Russland und die Ukraine haben zum orthodoxen Osterfest eine 32-stündige Waffenruhe im Krieg beider Länder angekündigt.
Den Staatschefs Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj zufolge soll die Feuerpause von Samstag um 16 Uhr (Ortszeit) bis Sonntag um 24 Uhr dauern. In beiden Ländern feiern orthodoxe und griechisch-katholische Christen dann Ostern.
Wie der Kreml am späten Donnerstagabend mitteilte, wies Putin seinen Verteidigungsminister Andrej Beloussow und Generalstabschef Waleri Gerassimow an, für diesen Zeitraum die Kampfhandlungen an allen Fronten einzustellen. Die Truppen müssten aber bereit sein, auf "mögliche Provokationen" des Gegners zu antworten.
"Menschen brauchen Osterfest ohne Bedrohungen"
Wenig später schrieb Selenskyj in sozialen Diensten, Kiew habe wiederholt seine Bereitschaft zu symmetrischen Schritten erklärt. "Wir haben eine Waffenruhe während der Osterfeiertage in diesem Jahr vorgeschlagen und werden entsprechend handeln." Die Menschen bräuchten ein "Osterfest ohne Bedrohungen und eine echte Bewegung hin zum Frieden", so der ukrainische Präsident.
Bereits im vergangenen Jahr hatten Moskau und Kiew eine kurze Feuerpause zu Ostern verkündet, sich dann aber gegenseitig vorgeworfen, diese gebrochen zu haben.
Russland hatte im Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen, in dem laut Schätzungen bereits mehr als eine Million Menschen getötet wurden. Am Donnerstag übergab Russland der Ukraine nach eigenen Angaben die Leichname von weiteren 1.000 gefallenen ukrainischen Soldaten.
Bartholomaios I. verurteilt Instrumentalisierung des christlichen Glaubens
Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., verurteilt zum orthodoxen Osterfest jede Instrumentalisierung des christlichen Glaubens für kriegerische Zwecke. Die österliche Botschaft von der Auferstehung Christi sei eine Absage an Gewalt und Angst und ein Aufruf zu einem Leben in Frieden, schreibt Bartholomaios I. in seiner Osterbotschaft.
Der Patriarch weist abschätzige Behauptungen vom christlichen Ethos als "Moral der Schwachen" zurück und betont die selbstlose Liebe, die nicht ihren Vorteil suche, verbunden mit Mut, Tapferkeit und existenzieller Echtheit.
Wörtlich schreibt der Patriarch: "Das Wort vom Kreuz und von der Auferstehung erklingt heute als Evangelium des Friedens, der Versöhnung und der Gerechtigkeit. Krieg, Hass und Ungerechtigkeit widersprechen den grundlegenden christlichen Prinzipien, für deren Verwirklichung und Festigung das Volk Gottes täglich betet und arbeitet." Und weiter: "Die Liebe zu Gott duldet keineswegs den Hass gegen den Menschen."
Gebet für Opfer der Gewalt
Bartholomaios I. ist als Patriarch von Konstantinopel seit 1991 Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche und als Ökumenischer Patriarch zugleich Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie mit schätzungsweise 220 bis 300 Millionen Gläubigen.
Der Patriarch ruft zum Gebet für die Opfer der Gewalt, für die Waisen, für die Mütter, die ihre Kinder beweinen, und für alle, die in Leib und Seele die Folgen menschlicher Grausamkeit und Gefühllosigkeit tragen.
Es gibt nur eine Menschheitsfamilie
Angesichts der täglichen Bilder der Grausamkeit des Krieges verkünde die Kirche mit lauter Stimme "die Heiligkeit der menschlichen Person in jedem einzelnen Menschen, wo auch immer auf Erden, und die Pflicht, sie uneingeschränkt zu respektieren", so Bartholomaios weiter. Es gebe nur eine einzige Menschenfamilie.
Der Patriarch erinnert in seiner Osterbotschaft auch an das Panorthodoxe Konzil von Kreta vor zehn Jahren. Dieses habe die Pflicht der Kirche hervorgehoben, "nach dem zu streben, was zum Frieden beiträgt".
Kardinal Marx gratuliert orthodoxen Christen zum Osterfest
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wendet sich mit Ostergrüßen an die orthodoxen Christinnen und Christen. Diese feiern in diesem Jahr das Fest der Auferstehung am 12. April. "Was uns verbindet, ist der Glaube, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Dass nicht die Waffen und der Hass gewinnen, sondern Friede und Liebe", erklärt Marx in einem Beitrag für die Rundfunkreihe "Zum Sonntag". Diese wird am 12. April um 7.25 Uhr auf Bayern 2 Radio gesendet.
"Was uns verbindet, ist mehr als das, was uns trennt!", betont der Erzbischof von München und Freising. Zugleich äußert er den Wunsch, dass die Kirchen bald eine Einigung für ein gemeinsames Osterdatum finden mögen. Das wäre in einer Welt, die so viele Konflikte, Spannungen und Kriege erleidet, ein kraftvolles und ermutigendes Zeichen und ein wirksamer Beitrag für Frieden zwischen den Menschen und Nationen, zwischen Religionen und verschiedenen Positionen.
Der Kardinal erinnert daran, dass nach Franziskus auch Papst Leo XIV. deutlich gemacht habe, für ein gemeinsames Osterdatum aller Christen offen zu sein. Gemeinsam mit Patriarch Bartholomaios I. wolle man nach einer Lösung suchen. "Denn das große Ziel der Ökumene bleibt die sichtbare Einheit der Christenheit." Gemeinsamkeiten stärken Auf dem Weg dorthin gelte es deshalb, die Gemeinsamkeiten weiter zu stärken und mit Leben zu füllen, so Marx. Das sei nicht nur ein Dienst an der Christenheit, sondern an der ganzen Menschheitsfamilie.
"Ein gemeinsam gefeiertes Osterfest ist inmitten unserer pluralen Welt keine Nebensache! Es sollte endlich eine Einigung möglich sein." Die orthodoxen Kirchen und die katholische Kirche feiern seit der von Papst Gregor XIII. im 16. Jahrhundert vollzogenen Gregorianischen Kalenderreform das Osterfest meist an unterschiedlichen Tagen.