Malteserorden hat neuen Großkanzler

Boeselagers Nachfolger steht fest

Der Malteserorden hat nach der Amtsenthebung Albrecht von Boeselagers einen neuen Großkanzler: Der aus Malta stammende John Critien tritt die Nachfolge des deutschen Adeligen an, wie der Orden auf seiner Internetseite bekanntgab.

Malteserorden hat neuen Großkanzler / © Markus Nowak (KNA)
Malteserorden hat neuen Großkanzler / © Markus Nowak ( KNA )

In der vergangenen Woche hatte der Orden überraschend mitgeteilt, dass das regulär bis 2019 laufende Mandat des Großkanzlers "zu Ende" sei. Die Hintergründe blieben unklar. Der Großmeister Matthew Festing begründete die Entlassung Boeselagers am Dienstag mit "schwerwiegenden Problemen", die während Boeselagers Zeit als Hospitalier des Ordens aufgetreten seien, die dieser aber verschwiegen habe.

Das gehe aus einem Bericht aus dem Jahr 2015 hervor. Angaben zum Gegenstand des Konflikts machte Festing nicht. Als Hospitalier war Boeselager von 1989 bis 2014 für die Koordination der humanitären Hilfe des Ordens verantwortlich.

Boeselager will gegen Entlassung vorgehen

Boeselager selbst will offenbar gegen seine Entlassung vorgehen. Ein Vertrauter sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), der Vorgang sei für Boeselager noch nicht abgeschlossen; es gebe viele Fragezeichen hinter der Entscheidung des Großmeisters.

Die katholische Wochenzeitung "The Tablet" zitierte von Boeselager mit den Worten, seine Entlassung stelle eine Verletzung der Ordensverfassung dar. In einer E-Mail an Freunde hatte Boeselager laut "The Tablet" erklärt, man werfe ihm vor, zu liberal zu sein und die kirchliche Lehre nicht anzuerkennen; dies sei "unwahr und ungerecht". Großmeister Festing sagte der Zeitung, die Personalie sei nun eine Angelegenheit zwischen dem Orden und dem Vatikan.

Die "FAZ" berichtete an diesem Mittwoch unter Berufung auf "zuverlässige Quellen im Vatikan", dort werde Boeselagers Arbeit wertgeschätzt, der Vatikan habe seine Amtsenthebung nicht gefordert.

Disziplinarverfahren wegen Ungehorsam

Boeselager weigerte sich nach Darstellung der Ordenszentrale bei einem Treffen in Rom am 6. Dezember sein Amt niederzulegen. Daraufhin habe der Großkomtur des Ordens, Ludwig Hoffmann von Rumerstein, wegen Ungehorsams ein Disziplinarverfahren gegen Boeselager eröffnet und ihn aus dem Orden ausgeschlossen. Damit habe von Boeselager automatisch seinen Posten verloren. Dies sei mit Zustimmung des Großmeisters, des Souveränen Rats des Malteserordens und "den meisten Mitgliedern des Ordens" erfolgt. Anwesend bei dem Treffen war demnach auch der Kardinalpatron des Ordens gewesen, Kardinal Raymond Leo Burke.

Der Malteserorden leistet mit mehr als 80.000 Helfern in 120 Ländern humanitäre Hilfe. Er hat weltweit 13.500 Mitglieder. Das größte Werk des Ordens ist der deutsche Malteser Hilfsdienst, in dessen Präsidium Boeselager Mitglied ist. Der Orden hat den Status eines Völkerrechtssubjekts und unterhält daher wie Staaten diplomatische Beziehungen, derzeit zu 104 Ländern. Kardinalpatron ist seit 2014 der US-Kardinal Raymond Leo Burke (68).

Der Großkanzler ist die Nummer drei in der Hierarchie des Malteserordens. Er ist Minister für die auswärtigen Angelegenheiten und für die diplomatischen Vertretungen des Ordens zuständig. Gleichzeitig ist er auch Innenminister und als solcher für die Beziehungen zu den weltweit 47 Assoziationen des Ordens zuständig.

Albrecht Freiherr von Boeselager bei einem Afrikabesuch (Archivbild) / © Pressestelle Malteser (KNA)
Albrecht Freiherr von Boeselager bei einem Afrikabesuch (Archivbild) / © Pressestelle Malteser ( KNA )
Quelle:
KNA