missio Aachen warnt vor zunehmender Hexenverfolgung weltweit

Schwerpunkt Afrika

Zum dritten "Internationalen Tag gegen Hexenwahn" warnt das Hilfswerk missio Aachen vor einer Zunahme des Phänomens weltweit. Inzwischen befinden sich in mindestens 43 Ländern Frauen, aber auch Männer und Kinder in Lebensgefahr.

Trauma-Arbeit im Kongo / © Harald Oppitz (KNA)
Trauma-Arbeit im Kongo / © Harald Oppitz ( KNA )

Lebensgefahr, weil sie als angebliche Hexen verfolgt werden, wie aus der am Dienstag von missio Aachen herausgegebenen Weltkarte Hexenwahn 2022 hervorgeht. Die Zahl habe sich seit dem Vorjahr um zwei Länder erhöht: Neu hinzugekommen sind Sierra Leone und Simbabwe, wie das Hilfswerk mitteilte. Zudem ständen Mosambik und Botsuana auf einer Beobachtungsliste. Die meisten der Länder befinden sich demnach auf dem afrikanischen Kontinent, aber auch in südostasiatischen Ländern sowie Mexiko, Bolivien, Guatemala und Haiti sei das Phänomen präsent.

Nach Einschätzung von Experten sind in den vergangenen 60 Jahren weltweit mehr Menschen als vermeintliche Hexen und Hexer getötet worden als in rund 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung zusammen. Dabei beruhe die aktuelle missio-Weltkarte auf eher vorsichtigen Bewertungen. Andere Auflistungen kämen auf bis zu 60 betroffene Staaten.

Verschiedene Ursachen

Ausgelöst werde der Vorwurf der Hexerei oft durch plötzliche und unerklärliche Todesfälle oder Krankheiten, aber auch Wetterphänomene, sagte die Schweizer Ordensfrau Lorena Jenal jüngst im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Jenal arbeitet auf Papua-Neuguinea gegen Hexenwahn. Dort seien viele Menschen in den vergangenen Jahrzehnten von der Steinzeit ins digitale Zeitalter geschleudert worden. Zusammen mit Waffen und Alkohol sowie fehlender Bildung entwickle sich so eine gefährliche Mischung, erklärte die Ordensfrau. Durch Vermittlung und Deeskalation könne es aber gelingen, Opfer zu befreien.

Mit dem "Internationalen Tag gegen Hexenwahn" macht missio seit 2020 auf diese weltweiten Menschenrechtsverletzungen aufmerksam. Ein wichtiges Signal komme aktuell von den Vereinten Nationen: Erstmals sei eine Resolution zur Beseitigung von Gewalttaten im Zusammenhang mit Anschuldigungen angeblicher Hexerei in Arbeit: "Danach müssen der Resolution aber auch die entsprechenden Taten folgen. missio wird die Projekte gegen Hexenwahn weiterhin verstärkt unterstützen."

Katholisches Hilfswerk missio

Das Internationale Katholische Missionswerk missio ist eines der größten Hilfswerke in Deutschland und fördert den Aufbau der katholischen Kirche und die Ausbildung ihrer Mitarbeiter in rund 96 Ländern. Mit rund 46,5 Millionen Euro finanzierte missio im Jahr 2018 insgesamt rund 1.200 Projekte.

Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche auf diesen Kontinenten.

 (KNA)

Quelle:
KNA
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