Massenpanik bei jüdischem Fest in Israel

Mehr als 44 Tote, Hunderte verletzt

Bei einer Feier zum jüdischen Fest Lag ba-Omer in Meron im Norden Israels sind bei einer Massenpanik laut Medienberichten mindestens 44 Menschen getötet und mehr als 150 zum Teil schwer verletzt worden.

Tote bei Massenpanik auf Fest in Nord-Israel / © Magen David Adom (dpa)
Tote bei Massenpanik auf Fest in Nord-Israel / © Magen David Adom ( dpa )

Zu dem Fest hatten sich nach Angaben der "Jerusalem Post" (Freitag) Zehntausende ultraorthodoxe Juden am Grab des Rabbiners Schimon bar Jochai zu nächtlichen Gebeten, Gesängen und Tänzen versammelt. Augenzeugen zufolge kam es zu starkem Gedränge, als Menschen auf einer abschüssigen Metallrampe mit Trennwänden aus Wellblech auf den Seiten ins Rutschen kamen. Viele Opfer seien erdrückt worden und erstickt, hieß es. Die Polizei ermittelt.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besuchte Meron am Freitagmorgen. "Wir alle beten für das Wohlergehen der Opfer", schrieb er auf Twitter. Staatspräsident Reuven Rivlin teilte mit, er verfolge die Berichte aus Meron und bete für die Genesung der Verletzten. Gesundheitsminister Juli Edelstein sprach von einer schrecklichen Katastrophe und dankte den Rettungskräften für ihre Arbeit.

Internationale Reaktionen

Auch international herrschte Bestürzung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte in einem Kondolenzschreiben, er sei fassungslos angesichts der Katastrophe. "Es ist eine Tragödie, die uns zutiefst erschüttert: Das Lag-ba-Omer-Fest, ein Fest, dem so viele mit großer Freude entgegengesehen hatten, hinterlässt nun nichts als Schmerz und Trauer." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Bundesregierung sprachen dem israelischen Volk "tief empfundenes Beileid" aus. Man teile die Trauer der Familien und sei in Gedanken auch bei den zahlreichen Verletzten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch Außenminister Heiko Maaß (SPD) äußerte sich auf Twitter erschüttert.

Der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Pinchas Goldschmidt, zeigte sich "schockiert und traurig über die vielen Toten und Verletzten". "Nach über einem Jahr vieler Tiefpunkte und Entbehrungen durch die Corona-Pandemie und jüngster Erfolge, das Virus einzudämmen, sollte Lag ba-Omer ein Festtag für das Volk Israel sein. Er ist stattdessen zu einem Tag der Trauer und Tränen geworden." Der Jüdische Weltkongress (WJC) twitterte: "Juden auf der ganzen Welt sind zutiefst betrübt über diesen schrecklichen Verlust von Menschenleben (...). Wir trauern mit jenen, deren Angehörige umgekommen sind, und beten für die rasche Genesung der Verletzten."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußerte auf Twitter Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen; den Verletzten wünschten sie rasche Genesung. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker nannte es tragisch, "wenn Menschen auf diese schreckliche Weise ihr Leben verlieren", obwohl sie "nur friedlich miteinander das Fest Lag ba-Omer feiern wollten".

Fest Lag ba-Omer

Das Fest Lag ba-Omer erinnert an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba im Jahr 132. Rabbi Schimon bar Jochai, der an dem Aufstand beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Das Fest wird in der Zeit zwischen Pessach und dem Wochenfest Schawuot gefeiert und durchbricht die vom Gedenken an Katastrophen für das jüdische Volk geprägten "Omer-Tage", in denen Juden keine freudigen Ereignisse feiern. 2020 war Lag ba-Omer wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden.

In diesem Jahr begann das Fest am Donnerstag nach Sonnenuntergang.
Die Feiern wurden trotz Bedenken der Gesundheitsbehörden abgehalten; sie galten als eine der größten Menschenansammlungen seit dem Ausbruch der Pandemie; offiziell zugelassen waren 10.000 Teilnehmer. Die Polizei rechnete im Vorfeld jedoch mit weit mehr als 100.000 Menschen an der Stätte.

Quelle:
KNA