Die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM), Kerstin Claus, hebt die Fortschritte im Kinderschutz innerhalb der katholischen Kirche hervor. Gegenüber DOMRADIO.DE erklärte sie: "Gerade im Bereich von Prävention wurden insbesondere in Kitas oder Schulen in katholischer Trägerschaft, aber auch im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit in Gemeinden vielfältige Strukturen und Handlungskompetenzen aufgebaut."
Die Entwicklung von umfassenden Schutzkonzepten sowie verpflichtende Fortbildungen seien hierbei elementare Bausteine, um sexuellen Missbrauch zu verhindern und junge Menschen zu stärken, so Claus.
Sie sieht die Kompetenz in der Frage der Prävention vieler Gemeinden in der katholischen Kirche der Kompetenz auf kommunaler Ebene einen Schritt voraus. Diese diene nicht nur der direkten Prävention, sondern schaffe auch sichere Räume für Kinder und Jugendliche, die beispielsweise in ihrem familiären Umfeld Belastungen oder Gewalt ausgesetzt sind.
"Auch wenn das nicht überall in gleicher Qualität umgesetzt wird, steht doch fest: Viele Gemeinden und Einrichtungen haben mittlerweile eine hohe Kompetenz und eine Kultur des Hinsehens entwickelt, die im Idealfall nicht nur sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen verhindert, sondern auch Räume schafft, in denen betroffene junge Menschen Unterstützung finden", so die Bundesbeauftragte.
Vorschlag zur Vernetzung
Claus hofft auf eine Vernetzung von kirchlichen Trägern und kommunalen Entscheidungsträgern in dieser Thematik. "Von katholischen Strukturen, die viel an diesem Thema gearbeitet haben, können wichtige Impulse in Richtung anderer Strukturen ausgehen, die vor Ort ebenfalls mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, vollkommen egal, ob es um Vereine oder kommerzielle Anbieter geht“, betont Claus.
Kinderschutz versage oder greife oft vor Ort. Deswegen sei es wichtig, dass die Personen und Strukturen, die das verstanden haben, Initiative ergreifen. Starke Netzwerke vor Ort, flächendeckende Qualitätsstandards und eine gemeinsame Vorstellung davon, wie man junge Menschen bestmöglich und umfassend vor sexuellem Missbrauch schützt, müssten das Ziel der Zusammenarbeit sein, ergänzt die Missbrauchsbeauftragte. "Damit dann alle gemeinsam genau dazu beitragen – oder wenigstens, wenn Kinder und Jugendliche nicht geschützt werden konnten, solche Taten wenigstens frühzeitig aufzudecken und betroffene Kinder und Jugendliche bestmöglich und zielgerichtet zu unterstützen.“
Weiter sagte Claus, dass dies zentrale Voraussetzungen für gelingenden Kinderschutz seien, weil nicht nur eine Gemeinde, sondern ein ganzer Ort von verlässlichen Standards im Kampf gegen Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauch profitiert.
Durch diese Koalition könnte eine flächendeckende Sicherheitskultur entstehen. Kinder und Jugendliche könnten so in jedem Lebensbereich – unabhängig vom jeweiligen Freizeitangebot – ein kompetentes und geschütztes Umfeld vorfinden, findet Claus, was nicht nur ihre Hoffnung, sondern eine klare Forderung an die Verantwortlichen sei.