Landtagswahlen in Schleswig-Holstein

Protestant gegen Katholik

Am Sonntag wählt Schleswig-Holstein einen neuen Landtag. Die beiden wichtigsten Kandidaten, Torsten Albig (SPD) und Daniel Günther (CDU), setzen im Wahlkampf auch auf den Glauben.

Wahlschein für Landtagswahl  / © Bernd Weißbrod (dpa)
Wahlschein für Landtagswahl / © Bernd Weißbrod ( dpa )

Es ist ein gemeinsamer Besuch bei Papst Franziskus, der die Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien in Schleswig-Holstein verbindet. Im Herbst 2016 war Ministerpräsident Torsten Albig nach Rom eingeladen. Der Protestant nahm den Katholiken Daniel Günther mit. Am 7. Mai hoffen beide, die Wahl zum Ministerpräsidenten für sich entscheiden zu können. 

Immer wieder gerne erzählen die beiden Frontmänner von ihrem Besuch im Vatikan. Laut Albig liegt bis heute ein Rosenkranz, den der Papst ihm schenkte, an seinem Bett. Günther ließ das Bild eines Kirchenfensters aus seiner Heimatgemeinde Eckernförde von Franziskus segnen. Beiden Kandidaten ist ihr Glaube wichtig. Auch darüber hinaus setzen sie im Wahlkampf auf ähnliche Themen: Investitionen in Bildung, Sanierung und Ausbau maroder Straßen, Vorantreiben der Energiewende. Eine richtige Kontroverse wollte im seichten Wahlkampf nicht aufkommen, der Wahlkampf bleibt bislang seicht im Land zwischen den Meeren.

Konfrontation weithin vermieden

Das mag auch daran liegen, dass Albig Konfrontationen mit seinem politischen Gegner weitgehend meidet. In der Regel schickt er den rhetorisch gewandteren SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner vor. Der PR-erfahrene Landesvater verfolgt eine Taktik der Zurückhaltung.

Lediglich in zwei NDR-Sendungen stellte sich Albig dem Duell mit Günther. Auch dabei kam kein richtiger Schlagabtausch zwischen den beiden auf. Günthers zahlreiche Angriffe auf den Ministerpräsidenten wirken teils hektisch und aus der Luft gegriffen, Albig wiederum gibt sich staatsmännisch und lächelt alle Attacken weg.

Albig (53) steht seit 2012 an der Spitze einer Koalition aus SPD, Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW). Der Jurist und Vater zweier Kinder lebt seit einiger Zeit von seiner Ehefrau getrennt. Kürzlich sorgte er mit seinem Privatleben für Aufsehen, als er in einem Interview bekanntgab, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen. - Herausforderer Günther (43) dagegen hält seine Familie von der Öffentlichkeit fern. Der Politologe hat die klassische CDU-Karriere hinter sich. Er war Kreisvorsitzender der Jungen Union, später Ortsvorsitzender. Seit 2009 sitzt er im Kieler Landtag, seit 2014 als Fraktionschef und seit 2016 auch CDU-Landesvorsitzender. Vielen Wählern ist er bislang unbekannt.

Kommt die AfD in den Landtag?

Wolfgang Kubicki (FDP), bundesweit bekannt, sticht unter den Spitzenkandidaten der kleineren Parteien hervor. Die Grünen schicken die eher blasse Finanzministerin Monika Heinold ins Rennen. Beliebter ist allerdings ihr Parteikollege Robert Habeck, der nach seiner Niederlage bei der Wahl zum Bundesvorsitzenden nicht an vorderster Front kämpfen möchte. Linke und Piratenpartei würden laut einer aktuellen Umfrage von infratest dimap den Einzug in den Landtag nicht schaffen. Auch ein Einzug der AfD ist nicht sicher, sie steht im Moment bei 5 Prozent. 


Papst Franziskus und der schleswig-holsteinische Ministerpräsidenten Torsten Albig  / © L'Osservatore Romano (dpa)
Papst Franziskus und der schleswig-holsteinische Ministerpräsidenten Torsten Albig / © L'Osservatore Romano ( dpa )

Daniel Günther (CDU) im Wahlkampfendspurt / © Carsten Rehder (dpa)
Daniel Günther (CDU) im Wahlkampfendspurt / © Carsten Rehder ( dpa )
Quelle:
KNA