Misereor will Getreideanbau für Brot statt Tierfutter

Versorgung von Menschen hat Vorrang

Angesichts des weltweiten Hungers mahnt Misereor eine Umstellung der Ernährungssysteme an. In Zeiten steigendender Lebensmittelpreise aufgrund des Ukraine-Krieges sei "das Ungleichgewicht bei der Verteilung von Getreide alarmierend".

Weizenfeld / © gillmar (shutterstock)

Das sagte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel in Aachen. In Deutschland würden 60 Prozent des Weizens an Nutztiere verfüttert, lediglich 20 Prozent kämen direkt der menschlichen Ernährung zugute.

Versorgung von Menschen habe Vorrang

Der Versorgung von Menschen müsse Vorrang vor der Herstellung tierischer Produkte sowie von Agroenergie gegeben werden, sagte Spiegel. Zugleich warnte er vor einem Kurswechsel "bei der ökologischen Transformation der Landwirtschaft".

Pirmin Spiegel / © Dominik Wolf (KNA)
Pirmin Spiegel / © Dominik Wolf ( KNA )

Angesichts absehbarer Exportausfälle aus der Ukraine und Russland "wäre es der falsche Weg, dieser Entwicklung mit Rückschritten in der Umweltpolitik zu begegnen", sagte der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks.

Ukraine und Russland große Weizenexporteure

Die Ukraine und Russland zählen zu den größten Weizenexporteuren der Welt. Viele Länder im arabischen Raum sowie in Afrika beziehen Weizen aus der Region. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges warnen Hilfsorganisationen und die UN vor den Folgen gestiegener Lebensmittelpreise für Menschen in armen Ländern.

Spiegel wies etwa auf die Lage im Libanon hin, wo in den vergangenen zwei Wochen Mehl, Treibstoff und Speiseöl deutlich teurer geworden seien. Auch in vielen afrikanischen Ländern treffe nun eine große Import-Abhängigkeit auf bestehende Krisen wie Dürren, Überschwemmungen, den Klimawandel und Konflikte.

Bischöfliches Hilfswerk Misereor

Misereor ist das weltweit größte kirchliche Entwicklungshilfswerk. Es wurde 1958 von den katholischen Bischöfen in Deutschland auf Vorschlag des damaligen Kölner Kardinals Josef Frings als Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt gegründet.

Der Name bezieht sich auf das im Markus-Evangelium überlieferte Jesuswort "Misereor super turbam" (Ich erbarme mich des Volkes). Sitz des Hilfswerks ist Aachen.

Logo des Bischöflichen Hilfswerks Misereor in einem Schaufenster / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo des Bischöflichen Hilfswerks Misereor in einem Schaufenster / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
epd