Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen

Team-Modell und das Gastgeber-Modell

Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat 2003 die von einer Arbeitsgruppe der Liturgiekommission erstellten Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen zustimmend zur Kenntnis genommen. Nicht erst das Attentat vom 11. September 2001, sondern schon die Erklärung der Glaubenskongregation "Dominus Iesus" vom 5. September 2000 habe die bisher eher verborgene Dringlichkeit des interreligiösen Dialogs an den Tag gebracht. Die nun erarbeiteten Leitlinien seien ein wichtiger Beitrag zu dieser Thematik, so die DBK.

 (DR)

Die Handreichung der Bischöfe für die pastoralliturgische Praxis hat das 1986 von Papst Johannes Paul II. begründete Friedensgebet von Assisi als Modell multireligiösen Feierns im Blick. Grundsätzlich sind zwei Formen denkbar: das Team-Modell und das Gastgeber-Modell. Beim Team-Modell laden die beteiligten Religionen gemeinsam ein und und bereiten die Feier in einer Arbeitsgruppe vor. Beim Gastgeber-Modell lädt eine Religion ein, leitet die Vorbereitung unter Beteiligung der anderen und organisiert die Durchführung. So geschieht es auch beim Friedensgebet von Assisi.Für den Aufbau und Ablauf einer solchen Feier gibt es keine feststehende oder verbindliche Form. Notwendig ist ein Rahmen mit Eröffnung und Abschluss. Die Gestaltung der von den einzelnen Partnern vorgetragenen Teile liegt in deren Verantwortung. Sie muss aber so sein und so vorgetragen werden, dass jeder Teilnehmer ihr mit Respekt folgen kann und sich nicht angegriffen fühlt. Das Lob des einen und ewigen Gottes ist immer unverzichtbares Element, bevor Anliegen und Bitten vorgetragen werden.Aus der katholischen Tradition bietet sich für multireligiöse Feiern die Tagzeitenliturgie als Modell an. Dazu gehören Lesungen aus den Heiligen Schriften wie auch Gebete aus den gottesdienstlichen Traditionen. Gesten und Gebärden, die von allen Partnern nach Absprache akzeptiert worden sind, können einbezogen werden, z. B. das Entzünden von Kerzen, Formen des Friedensgrußes, oder das Austeilen von Blumen. Dies gilt auch für die musikalischen Beiträge. Aus unserer Erfahrung ist auch das Schweigen ein wichtiges Element, das der Sammlung und dem stillen Beten dient, aber auch beim Gedenken an Opfer von Gewalt und bei Bitten in Krisensituationen angebracht ist.Viele AnlässeAnlässe für multireligiöse Feiern sind z. B. die Woche der Brüderlichkeit, die Woche des ausländischen Mitbürgers, der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der 1. Januar als Weltfriedenstag und der 27. Oktober als Jahrestag des ersten mulitireligiösen Gebetstreffens von Assisi 1986. Bei Katholikentagen und Evangelischen Kirchentagen haben solche Feiern seit Jahren einen festen Platz. Weitere Anlässe ergeben sich aus gesellschaftlichen Ereignissen wie Einweihung von Einrichtungen und Gebäuden, wie auch aus dem Zusammensein von Mitgliedern von verschiedenen Religionen u. a. in Schulen, Krankenhäusern oder Justizvollzugsanstalten. Ganz wichtig scheinen mir multireligiöse Feiern in Krisen- oder Kriegszeiten als Zeichen für Versöhnung und Frieden. Dazu gehören auch Fälle von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Schließlich können Gedenk- und Trauerfeiern bei Katastrophen und Unglücksfällen multireligiös gestaltetet werden.Diesem praktischen Teil der Leitlinien sind grundsätzliche Überlegungen zu den Beziehungen zwischen Christen und Juden sowie Christen und Muslimen vorgeschaltet. Dazu werden auch die theologischen Grundlagen für multireligiöse Feiern dargelegt. Es gibt heute eine bisher noch nie da gewesene Chance der Begegnung, für die das Zweite Vatikanische Konzil die Türen weit geöffnet hat. Die Katholische Kirche möchte, wie Papst Johannes Paul II. im März 2000 in Jerusalem erklärt hat, "einen aufrichtigen und fruchtbringenden Frieden mit den Mitgliedern der jüdischen Glaubensgemeinschaft und den Anhängern des Islam". Der Dialog mit den nichtchristlichen Religionen gehört zum Auftrag der Kirche, ist Teil des von Gott ausgehenden Heilsdialogs. Die Glaubensvorstellungen des Judentums und des Islam lassen dem Konzil zufolge "nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen, die alle Menschen erleuchtet". Die Wertschätzung der nichtchristlichen Religionen widerspricht nicht dem Wahrheitsanspruch der Offenbarung Jesu Christi.