Moarltheologe sieht Segnung homosexueller Paare auf Linie mit Rom

Für eine "angemessene Gestaltung"

Der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister sieht die Handreichung der deutschen Bischöfe zum Segen für homosexuelle Paare im Einklang mit den Vorgaben des Vatikans. Es gehe dabei um Qualitätssicherung und Orientierung.

Homosexuelles Paar hält sich an den Händen / © Chay_Tee (shutterstock)
Homosexuelles Paar hält sich an den Händen / © Chay_Tee ( shutterstock )

Die Handreichung sei "keine offizielle Einführung eines feierlichen Segensritus", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). Sondern das von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken im April 2025 herausgegebene Dokument gebe lediglich Empfehlungen "für eine situativ angemessene Gestaltung von Segnungen".

Jochen Sautermeister / © Julia Steinbrecht (KNA)
Jochen Sautermeister / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Auch das Schreiben "Fiducia supplicans" des vatikanischen Glaubenspräfekten Víctor Fernández von Dezember 2023 verbinde solche Segnungen mit Fürbitte und Gebet und empfehle, Elemente der Volksfrömmigkeit zu berücksichtigen, betonte Sautermeister, der an der Universität Bonn Moraltheologie lehrt.

Orientierung und "Qualitätssicherung"

Da die Segnungen kein formaler Ritus seien und nicht in liturgischen Büchern reguliert würden, wolle Rom, dass die geweihten Amtsträger entsprechend ausgebildet werden, um solche Segnungen kompetent und angemessen durchzuführen. 

"Genau das wird ja auch mit der deutschen Handreichung beabsichtigt: Orientierung und Qualitätssicherung, damit die Segnung auf die Situation des Paares eingeht und sich klar von einer liturgischen Feier unterscheidet." Es werde in der Handreichung kein Ritual festgeschrieben und keine feste Form definiert. "Außerdem ist kein Seelsorger zu einer Segnung verpflichtet, wenn er das mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann."

Nur wenige Sekunden

Papst Leo XIV. habe die Geltung von "Fiducia supplicans", das noch aus der Amtszeit seines Vorgängers Franziskus stammt, bekräftigt, unterstrich Sautermeister. "Beim Segen für Homosexuelle gibt es aus meiner Sicht kein Zurück. Darum hat Rom seine Gesprächsbereitschaft signalisiert." "Fiducia supplicans" erlaubt Segnungen homosexueller Paare nur im außerliturgischen Rahmen. Der Segen soll demnach nur wenige Sekunden dauern und nicht den Eindruck einer kirchlichen Eheschließung erwecken. Demgegenüber enthält die deutsche Handreichung auch feierliche Elemente wie Gesang und Gebet.

Nachdem der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Umsetzung der Segensfeiern in seinem Erzbistum empfohlen hatte, erklärte der Papst auf dem Rückflug von seiner Afrikareise im April: "Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formellen Segnung von Paaren - in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen - nicht einverstanden sind."

Katholische Kirche erlaubt Segnung für homosexuelle Paare

Homosexuelle Paare können auch in der katholischen Kirche gesegnet werden. Die vatikanische Glaubensbehörde veröffentlichte eine Grundsatzerklärung, wonach katholische Geistliche unverheiratete und homosexuelle Paare segnen dürfen. In dem Text mit dem Titel "Fiducia supplicans" (deutsch: Das flehende Vertrauen) wird betont, dass dabei eine Verwechslung mit einer Eheschließung ausgeschlossen werden muss. Auch darf ein Geistlicher den Segen nicht im Rahmen eines Gottesdienstes erteilen.

Ein Regenbogen leuchtet über dem Petersdom vor dem Beginn der wöchentlichen Generalaudienz von Papst Franziskus im Vatikan / © Gregorio Borgia (dpa)
Ein Regenbogen leuchtet über dem Petersdom vor dem Beginn der wöchentlichen Generalaudienz von Papst Franziskus im Vatikan / © Gregorio Borgia ( dpa )
Quelle:
KNA