Früherer Vatikanbank-Chef wegen Geldwäsche verurteilt

Knapp neun Jahre Haft

Der frühere Vatikanbank-Präsident Angelo Caloia und sein Rechtsberater Gabriele Liuzzo sind von einem Gericht im Vatikan zu jeweils acht Jahren und elf Monaten Freiheitsstrafe wegen Geldwäsche und Unterschlagung verurteilt worden.

Gerichtsverhandlung im Vatikan (Archiv) / © Cristian Gennari (KNA)
Gerichtsverhandlung im Vatikan (Archiv) / © Cristian Gennari ( KNA )

Der in die Geschäfte involvierte Sohn Gabriele Liuzzos, Lamberto Liuzzo, erhielt fünf Jahre und zwei Monate. Das erstinstanzliche Urteil am Donnerstag folgte auf einen fast dreijährigen Strafprozess um Immobilienverkäufe zwischen 2002 und 2007, durch die der Vatikanbank IOR Schaden in zweistelliger Millionenhöhe entstand. Die Verurteilten kündigten Berufung an.

Caloia hatte sich zuletzt noch als unschuldig und Opfer einer Verschwörung bezeichnet. Der Manager leitete das gemeinhin als Vatikanbank bezeichnete "Institut für die religiösen Werke" von 1989 bis 2009. Der Vorsitzende Richter und frühere Mafia-Strafverfolger Giuseppe Pignatone befand Caloia und die beiden Mitangeklagten für schuldig, 29 Immobilien des IOR und einer von der Vatikanbank kontrollierten Gesellschaft unter Marktwert verkauft und sich dabei um rund 59 Millionen Euro bereichert zu haben. Lamberto Liuzzo half demnach, einen Teil der Gelder über Schweizer Konten zu waschen.

Zusätzlich Geldstrafen und Beschlagnahmungen

Zusätzlich zu den Haftstrafen sprach das Gericht Geldstrafen von je 12.500 Euro für Caloia und Gabriele Liuzzo sowie 8.000 Euro für Lamberto Liuzzo aus. Den dreien wird die Ausübung öffentlicher Ämter im Vatikan untersagt. Weiter verfügte das Gericht die Einziehung von bereits beschlagnahmten 38 Millionen Euro von Konten der Beschuldigten und verurteilte sie zu mehr als 20 Millionen Euro Schadenersatz für das IOR und die Immobiliengesellschaft SGIR.

Laut Vatikanangaben handelte es sich um das erste Urteil auf der Grundlage neuer, Ende 2018 eingeführter Normen zum Kampf gegen Geldwäsche und Korruption nach internationalen Standards.

Ermittlungen 2013 aufgenommen

Die vatikanische Staatsanwaltschaft hatte 2013 begonnen, über den Verkauf von Immobilien des IOR zu ermitteln. Medienberichten zufolge sollen bei den Verkäufen zusätzlich zu den vertraglich vereinbarten Preisen Barzahlungen geflossen und nicht verbucht worden sein.

Caloias Nachfolger als IOR-Präsident, Ernst von Freyberg, hatte 2013 mit der systematischen Untersuchung der Konten der Vatikanbank begonnen. Seither wurden zahlreiche Konten geschlossen.

Angelo Caloia / © Osservatore Romano (KNA)
Angelo Caloia / © Osservatore Romano ( KNA )
Quelle:
KNA , epd