Knobloch bekräftigt Kritik an Karfreitags-Fürbitte und fordert Rücknahme

Noch nicht ausgestanden

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat seine Kritik an der neuformulierten Karfreitags-Fürbitte für den "außerordentlichen Ritus" von 1962 bekräftigt. Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch nannte sie am Sonntag "sehr diffamierend" und forderte eine Zurücknahme der Formulierung. Im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" forderte die Zentralrats-Präsidentin eine Rücknahme der Formulierung bis zum Katholikentag, der am 21. Mai in Osnabrück beginnt.

 (DR)

Sie habe «schon einmal die Ausgrenzung der jüdischen Menschen» erlebt, so die 75-Jährige im «Interview der Woche» des Deutschlandfunk. Für sie sei der Fürbitt-Text «auch eine Ausgrenzung». Knobloch sagte, sie gehe davon aus, dass Papst Benedikt XVI. angesichts seines Alters die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus miterlebt habe. Der Vatikan solle sich mit jüdischen Geistlichen um eine Klärung bemühen.

Der Fürbitt-Text rede «einer Geringschätzung der jüdischen Religion das Wort, wie sie einer toleranten Theologie zuwiderläuft und daher gefährlich ist», meinte sie.

Für die Juden-Fürbitte am Karfreitag gibt es derzeit zwei Fassungen. Gemäß dem «ordentlichen» Ritus beten die Katholiken, dass Gott die Juden «in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen bewahre, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will». In der Fürbitte wird ferner darum gebetet, dass die Juden «zur Fülle der Erlösung gelangen». Der Text ist seit 1970 verbindlich.

Im «außerordentlichen» lateinischen Ritus lautet die Bitte, dass Gott die Herzen der Juden «erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen» und dass «beim Eintritt der Fülle der Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird». Diese Formulierung wird seit Wochen von jüdischer Seite kritisiert. Der von Papst Benedikt XVI. formulierte Text ist seit 2008 in den wenigen Karfreitagsliturgien nach dem traditionalistischen Ritus vorgeschrieben. Er ersetzt eine ältere Form, die von «Verblendung der Juden» sprach.

Mehrere jüdische Gelehrte sagten wegen der Formulierung ihre Teilnahme beim Katholikentag in Osnabrück an. Vor einer Woche bekräftigte der Vatikan in einem Kommunique, die Neuformulierung habe die Haltung der katholischen Kirche zum Judentum nicht geändert. Es gebe keinen Wechsel in der «brüderlichen Beziehung, der Hochachtung, der Freundschaft, der Liebe, der Solidarität und der Zusammenarbeit» seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil.