Über 100 Veranstaltungen in Worms zu Martin Luther

"Luther hat mit Mut zu tun"

Mit Veranstaltungen zu Zivilcourage, Gewissensfreiheit und Glaubenskraft wird in diesem Jahr in Worms an den Reformator Martin Luther erinnert. Genau 500 Jahre nach Luthers Auftritt vor dem Wormser Reichstag 1521.

Martin-Luther-Denkmal / © stocktech78 (shutterstock)

Geplant seien mehr als 100 Einzelveranstaltungen, je nach Corona-Lage "in Präsenz, digital oder hybrid", kündigten der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) und der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Dienstag in einer Videokonferenz an.

Im Mittelpunkt der von April bis Oktober vorgesehenen Veranstaltungen soll Luthers Weigerung vom 18. April 1521 stehen, seine Kirchenkritik zu widerrufen. Jung sprach von einem "Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung". Und weiter: "Ein Einzelner gegen die mächtigsten Kräfte seiner Zeit."

Luther berief sich auf Bibel, Verstand und Gewissen

Das Jubiläum solle aber "keine Geschichtsstunde" werden". Vielmehr gelte es zu fragen: "Welche Luthermomente gibt es eigentlich heute? Wo zeigen Menschen Zivilcourage und Haltung?" Dies werde eine Rolle spielen beim Festgottesdienst am 18. April in der Wormser Magnuskirche, der vom ZDF übertragen und von Kirchenpräsident Jung sowie dem katholischen Mainzer Bischof Peter Kohlgraf gestaltet wird.

Luther (1483-1546) sei es nicht darum gegangen, eigene Interessen durchzusetzen, betonte Jung weiter. "Er hat sich berufen auf die Bibel, auf seinen Verstand und auf sein Gewissen." Luther habe den ihm zugeschriebenen Satz "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" zwar "wörtlich so nicht gesagt", erläuterte der Kirchenpräsident. Aber jene Tendenz seiner Worte in Worms sei damals gewissermaßen "medial" auf den Punkt gebracht worden. Nicht ohne Grund werde der Reformator heute im Internet-Projekt "Ich, Luther" als pfiffiger Blogger präsentiert.

Am 17. April sollen die Feierlichkeiten mit einem Festakt in Worms eröffnet werden. Um 23.00 Uhr soll dann in der "historischen Nacht" die Wormser Dreifaltigkeitskirche "zur größten Leinwand Europas" werden. Der Weg des Reformators werde dort als "Der Luther-Moment" multimedial inszeniert und vom SWR live übertragen. Zu sehen sei Luther in der Nacht vor seinem historischen Auftritt "hautnah mit allen Zweifeln und Ängsten".

Luther auch heute aktuell

Die Nibelungen-Festspiele vom 16. Juli bis 1. August vor dem Kaiserdom wollen ein dafür vom Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss geschriebenes Stück über den Reformator uraufführen. Intendant Nico Hofmann sagte, ihm sei in der Vorbereitung klar geworden, wie wichtig Luther im Moment wieder sei: "Seine innere Haltung und wie er politisch wirkte - das hat mit Mut zu tun."

Der evangelische Kirchenpräsident Jung betonte: "Luther hat an der Kirche seinerzeit eine Kritik geübt, die von der Besinnung auf das Evangelium herkam, das er als eine Kraft der Befreiung erlebt hat." Heute würde Luther die katholische, aber auch die evangelische Kirche fragen: "Kommt diese befreiende Kraft in dem, wie wir Kirche sind, auch wirklich zum Ausdruck?", so Jung. Ebenso wäre das Verhältnis zu den Frauen in der Kirche für Luther heute ein Thema.

Wormser Dom / © Harald Oppitz (KNA)
Wormser Dom / © Harald Oppitz ( KNA )
Autor/in:
Norbert Demuth
Quelle:
KNA