Missio sieht differenzierten Blick auf den Synodalen Weg

Skepsis und Gemeinsamkeiten

Wie wird der deutsche Synodale Weg in der Weltkirche gesehen? Mit dieser Frage hat sich missio Aachen beschäftigt und festgestellt, dass das "Totschlagargument", der Synodale Weg werde abgelehnt, gar nicht gilt.

Irme Stetter-Karp und Bischof Georg Bätzing / © Max von Lachner (SW)
Irme Stetter-Karp und Bischof Georg Bätzing / © Max von Lachner ( SW )

DOMRADIO.DE: Sie haben gemeinsam mit DOMRADIO.DE am 12. Januar und damit wenige Wochen vor der fünften Synodalversammlung ein Symposium unter dem Titel "Der Synodale Weg im Spiegel der Weltkirche" veranstaltet. Bei 1,4 Milliarden Katholiken weltweit sind die Interessen sehr verschieden. Beim Synodalen Weg ist zum Beispiel die Weihe für Frauen sehr präsent, aber sicher nicht auf allen Kontinenten gleich interessant. Was haben Sie zurückgespielt bekommen? 

Dr. Martin Stauch (Stellvertretender Abteilungsleiter Inland und Teamleiter Spiritualität beim katholischen Hilfswerk missio) / © Harald Oppitz (KNA)
Dr. Martin Stauch (Stellvertretender Abteilungsleiter Inland und Teamleiter Spiritualität beim katholischen Hilfswerk missio) / © Harald Oppitz ( KNA )

Dr. Martin Stauch (missio Aachen, stellvertretender Leiter der Abteilung Inland): Zunächst einmal möchte ich sagen, dass wir viel Zustimmung zu dieser Veranstaltung letzte Woche erfahren haben. Zustimmung heißt nicht unbedingt immer, dass man in allen Punkten konform ging mit dem, was die Referentinnen und Referenten gesagt haben, aber dass es doch ein differenzierter Blick auf den Synodalen Weg gewesen ist.

Genau das war auch unsere Absicht, nicht einfach nur zu sagen, dass hier in Deutschland der Synodale Weg und dort die Weltkirche ist und dass beides nicht zusammen geht. Vielmehr gibt es bei den Themen des Synodalen Wegs und der Weltkirche viele Überschneidungen.

Genau das wollten wir auch herausarbeiten. Wo sind Gemeinsamkeiten, wo gibt es Unterschiede? Ich denke, das wurde durchaus deutlich. 

DOMRADIO.DE: In Brasilien gab es schon vor einer Weile Überlegungen, verheiratete Männer, sogenannte "viri probati", zur Priesterweihe zuzulassen. Der Papst hatte das dann 2020 abgelehnt. Aber vermutlich ist die Frage nach Aufweichung des Pflichtzölibat damit nicht vom Tisch. 

Stauch: Nein, zumindest in den Augen vieler Katholikinnen und Katholiken ist die Frage nicht vom Tisch. 

DOMRADIO.DE: Gibt es denn dazu Erkenntnisse aus Ihrem Symposium? 

Martin Stauch, Päpstliches Missionswerk missio Aachen

"Da gibt es also unterschiedliche Sichtweisen auf den Pflichtzölibat. Aber die Erkenntnis ist schon, dass das kein rein deutsches Thema ist. Ich denke, das wird auch bei der Synode deutlich."

Stauch: Da gibt es auf jeden Fall aus dem Symposion Erkenntnisse. Nämlich die, dass diese Frage durchaus in anderen Ortskirchen auch diskutiert wird, aber unterschiedlich.

Eine Studie, die sich letztlich über die ganze Welt erstreckt hat, hat gezeigt, dass es in Lateinamerika auch Priester gibt, die mit Frauen zusammenleben oder es gibt eher traditionellere, konservative afrikanische Gesellschaften sowie asiatische Gegenden, in denen der Pflichtzölibat eher eingehalten wird.

Da gibt es also unterschiedliche Sichtweisen auf den Pflichtzölibat. Aber die Erkenntnis ist schon, dass das kein rein deutsches Thema ist. Ich denke, das wird auch bei der Synode deutlich. 

Symposium mit Missio-Präsident Dirk Bingener (DR)
Symposium mit Missio-Präsident Dirk Bingener / ( DR )

DOMRADIO.DE: Sie hatten den Bischof aus Kamerun, Joseph-Marie Ndi-Okalla, eingeladen. Wie war denn sein Blick aus Afrika auf den deutschen Synodalen Weg? Teils skeptisch?

