Der im Alter von 97 Jahren gestorbene katholische Altbischof Leo Nowak ist am Samstag unter großer Anteilnahme im Innenhof der Magdeburger Kathedrale beerdigt worden. Im Requiem würdigte Bischof Gerhard Feige seinen Vorgänger als beherzten Seelsorger, der sich unermüdlich dafür eingesetzt habe, den christlichen Glauben im Hier und Heute verständlich zu machen. "Dabei war er kein harmoniebedürftiger Leisetreter oder kleinkarierter Systemwächter, sondern ein Mann des klaren Wortes und des geschwisterlichen Dialogs."
Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Michael Gerber, bezeichnete Nowak als "Urgestein aus der ostdeutschen Diaspora". In Sachsen-Anhalt sind nur etwa drei Prozent der Bevölkerung katholisch. Seine Erfahrungen in der DDR hätten Nowak ebenso geprägt wie sein beherztes Vorgehen beim Aufbau des Bistums Magdeburg nach der Wende. "Eine Persönlichkeit der deutsch-deutschen Verständigung hat uns verlassen, und wir werden ihn und sein Wirken nicht vergessen", sagte Gerber am Rande der Beisetzung.
Herausforderungen der Nachwendezeit
Nowak war am 12. April im Alter von 97 Jahren gestorben. Er war von 1994 bis zum Beginn seines Ruhestands 2004 erster Bischof des 1994 im Zuge der Wiedervereinigung neu gegründeten Bistums Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Zuvor stand er bereits vier Jahre als Bischof dem sogenannten Bischöflichen Amt Magdeburg vor, das zum Erzbistum Paderborn gehörte.
Feige sagte in seiner Predigt, auf die großen Herausforderungen der Nachwendezeit habe Bischof Nowak engagiert und tatkräftig reagiert, unter anderem mit der Förderung von sozial-karitativen Angeboten und der Gründung von sieben Schulen. Er habe sowohl die Stiftung "Netzwerk Leben" für Schwangere und junge Mütter in schwierigen Situationen gegründet als auch ein Hilfswerk zur Unterstützung von Menschen in Ost- und Südosteuropa.
Ebenso habe er sich für die Wiederbegründung des Klosters Helfta bei Eisleben eingesetzt. Nowak sei jemand gewesen, der anderen Menschen "mit großer Offenheit und aufrichtigem Interesse begegnete, bescheiden und klug, authentisch und überzeugend, herzlich und oftmals verschmitzt, mit aufheiternden Bemerkungen auf den Lippen", so Feige.
Zahlreiche Bischöfe und Ministerpräsident
An der Messe in der vollbesetzten Sankt-Sebastian-Kathedrale nahmen unter anderem auch die Erzbischöfe Udo Markus Bentz (Paderborn) und Heiner Koch (Berlin), der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer und weitere Bischöfe und Religionsvertreter aus ganz Deutschland sowie Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze und Bildungsminister Jan Riedel (beide CDU) teil.
Bischof Nowak wurde traditionell in bischöflichen Gewändern bestattet. In den Sarg wurde das sogenannte Rogitum gelegt, eine Urkunde, die neben wichtigen Daten des Lebenslaufs auch besondere Ereignisse seiner bischöflichen Amtszeit würdigt, unterzeichnet von Bischof Feige und den Priestern des Domkapitels. Während des Requiems war der Sarg mit dem Evangelienbuch und der bischöflichen Kopfbedeckung, der Mitra, geschmückt. Neben dem Sarg stand Nowaks Bischofsstab. Die Beisetzung erfolgte auf dem Kapitelsfriedhof im Innenhof der Kathedrale.
Fit bis ins hohe Alter
Nowak kam am 17. März 1929 in Magdeburg zur Welt und wurde dort 1956 zum Priester geweiht. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1990 zum Bischof "in" Magdeburg. Mit der Errichtung des Bistums Magdeburg 1994 wurde Nowak dann Bischof von Magdeburg. Von 1991 bis 1996 leitete er zudem die Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2004 war Nowak im Ruhestand und erfreute sich bis ins hohe Alter körperlicher und geistiger Fitness.