Kirchen werben für gemeinsames christliches Zeugnis

Zusammenhalt und Demokratie

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und Bischof Karl-Heinz Wiesemann sind der Meinung, dass evangelische und katholische Kirche ihre Werte stärker in die Gesellschaft einbringen müssten. Eine "Einheitskirche" lehnen sie jedoch ab.

Autor/in:
Alexander Lang
Ökumene-Kreuz / © Beatrice Tomasetti (DR)
Ökumene-Kreuz / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Die beiden großen christlichen Kirchen müssen nach Einschätzung der pfälzischen Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und des Speyerer katholischen Bischofs Karl-Heinz Wiesemann gemeinsam für Werte wie Zusammenhalt, Menschenrechte und Demokratie einstehen. In einer zunehmend glaubensfernen und gespaltenen Gesellschaft erwarteten viele, dass Kirchen geeint Antworten auf drängende Fragen geben, sagten Wüst und Wiesemann in einem Gespräch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin Evangelische Kirche in der Pfalz. / © Peter Juelich (epd)
Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin Evangelische Kirche in der Pfalz. / © Peter Juelich ( epd )

Für viele Menschen in Deutschland seien evangelische oder katholische Identität nicht mehr maßgebend, machten die beiden leitenden Theologen der Evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistums Speyer deutlich. Und viele würden mit der christlichen Botschaft gar nicht mehr erreicht. Eine zentrale Aufgabe der Kirchen sei es daher, "ein gemeinsames christliches Zeugnis" in der Gesellschaft zu geben, betonte Wiesemann, der auch der Ökumene-Kommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz angehört.

# Pfalz sieht sich als "Vorreiter der Ökumene"

Zusammen hätten Protestanten und Katholiken gerade in der Pfalz und Saarpfalz bereits vieles erreicht, ergänzte Wüst. Projekte wie der vor mehr als zehn Jahren gemeinsam veröffentlichte Ökumenische Leitfaden hätten die Kooperation auf allen kirchlichen Ebenen vertieft. In der Ökumene sehe man sich als "ein Vorreiter in Deutschland". In der Region mit ihren deckungsgleichen Kirchengebieten sei das Miteinander über konfessionelle Grenzen hinweg vielfach zur Normalität geworden, sagte Wüst.

Nicht zuletzt aufgrund Herausforderungen wie Reformdruck, Mitgliederschwund und weniger Ressourcen müssten die Kirchen in möglichst vielen Bereichen zusammenarbeiten, waren sich Wüst und Wiesemann einig. Dabei sei auch eine "stellvertretende Ökumene" nötig, bei der die eine Seite auch Aufgaben für die andere übernehme.

Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer / © Julia Steinbrecht (KNA)
Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer / © Julia Steinbrecht ( KNA )

# Vielfalt kann bereichernd sein

Forderungen nach einer "Einheitskirche" erteilten Wiesemann und Wüst jedoch eine Absage. Trennend blieben theologische Grundüberzeugungen: die Rolle von Frauen im geistlichen Amt und die Frage nach Abendmahlsgemeinschaft. Doch sei konfessionelle Vielfalt bereichernd und biete Chancen, die christliche Botschaft aus verschiedenen Perspektiven in die Gesellschaft zu tragen.

Gemeinsame Verlautbarungen, etwa gegen Rechtsextremismus oder für die Stärkung der Demokratie und Bewahrung der Schöpfung, würden in Gesellschaft und Politik wahrgenommen, betonten Wüst und Wiesemann. Gerade in krisenhafter Zeit sei das Wort der Kirchen wichtig. "Nicht wenige auf politischer Seite sagen: Wir hätten gerne, dass ihr lauter seid", sagte Wüst. Dennoch sei es nicht mehr selbstverständlich, dass die Position der Kirchen bei politischen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werde. Beim neuen rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetz etwa sei man erst im Nachhinein einbezogen worden, bedauerte Wüst.

Ökumene

Der Begriff "Ökumene" stammt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt "die ganze bewohnte Erde". Gemeint sind die Bemühungen um die Einheit aller getrennten Christen. Die Ökumenische Bewegung ging zunächst von evangelischer Seite aus; als Beginn gilt die Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahr 1910. Sie führte 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) mit Sitz in Genf. Ihm gehören heute 349 reformatorische, anglikanische und orthodoxe Kirchen mit 560 Millionen Christen in 110 Ländern an.

Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz (KNA)
Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz ( KNA )
Quelle:
epd