Griechenlands Orthodoxie erkennt neue ukrainische Kirche an

Kirchliche Gemeinschaft aufgenommen

Griechenland schwenkt auf den Kurs Konstantinopels ein. Als zweite orthodoxe Kirche erkennt es die von Moskau unabhängige neugegründete Metropolie von Kiew an. Nun wartet man gespannt auf die Reaktion aus Russland.

Neue orthodoxe Kirche in der Ukraine / © Serg Glovny (dpa)
Neue orthodoxe Kirche in der Ukraine / © Serg Glovny ( dpa )

Die orthodoxe Kirche von Griechenland hat am Mittwoch als erstes Glied der Orthodoxie nach dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel die zum Jahresanfang gegründete Metropolie von Kiew anerkannt. Der Ständige Heilige Synod unter Vorsitz des Athener Erzbischofs Hieronymos Liapis beschloss bei seiner Sitzung in der griechischen Hauptstadt die Aufnahme der kirchlichen Gemeinschaft mit Metropolit Epiphanius Dumenko.

Neben der neuen autokephalen (eigenständigen) "Orthodoxen Kirche der Ukraine" gibt es die bislang einzig von der Weltorthodoxie anerkannte ukrainisch-orthodoxe Kirche, die zum Moskauer Patriarchat gehört. Die vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. der neuen Kirche zugesprochene Autokephalie war zunächst auf scharfe Kritik der russisch-orthodoxen Kirche und der meisten übrigen zwölf orthodoxen Kirchen gestoßen.

Anerkennung hatte sich angedeutet

Der jetzige Schritt der Kirche Griechenlands hatte sich schon mit einem gemeinsamen Gebetsgottesdienst beider Oberhirten beim Namenstag von Bartholomaios I. im Juni und bei mehreren Konzelebrationen griechischer mit ukrainisch-autokephalen Bischöfen im Sommer abgezeichnet. Andererseits gab es in Griechenlands Episkopat und unter seinen orthodoxen Theologen zahlreiche und gewichtige Stimmen gegen jede Sanktionierung des umstrittenen Kirchengebildes in der Ukraine.

Daher dürfte Erzbischof Hieronymos auch seine ursprüngliche Absicht aufgegeben haben, die ukrainische Frage bei einer Vollversammlung der griechischen Bischofskonferenz im Oktober zur Abstimmung zu bringen: Dort waren eine Spaltung des Episkopats und sogar eine Mehrheit gegen die Autokephalie zu befürchten.

Hieronymos beauftragte daher die Synodalausschüsse für Kirchenrecht und interorthodoxe Angelegenheiten, zu dieser Sitzung des Ständigen Synods Gutachten auszuarbeiten, ob die orthodoxe Kirchenfamilie Metropolit Epiphanius willkommen heißen soll. Beide Kommissionen haben das bejaht. Am Mittwoch stellte sich lediglich Metropolit Seraphim Stergioulis von der Insel Kythira gegen die Anerkennung.

Reaktion des Moskauer Patriarchats erwartet

Der Ständige Heilige Synod gab Erzbischof Hieronymos freie Hand für die weiteren Schritte zur Aufnahme der Communio mit der autokephalen Ukrainischen Orthodoxen Kirche; so etwa die offizielle Mitteilung an den Ökumenischen Patriarchen, dass die Kirche von Griechenland dessen bisherigen Alleingang in der Ukraine unterstützt; zudem die offizielle Einladung an Metropolit Epiphanius, zu feierlicher Konzelebration nach Athen zu kommen.

Mit Spannung erwarten dort Beobachter inzwischen die Reaktion des Moskauer Patriarchats auf diese Schwächung seines Bemühens um orthodoxieweite Ausgrenzung der neuen Kirche als schismatisch. Wird die russische Kirche diese Demütigung hinnehmen - oder nach dem Abbruch ihrer kirchlichen Gemeinschaft mit Konstantinopel dies auch auf Griechenland ausdehnen?

Autor/in:
Heinz Gstrein
Quelle:
KNA