Wallfahrtsdirektor über alternative Gottesdienstformen in Corona-Pandemie

Motorradsegnung und Treckerwallfahrt

Der Kontakt zur Kirche ist während der Corona-Pandemie bei vielen Menschen weiter zurückgegangen. Als keine Gottesdienste mehr möglich waren, hat Wallfahrtsdirektor Pater Albert Seul schon früh kreative Lösungen gefunden.

Symbolbild Motorrad mit Rosenkranz / © Butchoy Gabis (shutterstock)
Symbolbild Motorrad mit Rosenkranz / © Butchoy Gabis ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Waren Sie damit einverstanden, als es im März hieß, dass Restaurants geschlossen werden müssen, wir keine Freunde mehr treffen durften und uns am besten gar nicht mehr aus dem Haus bewegen sollten?

Pater Albert Seul (Wallfahrtsdirektor aus Klausen/Moseleifel): Nein, ich war ein bisschen traurig darüber. Ich habe das als wirkliche Einschränkung meiner Grundrechte empfunden. Vielleicht war das am Anfang auch diesen schrecklichen Bildern geschuldet, die man gesehen hat. Aber nach ein paar Wochen hätte man viel früher lockern können. Das war für mich eine ganz schreckliche Zeit, die ich nicht gut fand.

DOMRADIO.DE: Wie sehr hat es den Wallfahrtsort getroffen?

Seul: Der Anfang der Wallfahrtszeit fiel mit dem Ende des Lockdowns zusammen. Aber gerade in der Osterzeit, in der schon immer viele Leute nach Klausen kamen und am Palmsonntag, der hier immer ein großes Fest ist, hat es uns sehr getroffen, dass wir keine öffentlichen Gottesdienste feiern konnten.

DOMRADIO.DE: Einkaufen im Supermarkt ging immer – die Osternacht mit Gläubigen nicht. War die Kirche zu angepasst in der Zeit, zu obrigkeitshörig?

Seul: Die Frage hatte ich damals auch. Ich hätte mir gewünscht, dass unsere Kirchenoberen in der Verhandlung etwas mutiger gewesen wären. Ich sage immer: Vor 30 oder 40 Jahren hätte sich ein katholischer Bischof nicht verbieten lassen, dass Gottesdienste in seinen Kirchen gefeiert werden. Da fand ich unsere Bischöfe wirklich zu zahm.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist der Kontakt zur Kirche bei vielen etwas verloren gegangen. Da hatten Sie eine Idee, wie man das ändern könnte?

Seul: Ja, wir haben - damals noch im Lockdown - mit Autogottesdiensten angefangen. Das war sehr erfolgreich. Wir haben dann eine Motorradsegnung gemacht anstatt einer Motorradwallfahrt, die damals nicht möglich war. Letzte Woche dann unsere Traktorwallfahrt. Auch da war eine traditionelle Wallfahrt nicht möglich, aber wir konnten eine Traktorsegnung machen und auch eine Tiersegnung. Das hat alles gut geklappt.

Die Menschen kamen nicht alle aus Klausen. Der Wallfahrtsort wirkt ja in die Region hinein. Von der Mosel, aus der Eifel, aus der Südeifel kamen die Menschen nach Klausen.

DOMRADIO.DE: Autogottesdienste, Motorradsegnungen, Treckersegnungen: Was können Sie sich denn als Nächstes vorstellen? 

Seul: Meine Idee wäre eine Feuerwehrwallfahrt, zu der die Feuerwehren aus der Region eingeladen werden. Ich finde, die machen einen super Job, gerade jetzt in dieser Zeit.

Unserer Feuerwehr im Dorf an dieser Stelle ein großes Kompliment. Die helfen uns sehr und haben viele Veranstaltungen begleitet - oft ehrenamtlich oder "undercover", denn sie durften nicht in Uniform auftreten. Dann sind Sie als Privatleute gekommen und haben uns geholfen. Eine Feuerwehrwallfahrt wäre auch ein Dankeschön für die tolle Arbeit der Feuerwehrleute.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Quelle:
DR