Mendelssohn Bartholdy war ein Wanderer zwischen den Welten

Grandioser Psalmen-Komponist und Weltbürger

Vor 175 Jahren am 4. November starb er mit gerade mal 38 Jahren: die Musikwelt verdankt Felix Mendelssohn Bartholdy nicht nur tolle eigene Kompositionen, sondern auch die Wiederaufführung der Werke von Johann Sebastian Bach.

Autor/in:
Mathias Peter
Denkmal von Felix Mendelssohn Bartholdy in Düsseldorf / © Maiko33 (shutterstock)
Denkmal von Felix Mendelssohn Bartholdy in Düsseldorf / © Maiko33 ( shutterstock )

Angesichts seiner zwei abendfüllenden Oratorien, den großen Psalmenvertonungen und der zahlreichen instrumentalen Kompositionen glaubt man kaum, dass am 4. November 1847 eine Persönlichkeit starb, die keine 40 Jahre alt wurde.

Und doch war Mendelssohn Pianist, Dirigent, Musikmanager und natürlich Komponist. "Mozart des 19. Jahrhunderts" wurde er genannt – angesichts seiner hohen musikalischen Begabung bestimmt keine Übertreibung.

Mendelssohn, das Multitalent

Wie dem Salzburger Wolfgang Amadeus Mozart war Felix kein langes Leben vergönnt. Nach seinem Tod gab es immer wieder Angriffe gegen sein Werk, da seine Familie jüdische Wurzeln hatte. Dass Mendelssohn evangelisch getauft war und einiges an christlicher Kirchenmusik geschrieben hatte, kümmerte seine Widersacher nicht. Auch seine Verdienste um die Wiederaufführung der Werke von Johann Sebastian Bach dankten ihm diese antisemitisch gesinnten Kräfte nicht.

Dieses enge und hasserfüllte Denken war Mendelssohn zutiefst fremd, stammte er doch aus einer bürgerlichen Familie, die großen Wert auf Bildung, Reisen und Erziehung legte.

Mit sieben Jahren wurde FelixMendelssohn in Berlin getauft. Sein Vater hatte lange überlegt, doch dann ließ er alle seine Kinder taufen, und trat schließlich selber vom Judentum zum Protestantismus über und fügte dem Familiennamen Mendelssohn noch den zweiten Namen Bartholdy hinzu.

Umfassende Bildung

Da die Familie wohlhabend war, erhielt Felix zusammen mit seinen Geschwistern von Kindheit an eine umfassende Bildung, er und seine Schwester Fanny wurden dann noch mal besonders in musikalischen Dingen geschult, weil beide mit einem besonders großen Talent auffielen. Zur musikalischen Ausbildung gehörte selbstverständlich die Beschäftigung mit Kirchenmusik.

Geistliche Werke schrieb der gebürtige Hamburger für fast alle Konfessionen, für den anglikanischen Gottesdienst ebenso wie für die katholische Messfeier. Seine Psalmenvertonungen in deutscher Sprache wurden sehr populär, die Oratorien Elias und Paulus ebenfalls.

Wie wohl kaum ein zweiter Komponist des 19. Jahrhunderts konnte Mendelssohn die Sprache des Alten Testaments mit der Aussagekraft der romantischen Musik miteinander verbinden. Doch auch weltliche Werke wie Sinfonien und Klavierkonzerte komponierte und führte Mendelssohn mit großem Erfolg auf.

Wagner und der Hass auf Juden

Richard Wagner-Statue auf einer Bank / © Daniel Vogl (dpa)
Richard Wagner-Statue auf einer Bank / © Daniel Vogl ( dpa )

Als er 1847 mit nur 38 Jahren starb, galt er als berühmtester Musiker Europas. Doch sehr rasch nach seinem Tod verflog der Ruhm. Richard Wagner hat daran einen traurigen Anteil, seine anonyme Hetzschrift "Das Judentum in der Musik" zielte genau auf Künstler wie Mendelssohn und dessen jüdischer Familie.

In den folgenden Jahrzehnten wurde seine Musik als angeblich zu glatt, zu oberflächlich diffamiert bis die Nazis schließlich die Aufführung seiner Werke gar verboten und sein Denkmal in Leipzig zerstörten.

Rehabilitierung nach dem Krieg

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann die einigermaßen ideologie-freie Auseinandersetzung mit Leben und Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy. Heute sind seine Komposition über alle Zweifel erhaben und vor allem seine Bedeutung für die Wiederaufführung der Kompositionen von Johann Sebastian Bach wird endlich wertgeschätzt.

In der Sendung Musica erklingen exemplarische Kompositionen ab 20 Uhr im DOMRADIO.DE-Radioprogramm.

Quelle:
DR