Für Kubas kommunistisches Ein-Parteien-Regime waren die Verhaftung und die anschließende Entführung von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro gleich auf mehreren Ebenen ein harter Schlag.
Der kubanische Geheimdienst - offiziell gar nicht für den Schutz zuständig - konnte Maduro nicht beschützen. Fast drei Dutzend Agenten, deren Existenz lange geleugnet wurde, starben bei der US-Militäroperation, die sich auch gegen russische Sicherheitstechnik anscheinend mühelos durchsetzen konnte. Zudem droht der US-Präsident, dass es künftig keine Öllieferungen und kein Geld mehr aus Venezuela gebe.
Politische Selbstreflexion
Kubas Volkswirtschaft liegt ohnehin am Boden. Korruption der kommunistischen Eliten, die sich gern auch mal im Mercedes zeigen, planwirtschaftliche Fehler und das jahrzehntelange Handelsembargo sorgen für die schwerste Versorgungskrise seit Jahrzehnten.
Partei- und Staatschef Miguel Díaz-Canel, der erste der Nach-Castro-Ära, der nach der kubanischen Revolution geboren ist, reagierte erst mit drakonischen Haftstrafen auf die historischen Sozialproteste 2021. Seit Trump den Druck erhöht hat, gibt es sich selbstkritisch. Man müsse anfangen, darüber nachzudenken, dass die Partei für die aktuelle Lage auf Kuba verantwortlich sei, sagte Díaz-Canel und nahm sich damit gleich selbst in die Schusslinie.
"Immer eine positive Rolle gespielt"
Während Trump auf Kooperation drängt - deren Details er offenlässt -, hofft die kubanische Opposition auf die lang ersehnte Chance einer Demokratisierung. Der bekannteste kubanische Dissident José Daniel Ferrer, nach langer Haftstrafe seit Oktober in den USA im Exil, bringt die katholische Kirche als Vermittlerin ins Spiel. Sie habe immer eine positive Rolle gespielt "und gelegentlich in Prozessen wie der Freilassung politischer Gefangener vermittelt", sagt Ferrer im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auch zu seiner eigenen Freilassung soll sie beigetragen haben.
Auch jetzt wäre die katholische Kirche ein positiver Akteur, glaubt Ferrer; auch weil sie "zweifellos außerhalb der Institutionen des Regimes am besten organisiert ist". Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass Unterdrückung, Drohungen und Zwang des Regimes auch die Rolle und Funktion der Kirche geschwächt hätten. "Viele Kubaner haben den Glauben verloren, den sie vor, während und nach dem Besuch von Papst Johannes Paul II. in Kuba hatten."
Bürgerrechtler pessimistisch
Javier Larrondo von der Bürgerrechtsorganisation Prisoners Defenders, die sich für die rund 1.200 politischen Gefangenen auf Kuba einsetzt, sieht allerdings nur eine Chance, wenn beide Seiten eine Fortentwicklung der Lage anstreben. "Wenn es um Menschenrechte geht, strebt das Regime nicht nur keine positive Entwicklung an, sondern es gibt sogar Anzeichen dafür, dass es aktiv zu den schlimmsten Formen der nationalen und transnationalen Unterdrückung zurückkehrt", sagte Larrondo im KNA-Gespräch.
Man könne also nicht von einer Vermittlung sprechen, meint Larrondo; "sondern von der Pflicht der Kirche als Hüterin von Wahrheit und moralischer Gerechtigkeit". Die katholische Kirche habe diese Rolle in Kuba auf institutioneller Ebene nie ausgeübt; auch nicht in zahlreichen Konflikten, sagt der Bürgerrechtler.
"Die Kirche muss gewaltfrei gegen die Tyrannei rebellieren", meint Larrondo - wenn sie denn jenem Vorbild folgen wolle, das Jesus Christus selbst ausgeübt habe. Das täten aber nur einige Priester und Bischöfe - und sie würden von oben unter Druck gesetzt, dies nicht zu tun. Larrondos sieht darin eine Verletzung des Auftrags Jesu.