Landtag stimmt einmütig für Yad-Vashem-Außenstelle in Sachsen

"Riesengroße Chance"

Macht Sachsen das Rennen? Im Landtag des Freistaats würden es alle Fraktionen begrüßen, wenn die weltweit erste Außenstelle der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem tatsächlich nach Sachsen kommt.

Landtag Sachsen
 / © Sebastian Kahnert (dpa)
Landtag Sachsen / © Sebastian Kahnert ( dpa )

Ungewöhnliche Einigkeit im sächsischen Landtag: Alle Fraktionen sprachen sich am Mittwoch im Plenum dafür aus, dass die weltweit erste Außenstelle der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Sachsen angesiedelt werden sollte. 

Der Freistaat zählt neben Bayern und Nordrhein-Westfalen zu den drei Bewerbern. Die in Jerusalem ansässige Gedenkstätte will die Entscheidung über den Standort im ersten Halbjahr dieses Jahres treffen. 

Conrad Clemens, CDU, Kultusminister von Sachsen / © Jan Woitas (dpa)
Conrad Clemens, CDU, Kultusminister von Sachsen / © Jan Woitas ( dpa )

Kultusminister Conrad Clemens (CDU) sprach von einer "riesengroßen Chance", um den Kampf gegen Antisemitismus zu stärken und um ein sichtbares Bekenntnis gegen jede Form von Relativierung der Schoah zu setzen. "Wir alle wollen ein Yad-Vashem-Bildungszentrum in Sachsen und wir müssen es so ehrlich sagen: Wir brauchen ein Yad-Vashem-Bildungszentrum in Sachsen." 

Bundesweite Strahlkraft und Jugend erreichen

Vor-Ort-Besuche an potenziellen Standorten für die neue Bildungsstelle fanden Ende vergangenen Jahres statt. Der Vorstandsvorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, hatte erklärt: "Unabhängig vom Standort streben wir eine bundesweite Ausstrahlung an." Die Herausforderung werde sein, die breite Bevölkerung zu erreichen, insbesondere jüngere Menschen. Eine Eröffnung ist 2027 angestrebt. 

Kuppel in der "Halle der Namen" in Yad Vashem / © Andrea Krogmann (KNA)
Kuppel in der "Halle der Namen" in Yad Vashem / © Andrea Krogmann ( KNA )

Das sächsische Konzept für die Bewerbung sieht eine enge Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien vor. Bereits seit Längerem gibt es Kooperationen mit Wroclaw (Breslau), wo es zu Beginn der NS-Herrschaft die drittgrößte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich gab, und mit dem jüdischen Museum in Prag. 

Standort Leipzig im Blick

Als konkreten Standort hat der Freistaat dem Vernehmen nach Leipzig im Blick. Dort gibt es das über die Region hinaus bekannte jüdische Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus, wo zahlreiche Bildungsangebote stattfinden. Es arbeitet mit Polizisten und Hunderten Schulen in Sachsen zusammen und setzt auf die Fortbildung von Multiplikatoren, um Antisemitismus wirksam zu begegnen. 

Die jüdische Gemeinde zu Leipzig zählt rund 1.300 Mitglieder und ist die größte im Freistaat. Als eine der wenigen Synagogen in Deutschland hat die Leipziger Synagoge die Reichspogromnacht 1938 überstanden. Pater Aurelius Arkenau (1900-1991) versteckte während der NS-Zeit im Leipziger Dominikaner-Kloster Juden und wird in Yad Vashem seit 1999 als ein "Gerechter unter den Völkern" geführt.

Holocaustgedenkstätte Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem (hebr. für "Denkmal und Name") erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Sie wurde nach einem Beschluss des israelischen Parlaments von 1953 eingerichtet. Juden und Nichtjuden gedenken in der am Westrand Jerusalems gelegenen Anlage der rund sechs Millionen Toten der Schoah. Jährlich kommen in normalen Jahren rund eine Million Besucher.

Yad Vashem (epd)
Yad Vashem / ( epd )
Quelle:
KNA