Stauch: Durchaus auch skeptisch, das ist richtig. Er kennt Deutschland sehr gut. Er hat in Deutschland gelebt, studiert und gearbeitet. Von daher haben wir ihn auch eingeladen.

Er kommt aus einer anderen Tradition, genauso wie Pfarrer Stan Chu Ilo, der aus Nigeria stammt und in den USA lehrt. Beide sagen, dass sie zwar durchaus auch diese Themen haben, aber andere Zugänge.

Ich fand es sehr bezeichnend, als Pfarrer Stan ein Beispiel mit dem Diakonat der Frau gebracht. Er hat gesagt, in Afrika brauchen wir nicht erst über das Diakonat der Frau zu reden, sondern wir müssen über Bildung reden. Frauen und Mädchen müssen mehr Bildung erfahren. Dann kann man auch weiter über das Diakonat der Frau reden.

Das finde ich schon eine interessante Erkenntnis, ohne dass man gleichzeitig die Diskussion um das Diakonat der Frau, was uns in Deutschland sehr bewegt, damit ins Abseits stellen will. 

Martin Stauch, Päpstliches Missionswerk missio Aachen

"Es ist ja nicht so, dass im Rest der Welt gesagt wird, der Synodale Weg in Deutschland sei Mist. Denn man muss fairerweise sagen, dass die meisten ihn nicht mal kennen."

DOMRADIO.DE: Teilnehmende und Zuschauende des Symposiums kamen von fünf Kontinenten und aus 67 Ländern. Mit überwiegend kritischem Blick oder der Erkenntnis, dass der Synodalen Weg seine Berechtigung hat?

Stauch: Ich glaube, viele haben sich erstmal informiert. Es ist ja nicht so, dass im Rest der Welt gesagt wird, der Synodale Weg in Deutschland sei Mist. Denn man muss fairerweise sagen, dass die meisten ihn nicht mal kennen. Das ist schon mal eine Erkenntnis.

Viele verwechseln den Synodalen Weg auch mit der Weltsynode. Insofern finde ich es schon spannend zu sehen, wie viele Überschneidungen es auch zwischen Weltsynode und Synodalem Weg gibt.

Die Kommentare und Rückmeldungen sind, wie man sie auch erwarten darf. Auf der einen Seite wird gesagt, das sei alles Häresie. Auf der anderen Seite wird betont, dass dies die Sorgen und Nöte seien, die wir in Deutschland mit der katholischen Kirche haben. Die sind genauso berechtigt wie die, die es in Kamerun, Nigeria oder Indien gibt. 

DOMRADIO.DE: In wenigen Wochen, Anfang März, kommt der deutsche Synodale Weg in Frankfurt zu einem vorläufigen Abschluss. Wie könnten Ihre Erkenntnisse dieses vorerst letzte Treffen prägen? 

Stauch: Die große Erkenntnis ist, glaube ich, dass man es nicht mehr das Totschlagargument bringen kann, dass der Synodale Weg in der Weltkirche nicht durchsetzungsfähig und eine Abweichung von der reinen Lehre ist.

Es hat gezeigt, dass man unterschiedlich draufschauen und Differenzierungen vornehmen muss. Das, was in Deutschland diskutiert wird, ist nicht unbedingt immer in gleichem Maße in anderen Teilen der Erde relevant.

Aber es ist nicht so, dass man sagen kann, dass der Synodale Weg in Deutschland sofort beendet werden müsse, weil der in der Weltkirche sonst nicht durchgehe. Er wird dort jedenfalls ähnlich auch diskutiert. 

Das Interview führte Katharina Geiger.

Was wurde bei der vierten Synodalversammlung beschlossen?

Insgesamt berieten die gut 200 Delegierten der vierten Synodalversammlung von Donnerstag bis Samstag über 8 Papiere, ursprünglich waren 14 vorgesehen. Vier Texte wurden in Zweiter Lesung verabschiedet; einer scheiterte an einer Sperrminorität von Bischöfen. Drei Texte standen in Erster Lesung zur Debatte und sind deswegen noch nicht beschlossen, auch wenn die jeweiligen Abstimmungsergebnisse Rückschlüsse auf die grundsätzliche Akzeptanz der jeweiligen Anliegen erlauben.

Abstimmungsgerät bei der vierten Synodalversammlung / © Max von Lachner (SW)
Abstimmungsgerät bei der vierten Synodalversammlung / © Max von Lachner ( SW )
Quelle:
DR