Jugendsynode: Redebeiträge der Bischöfe Oster und Genn

"Mit Freiheit vor Missbrauch schützen"

"Junge Menschen suchen Freiheit", betonte der Passauer Bischof Oster bei der Bischofssynode in Rom. Wenn auch die Begleiter der Jugendlichen im Herzen wahrlich frei seien, dann würde das auch vor Missbrauch schützen, so Oster.

Synodenteilnehmer beim Gebet / © Vatican Media (KNA)
Synodenteilnehmer beim Gebet / © Vatican Media ( KNA )

Es geht um Freiheit. Wie der Passauer Bischof Stefan Oster bei der Bischofssynode in Rom sagte, sei das der zentrale Begriff für den Umgang mit Jugendlichen. Das gelte auch für die geistlichen Begleiter der jungen Menschen, die "im Herzen Jesu zu Haus" sein sollen.

Dann könnten die Geistlichen die Jugendlichen freilassen und freigeben – auf Jesus hin, so Oster in seinem Redebeitrag auf der Jugendsynode, den die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlichte. Und vor allem: "Dann müssen wir sie nicht benutzen oder gar missbrauchen für unseren eigenen Ruhm oder unsere eigene Befriedigung."

"Looking for freedom"

"Junge Menschen suchen Freiheit“, betonte der Bischof Oster. "Sie suchen vor allem die Freiheit von Zwängen und die Freiheit wählen zu können, was ihnen Freude macht", sagte der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Mit einem "Du musst" und "Du darfst nicht", das junge Menschen oft der Kirche zuschrieben, sei das aber nicht vereinbar.

Was ist schon Freiheit?

Deswegen schlug Oster einen relationalen Freiheitsbegriff vor, wonach eine erste Bestimmung laute: "Freiheit ist im Herzen eines anderen ich selbst sein dürfen und ich selbst werden dürfen."

Es gebe aber auch Grenzen, die in der Natur des Menschen liegen, so der Bischof: "Wir sind selbst oft gebrochen, verwundet, egoistisch. Oder wir benutzen andere für uns und halten sie fest und lassen sie nicht frei – damit sich unser eigenes Herz nicht so leer anfühlt."

Freiheit im Herzen und Jesus im Herzen

Dieser eigenen Fehlbarkeit bewusst zu sein – das würden sich junge Menschen auch von ihren Begleitern wünschen, sagte Oster.

Freiheit liege für Christen insbesondere im Herzen Jesu. "Hier ist der Ort deiner Freiheit, hier ist unendliche, absichtslose Liebe für Dich, hier ist Vergebung aller Sünden. Hier ist das Herz der Welt, hier bist Du wirklich zu Hause."

Bischof Genn gegen Bevormundung von Jugendlichen

Münsters Bischof Felix Genn hat auf der Bischofssynode vor einem "geistlichen Missbrauch" bei der Begleitung von Jugendlichen gewarnt. Seelsorger stünden in der Gefahr, anderen aufzuzwingen, was sie selbst für richtig hielten, statt der begleiteten Person Freiheit zu lassen, sagte Genn in seinem Beitrag am Donnerstag laut dem von der Deutschen Bischofskonferenz verbreiteten Redeskript.

Der Bischof wandte sich damit kritisch gegen eine Formulierung im Arbeitsdokument der Synode, nach der von Jugendlichen auf der Suche nach geistlicher Orientierung "Folgsamkeit dem Lehrer gegenüber" verlangt wird. Als Grundhaltung für Jugendseelsorger empfahl Genn "intensives Zuhören", damit die Jugendlichen von sich aus zu tragenden Einsichten gelangen könnten.

Als Tipp für die Synodalen steuerte Genn seine positive Erfahrung bei, religiöse Jugendveranstaltungen auf den späten Sonntagnachmittag zu legen. Dies sei eine Zeit, die Jugendliche wenig mit Freizeitaktivitäten zu füllen wüssten, sagte der Bischof.

Bischof Oster mit Jugendlichen in Rom / © Cristian Gennari (KNA)
Bischof Oster mit Jugendlichen in Rom / © Cristian Gennari ( KNA )
Bischof Genn während einer Predigt / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Bischof Genn während einer Predigt / © Rolf Vennenbernd ( dpa )
Quelle:
DR , KNA
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