Bischof Dröge kritisiert "Zurückhaltung des Verfassungsschutzes"

Klare Kante zeigen

Wie sieht die Rolle des Verfassungsschutzes heute aus? Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge und der Rabbiner Walter Homolka fordern im interreligiösen Dialog einen stärkeren Einsatz gegen Rechtspopulisten zugunsten einer offenen Gesellschaft.

Kippa und Kreuz / © Joern Neumann (epd)
Kippa und Kreuz / © Joern Neumann ( epd )

Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge sieht die "Zurückhaltung des Verfassungsschutzes gegenüber Rechtspopulisten als ein Problem".

Es gebe politische Funktionsträger, "die den Werten des Grundgesetzes eklatant widersprechen" und mit "menschenverachtender, ausgrenzender Sprache" Resonanzen in der Gesellschaft erzeugten, sagte Dröge bei der Veranstaltung "Zusammenleben. Religionsgemeinschaften in europäischen Gesellschaften" am Montagabend in Berlin.

Verfassungsschutz soll beobachten und untersuchen

Der Staat müsse auch darauf achten, dass die Rahmenbedingungen zum Schutz von religiösen Minderheiten eingehalten würden.

Der Verfassungsschutz solle hier nicht nur "beratend", sondern "beobachtend und untersuchend" aktiv werden, forderte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Vielfalt und Gemeinschaft von Religionen

Gleichzeitig müssten die Bürger selbst aktiver werden und zeigen, dass die große Mehrheit "keine Alternative zur freiheitlichen Gesellschaft" wolle, so Dröge weiter.

Dabei sei es auch wichtig, "dass die Religionen gemeinsam auftreten und sich vernetzen". Sie sollten "Vielfalt zeigen".

Jüdisch-christlicher Dialog: Offene Gesellschaft stärken

Der Rektor des Potsdamer Abraham-Geiger-Kollegs, Rabbiner Walter Homolka, erklärte, es sei "Zeit, dass wir alle klare Kante zeigen und der offenen Gesellschaft den Rücken stärken".

Gleichzeitig forderte er, "die Probleme zu analysieren, warum Menschen sich nicht mitgenommen fühlen". In den vergangenen Jahren habe man etwa die "Kluft zwischen Arm und Reich zu stark anwachsen lassen".

Begegnung auf Augenhöhe

Angesichts einer pluralen Gesellschaft betonten Dröge und Homolka die Bedeutung des interreligiösen Dialogs. Gläubige seien "heute alle nicht mehr in der Mehrheit", sagte Homolka.

Die Gesellschaft werde "immer bunter". Das binde die unterschiedlichen Religionen zusammen; man begegne sich auf Augenhöhe. "Gegenüber sind die, die gar nichts glauben", so Homolka.

Religionen und Weltanschauungen

Die Gesprächsreihe ist Teil des Programms "Dialogperspektiven. Religionen und Weltanschauungen im Gespräch". Es richtet sich an alle 13 vom Bundesbildungsministerium geförderten Begabtenförderungswerke.

Veranstalter ist das jüdische Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) mit Sitz in Berlin.

Markus Dröge / © Jürgen Blume (epd)
Markus Dröge / © Jürgen Blume ( epd )
Rabbiner Walter Homolka / © Julian Stratenschulte (dpa)
Rabbiner Walter Homolka / © Julian Stratenschulte ( dpa )
Quelle:
KNA
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