DOMRADIO.DE: Herr Nersinger, was gab es denn bisher für Begegnungen im Vatikan mit dem Dreigestirn?
Ulrich Nersinger (Vatikan-Experte): Wenn ich richtig recherchiert habe, dann gab es drei Begegnungen. Man hat also dreimal im Vatikan “Kölle Alaaf” und “Vatikan Alaaf” gehört. Das war 1983 unter Johannes Paul II., 2011 unter Benedikt XVI. und 2019 unter Franziskus.
DOMRADIO.DE: Welche kuriosen Begebenheiten können Sie denn von diesen Treffen berichten?
Nersinger: Beim ersten Treffen im Jahr 1983 wusste man in Rom nicht so wirklich, was das eigentlich ist. Da fragte einer von der Präfektur des Päpstlichen Hauses: Was sind das denn für Leute? Und dann antwortete ein anderer: Das dürften Leute aus Brasilien sein, aus Rio de Janeiro, die wegen des Karnevals kommen. Man hatte also nicht so ganz erkannt, dass das Kölner sind.
Aus dem Jahr 2011 mit Papst Benedikt gibt es einen herrlichen Videoclip, den man im Internet sehen kann. Da richtet der Kameramann seine Kamera auf die Schuhe von Papst und Prinz und man sieht (bei 00:30), wie sich zwei Leute gegenüber stehen, die beide rote Schuhe tragen.
Und über den Besuch des Dreigestirns 2019 bei Franziskus erzählte mir später mal ein Schweizergardist folgendes: Ein Päpstlicher Gendarm hatte ihn gefragt, wie man sich verhalten solle, wenn diese komischen Uniformierten kämen. Er wisse es auch nicht, antwortete der Schweizergardist. Als sie dann vorbeikamen, sind sie spontan stramm gestanden und haben die Hand ans Barett beziehungsweise ans Käppi gelegt.
DOMRADIO.DE: Ich kann mir vorstellen, da wurde dann auch schon mal Kölsch getrunken oder zumindest gesprochen?
Nersinger: Dazu wissen wir wenig. Aber Kölsch gesprochen wurde schon 150 Jahre zuvor. Es gab einen Kardinal, den Kurienkardinal Mezzofanti (1774-1849), der ein Sprachgenie war. Er kannte alle europäischen Sprachen und rühmte sich auch, alle Dialekte zu kennen.
Einmal war eine Pilgergruppe in den Vatikanischen Museen und in der Nähe stand also auch Kardinal Mezzofanti. Einer der Kölner sagte: Aber Kölsch kann er nicht. Da drehte sich der Kardinal um und sagte: Nee, wat bes de för eine fiese Möpp!
DOMRADIO.DE: Da hat er aber gut reagiert! Zu Papst Leo ist bisher noch kein Dreigestirn aus Köln gereist. Aber es ist ja auch seine erste Amtszeit in dieser Session. Kann das noch kommen?
Nersinger: Ja, ich würde dem Festkomitee des Kölner Karnevals dringend raten, sich sofort hinzusetzen und eine Bitte an den Vatikan zu formulieren, doch in der nächsten Saison mit dem Dreigestirn in den Vatikan kommen zu dürfen.
Das Interview führte Carsten Döpp.