Ministrantenarbeit steht vor großen Herausforderungen

Zwischen Corona, Demografie und Kirchenkrise

Das Bistum Würzburg veranstaltet an diesem Wochenende in der Abtei Münsterschwarzach ein Festival für Messdienerinnen und Messdiener und verspricht die ganze Breite der Kirche. Wie steht es um die Ministrantenarbeit nach der Pandemie?

Ministranten singen / © Harald Oppitz (KNA)
Ministranten singen / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Sie haben großartiges Wetter für so ein Event oder ist es mit 36 Grad schon zu heiß?

Sebastian Volk (Pastoralreferent und Diözesanreferent für die Ministrant:innen-Arbeit im Bistum Würzburg): Gestern war es schon sehr warm. Hier waren es 36 Grad und wir haben dann kurzfristig entschieden, den Gottesdienst, der eigentlich Open Air stattfinden sollte, in die Abteikirche zu verlegen, weil wir das Risiko nicht eingehen wollten, dass es zu medizinischen Notfällen kommt.

Experte sieht keinen Rückgang von Messdienerzahlen durch Corona

Die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) sieht durch die Corona-Pandemie derzeit keinen Rückgang der Messdienerzahlen. "Ein Trend ist nicht erkennbar", sagte der Referent für Ministrantenpastoral und liturgisch/kulturelle Bildung bei der afj, Tobias Knell, im Interview mit dem Portal katholisch.de. "Natürlich besteht die Gefahr, dass wir Menschen verlieren. Aber der Ministrantendienst ist nach wie vor attraktiv."

Messdiener Gewänder Kleiderstange Sakristei Ministranten / © Harald Oppitz (KNA)

Ansonsten haben die Kinder und Betreuer super mitgemacht. Wir haben mit den Kindern immer wieder darüber gesprochen, dass sie sich im Schatten aufhalten sollen, dass sie viel trinken sollen, dass sie Sonnenschutz auftragen sollen, und das hat alles gegriffen. Wir haben keine größeren Ausfälle zu verzeichnen. Alles hat funktioniert. Dafür sind wir sehr, sehr dankbar.

DOMRADIO.DE: Ich habe eine punktuelle Beobachtung gemacht und auch gehört, dass der Nachwuchs bei den Messdienern weggebrochen ist. Können Sie das so bestätigen?

Volk: Das ist in einigen Gemeinden tatsächlich der Fall. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ist in vielen Gemeinden der Kontakt zu den Minis verlorengegangen. Das lag zum Teil daran, dass zu Beginn der Pandemie von den diözesanen Leitungen berechtigterweise ein Dienstverbot ausgesprochen wurde und viele Kinder und Jugendliche dann ihren Dienst nicht mehr wahrnehmen konnten. In dieser Zeit haben einige der Minis gemerkt, dass sie den Dienst vielleicht gar nicht brauchen.

Dazu kommt, dass die Messdienergemeinschaft sehr in dieser Zeit gelitten hat, weil man sich nicht treffen konnte und nicht miteinander unterwegs sein konnte. Wir haben aber auch Rückmeldungen, dass es Gruppen gibt, die in dieser Zeit gleichstark geblieben sind, weil man Onlineangebote gemacht oder über andere Aktionen und Challenges den Kontakt gehalten hat, untereinander und miteinander. So etwas hat dafür gesorgt, dass viele Minis bei der Stange geblieben sind.

DOMRADIO.DE: Wie ist es mit der Kirchenkrise? Spielt das vielleicht auch eine Rolle? Wie schätzen Sie das ein?

Volk: Ich glaube schon, dass man das nicht von der Hand weisen kann, dass die aktuelle kirchliche Situation eine Rolle spielt. Kinder und Jugendliche bekommen mit, was in der Kirche passiert, was die Themen sind und womit man sich auseinandersetzt.

Ministranten in der Kirche / © Vanessa Fisch (privat)
Ministranten in der Kirche / © Vanessa Fisch ( privat )

Trotzdem muss man auch den demografischen Wandel mit einbeziehen. Es gibt einfach immer weniger Kinder und Jugendliche. Gerade bei uns in der Region haben wir seit der letzten Zählung ungefähr 10 Prozent weniger Kinder und Jugendliche, die überhaupt Ministranten werden können. Das spielt auch eine Rolle.

Die kirchliche Situation fordert den Einzelnen auch sehr und jeder muss sich selbst damit auseinandersetzen. Trotzdem gibt es Gemeinschaften, die so stark sind, dass das allgemeine kirchliche Image dort überhaupt keine Rolle spielt.

DOMRADIO.DE: Was ist grundsätzlich wichtig bei der Messdienerarbeit?

Volk: Bei der Messdienerarbeit ist es wichtig, dass es die Verlässlichkeit einer Gruppe, einer Gemeinschaft gibt. Wir haben festgestellt, dass Messdienerarbeit am besten am eigenen Kirchturm funktioniert, also an dem Kirchort, an dem der Dienst gelernt wurde und wo der oder die Mini groß geworden ist. Dort gibt es eine Gemeinschaft, die einen eigenen Zusammenhalt hat und die etwas ausstrahlt. Dann wollen Kinder und Jugendliche mit dabei sein. Dann spielen andere Dinge erst einmal eine sekundäre Rolle.

