir diesmal eine ganz besondere Mannschaft zusammen: multiregional, multikulturell und multireligiös.
Bei uns spielen Protestanten, Katholiken, Menschen ohne religiöse Bindung, und auch zwei Muslime. Hinzu kommt, dass wir israelische Fußballer aus Kfar Hanassi einladen wollen. Dort wird nach dem vom 2023 Hamas-Angriff gerade wieder eine Mannschaft aufgebaut. Einige dieser Spieler sollen mit nach Rom kommen, um gemeinsam gegen die Nationalmannschaften des Vatikans anzutreten.
DOMRADIO.DE: Mit dabei ist auch unsere Kollegin Carolina Graf-Alaçon. Sie spielt in der Damenmannschaft. Wie schätzt ihr eure Chancen ein?
Werner: Bei den Damen arbeiten wir mit dem Berliner Verein Askania zusammen. Sie spielen soliden Fußball, und ich denke, wir können gut mithalten.
Bei den Herren wird es spannend. Wir haben das letzte Spiel in Berlin – mit ein bisschen Gottes Hilfe – gewonnen. Deshalb wird der Vatikan diesmal sicher alles geben. Aber wir kooperieren unter anderem mit der Traditionsmannschaft von Lok Leipzig. Fußball spielen können wir also und wir werden gut dagegenhalten.
DOMRADIO.DE: Jenseits des Sports geht es bei diesem Turnier auch um mehr. Wird man das Miteinander der Religionen auch abseits des Platzes spüren?
Werner: Das hoffe ich doch. Wir werden Rom und den Vatikan erkunden, sind zu Gast bei der Schweizer Garde und besuchen verschiedene Orte. Außerdem ist ein Empfang beim deutschen Botschafter am Heiligen Stuhl geplant und wir haben offiziell um einen Termin beim Papst angefragt. Für mich ist dieses Turnier viel wichtiger als große, aufgeblähte Fußballereignisse. Wir machen eine Sache, die wirklich verbindet und Verständigung schafft. Das ist das Entscheidende.
DOMRADIO.DE: Du sprichst von einem spirituellen Plus. Wie würdest du das beschreiben?
Werner: Wir haben Muslime, Juden und Christen gemeinsam in einem Team. Zusammen spielen wir gegen die Nationalmannschaft des Vatikans – das ist ein ganz besonderes Gefühl. Für mich ist das viel bedeutender als große kommerzielle Turniere. Hier kommt alles direkt vom Menschen, und genau das zählt.
Das Interview führte Heike Sicconi.