Dreikönigswallfahrt erinnert auch an jüdisches Jubiläum

"Mit den jüdischen Wurzeln auseinandersetzen"

Der christliche Glaube hat seine Wurzeln im Judentum. Daran erinnert an diesem Freitag auch ein Gottesdienst im Rahmen der diesjährigen Dreikönigswallfahrt im Kölner Dom. Der Dominikanerpater Elias Füllenbach wird dort predigen.

Blick auf den Kölner Dom / © 512r (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Sie sitzen im Vorstand des Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Worum geht es bei Ihrer Arbeit?

Pater Elias H. Füllenbach O.P. (Mitglied im Vorstand des Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christich-Jüdische Zusammenarbeit): Es geht darum, sich gegenseitig kennenzulernen, von den Problemen, aber auch den Freuden des anderen zu wissen. Es ist ganz wichtig, dass man weiß, was Jüdinnen und Juden hier in Deutschland heute eigentlich beschäftigt.

DOMRADIO.DE: Jesus war Jude. Unser christlicher Glaube ist jüdischen Ursprungs. Machen wir uns das zu wenig klar?

Pater Elias: Ja und nein. Es ist so, dass es - Gott sei Dank, würde ich sagen - wirklich in den Gemeinden und bei vielen Menschen angekommen ist. Es gab Jahrhunderte, in denen man das verleugnet hat. Aber dennoch erlebe ich es oft, dass Menschen selbst bei der Kenntnis davon, dass Jesus Jude war, dieser Umstand keine große Rolle mehr für den eigenen Glauben spielt.

Ich habe selbst immer wieder erlebt, wie lohnend es auch für den eigenen christlichen Glauben sein kann, sich genau mit diesen jüdischen Wurzeln auseinanderzusetzen.

DOMRADIO.DE: An diesem Freitagabend gibt es im Kölner Dom einen ökumenischen Gottesdienst zum Gedenkjahr "1700 Jahre Judentum in Deutschland". Die Veranstalter haben Sie eingeladen, die Predigt zu halten. Welche Botschaft werden Sie transportieren?

Pater Elias: Ich muss gestehen, dass ich noch ein wenig an der Predigt arbeite und etwas knapp dran bin, weil die letzten Tage so gefüllt waren. Aber mir geht es auch da wieder um beides: Einmal gibt es eine christliche Schuldgeschichte, eine lange Tradition des christlichen Antijudaismus, eine Judenfeindschaft, die sehr stark war. Da muss man sich auch im Dom einfach nur mal umsehen.

Das andere sind aber die gemeinsamen Aufgaben, die wir als Juden und Christen haben: die Bewahrung der Schöpfung, der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus in unserem Land und dass wir da zusammenstehen und gemeinsam diese Welt gestalten.

DOMRADIO.DE: Sie haben es schon gesagt, der Kölner Dom ist nicht frei von Antijudaismus. Im Gegenteil, es gibt viele judenfeindliche Darstellungen in der Kathedrale.

Pater Elias: In der Tat. Es gibt im Chorgestühl eine Judensau, es gibt das Kinderfenster und ein paar andere Dinge. Da sieht man, wie verwoben diese christliche Judenfeindschaft über Jahrhunderte hinweg war und wie sie das Denken geprägt hat.

DOMRADIO.DE: Kann man diese judenfeindlichen Darstellungen denn abhaken, nach dem Motto Zeitgeist von damals?

Pater: Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns immer wieder mit ihnen beschäftigen und deutlich machen, dass wir diese Position heute so nicht mehr teilen. Es gibt im Dom aber auch ganz wunderbare andere Darstellungen, die deutlich machen, dass es auch eine positive Tradition in der Kirchengeschichte gibt.

Nehmen Sie zum Beispiel die Bibel-Fenster im Dom, wunderbare gotische Fenster, die deutlich machen, dass das Alte und das Neue Testament zusammengehören. Judentum und Christentum sind aufeinander verwiesen.

Das Interview führte Katharina Geiger.

Pater Elias H. Füllenbach (Bistum Regensburg)
"Judensau" am Chorgestühl des Kölner Doms / © Benedikt Plesker (KNA)
"Judensau" am Chorgestühl des Kölner Doms / © Benedikt Plesker ( KNA )
Quelle:
DR
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