Aber es ist auch wichtig, dass es Menschen gibt, die den Ministranten Wertschätzung und Anerkennung entgegenbringen, die sie annehmen. Es ist wichtig, dass sie Fehler machen dürfen. Die Liturgie soll etwas Schönes sein, aber auch da können Fehler passieren, weil wir Menschen sind. Diese Erfahrungen müssen die Kinder und Jugendlichen machen, damit sie den Dienst gerne machen. Außerdem brauchen sie eine gewisse Sicherheit in ihrem Tun. Sie müssen wissen und verstehen, was sie tun und warum sie das tun. Dann ist es für die Kinder und Jugendlichen gut, dass Sie den Dienst tun können.

Auf der Bühne des Ministranten-Events in Münsterschwarzach / © Vanessa Fisch (privat)
Auf der Bühne des Ministranten-Events in Münsterschwarzach / © Vanessa Fisch ( privat )

DOMRADIO.DE: Dann schauen wir jetzt einmal zu Ihrem Event nach Münsterschwarzach. Sie haben das Ministranten-Event zusammen mit etwa 30 Ehrenamtlichen geplant und organisiert. Wie ist das zu verstehen, als Dankeschön an die Jungs und Mädchen oder als Motivation?

Volk: Wir sind vor drei Jahren mit dem Ziel gestartet, wieder Motivation reinzubekommen. Gerade jetzt nach der Pandemie ist das ein noch größeres Thema. Ich hatte gestern ein Gespräch mit einer Mutter, die gesagt hat: Wir haben nur noch drei, vier Minis bei uns im Ort. Wir brauchen das Event, um die bei Laune zu halten und um denen zu zeigen, dass es noch mehr gibt als den eigenen Kirchturm. Dieses verbindende Element ist ein wichtiger Punkt.

Ein weiterer Punkt ist, mit dem Event auch Dankeschön für den Dienst zu sagen und Wertschätzung und Anerkennung zu bringen. Das ist auch eine große Aufgabe. Deswegen war auch unser Bischof gestern mit dabei und hat sich Zeit genommen, Fotos gemacht und mit den Kindern gesprochen. Der Abt und die Mönche der Abtei Münsterschwarzach sind präsent. Die Kinder und Jugendlichen spüren, dass es uns wichtig ist, dass sie da sind und dass wir das gerne für sie tun.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich viel vorgenommen für das Event. Ein Kirchenerlebnis in der ganzen Breite soll es werden. Was bedeutet das?

Volk: Wir können natürlich nicht alles selbst machen. Das heißt, wir haben uns Partnerinnen und Partner eingeladen, wie Ordensgemeinschaften, Jugendverbände des BDKJ und darüber hinaus, die im engeren und im weiteren Sinne kirchlich sind. Daher die ganze Breite und die Partnerinnen und Partner bieten Aktionen und Workshops an.

Ein Festival-Event für Ministranten in Münsterschwarzach / © Vanessa Fisch (privat)
Ein Festival-Event für Ministranten in Münsterschwarzach / © Vanessa Fisch ( privat )

Es gibt spirituelle Angebote wie einen Gebetskreis. Es gibt Dialoge und Diskussionen wie mit den Ritaschwestern. Wir haben sportliche Angebote, wie die Bubble-Soccer-Bälle der Salesianer Don Boscos oder das Bungee-Trampolin der Kolpingjugend. Wir haben sogar politische Auseinandersetzungen zu Themen wie Nachhaltigkeit und dem Thema Landwirtschaft mit der Katholischen Landjugendbewegung. Wir haben auch Werkstätten, wo die Kinder sich kreativ austoben können. Die Jugendarbeit der Abtei hier bietet zum Beispiel Holzkreuze ausgesägt und gestalten mit Pater Meinrad an.

DOMRADIO.DE: Eine ganz schön große Palette, die Sie da auf die Beine gestellt haben. Unterstützt Sie auch die Klosterleitung?

Volk: Absolut! Als wir vor drei Jahren angefragt haben, hat Abt Michael direkt gesagt: Natürlich! Für die Minis machen wir unsere Türen und vor allem auch unsere Herzen weit auf. Das ist das, was wir hier die Tage über erleben dürfen und dafür sind wir sehr, sehr dankbar und sehr, sehr stolz, so einen Partner an unserer Seite zu haben.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Stichwort

Ministranten (Messdiener) sind Helfer des Priesters. Sie nehmen liturgische Hilfsdienste wahr, etwa bei der Gabenbereitung.

Zudem sind sie für eine festliche Gestaltung des Gottesdienstes mit Weihrauch und Kerzen zuständig. In der Regel übernehmen diese Aufgaben Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene. In Deutschland gibt es laut der letzten Zählung 2016/2017 insgesamt 359.611 Messdiener, davon sind 53,3 Prozent weiblich.

Messdiener Gewänder Kleiderstange Sakristei Ministranten / © Harald Oppitz (KNA)
Quelle:
DR