Bonner halten Mahnwache vor Synagoge

Mit einem Stuhl gegen Antisemitismus

Drei Tage lang saßen Bonner Bürger vor der Synagoge der ehemaligen Hauptstadt. Die Aktion ist zu Ende, doch der Stuhl soll als Einladung bleiben, weiterhin Platz zu nehmen und Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

Synagoge in Bonn / © Julia Steinbrecht (KNA)
Synagoge in Bonn / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde: Vor der Bonner Synagoge haben Einwohner der Stadt von Freitag bis Sonntag eine Mahnwache gehalten. Damit reagierten sie auf den neu entflammten Konflikt zwischen Israel und Palästina, der auch in Deutschland zu antisemitischen Angriffen geführt hat.

Stuhl bleibt stehen

Offiziell ist die Aktion nun vorbei, doch ein brauner Holzstuhl soll vor der Tür des Gotteshauses stehenbleiben. Darauf kann sich setzen, wer ein Zeichen gegen Judenfeindlichkeit setzen will. Insgesamt rund 250 Personen beteiligten sich laut Initiator Rolf Rau in den vergangenen Tagen an der Aktion.

In der vorigen Woche wurde vor der Bonner Synagoge eine israelische Flagge angezündet und der Eingang durch Steinwürfe beschädigt. Es habe ihn entsetzt, dass sich die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Margaret Traub, danach nicht mit Gesicht im Fernsehen habe zeigen wollen - aus Angst vor weiteren Konsequenzen. Daraus sei die Idee zu der Initiative erwachsen.

Er demonstriere nicht gegen etwas, sagte Rau, sondern für etwas. "Ich demonstriere dafür, dass Frau Traub im Fernsehen ihr Gesicht zeigen kann ohne Angst haben zu müssen." Die drei Demonstranten wünschen sich mehr Aufklärung über Religionen, über Kulturen, über die Geschichte in Deutschland und im Nahen Osten.

Positive Bilanz

Die Bilanz des Initiators fällt positiv aus: Er habe überwiegend zustimmende Rückmeldungen bekommen, berichtet er. So habe ein arabischer Restaurantbesitzer Falafel und Hummus vorbeigebracht.

Ältere Damen aus der Nachbarschaft seien mit Keksen und Kuchen vorbeigekommen. Ein Anwohner habe ihnen seine Toilette angeboten.

"Wir sind zwar nur eine symbolische Wacht", so Rau. Es dürfe aber nicht nur die Polizei vor der Synagoge stehen.

Autor/in:
Annika Schmitz
Quelle:
KNA
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