Minister interveniert im Streit um Theologie-Berufungen

Einige Lehrstühlen unbesetzt

An der Uni Regensburg sind sechs von 14 Lehrstühlen in der Katholisch-Theologischen Fakultät unbesetzt. Kritiker sehen die Schuld bei Bischof Rudolf Voderholzer. Nun schaltet sich Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume ein.

Leerer Hörsaal / © Paul.J.West (shutterstock)
Markus Blume (CSU), Wissenschaftsminister von Bayern / © Sven Hoppe (dpa)
Markus Blume (CSU), Wissenschaftsminister von Bayern / © Sven Hoppe ( dpa )

Im Streit um Theologie-Berufungsverfahren macht einem Bericht zufolge Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) Druck auf den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. 

Der Bayerische Rundfunk zitierte Blume am Sonntag wie folgt: "Ich habe sehr stark auf die Rechtslage hingewiesen, nach der das Nihil-obstat-Verfahren eines ist, bei dem es um die persönliche Lebensführung, die Haltung der Kandidatinnen und Kandidaten geht, die nach meiner Kenntnis bei keinem hier in Zweifel gezogen wird." 

Das Verfahren als solches sei nicht dafür gedacht, Anliegen der Kirche zu transportieren, etwa die Einhaltung einer Priesterquote.

Erlaubnis des Vatikans als Voraussetzung

Hintergrund des Berufungsstreits ist, dass an der Universität Regensburg derzeit 6 von 14 Lehrstühlen in der Katholisch-Theologischen Fakultät unbesetzt sind. Im Fach Christliche Sozialethik ist das Auswahlverfahren bereits seit 2020 abgeschlossen. Vor einer Berufung durch das bayerische Wissenschaftsministerium muss der Bischof gefragt werden. Insbesondere bei Erstberufungen von Nachwuchstheologen ist nach dem Bayerischen Konkordat von 1924 eine Unbedenklichkeitserklärung ("Nihil obstat") erforderlich. Sie ist im Vatikan einzuholen.

Vorwurf der Verschleppung

Bischof Rudolf Voderholzer während der vierten Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Rudolf Voderholzer während der vierten Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Bereits im März hatte die Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik im deutschen Sprachraum Voderholzer die Verschleppung mehrerer Berufungsverfahren für Lehrstühle an der Uni Regensburg vorgehalten. Der Bischof belaste damit die Fakultät und beschädige die von der Uni ausgewählten Kolleginnen und Kollegen.

Streitpunkt Priesterquote

Laut übereinstimmenden Medienberichten ist Voderholzer an einer höheren Priesterquote bei den Lehrenden der theologischen Fakultät gelegen. Aktuell ist nur ein einziger Professor Priester. Das kirchliche Hochschulrecht sieht vor, dass an katholisch-theologischen Fakultäten eine "angemessene Zahl" an Priestern lehrt.

Nachteile für Lehrbetrieb 

Blume sagte laut BR indes, das Prinzip der Bestenauslese sei in der Wissenschaft entscheidend. "Wenn wir mehr Priester ermutigen, sich dieser Auswahl zu stellen, dann haben auch mehr die Chance, am Ende zum Zug zu kommen." Dazu brauche es aber auch Priester, die sich bewürben. Blume ergänzte, die theologische Fakultät in Regensburg müsse leistungsfähig bleiben, die Studierenden bräuchten beste Voraussetzungen. Er sei sich sicher, dass Voderholzer das auch so sehe, und rechne daher mit einer raschen Lösung.

Weniger Theologiestudierende an deutschen Unis

An deutschen Universitäten studieren weniger Menschen Theologie als noch vor fünf Jahren. Die Gründe für diesen Rückgang seien sehr verschieden, sagte Gerald Kretzschmar, Studiendekan der Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im gesamten Bereich der Geisteswissenschaften gebe es einen Rückgang der Studierendenzahlen. Vergleiche man die Entwicklung der Erstsemesterzahlen mit denen der Konfirmationen, sehe man laut Kretzschmar eine Korrelation.

Die Neue Aula, eines der Hauptgebäude der Eberhard Karls Universität Tübingen (Universität Tübingen)
Die Neue Aula, eines der Hauptgebäude der Eberhard Karls Universität Tübingen / ( Universität Tübingen )
Quelle:
KNA