Die Neuausrichtung der Weltwirtschaft zum Beispiel auf umweltschonende Technologien biete vielversprechende Möglichkeiten für reales und nachhaltiges Wachstum, schrieben die drei Bischöfe in einem Brief an den EU-Ratspräsidenten, den französischen Staatschef Nicolas Sarkozy. Die EU-Staats- und -Regierungschefs wollen am Donnerstag und Freitag in Brüssel über Maßnahmen gegen die Finanzkrise und Rezession beraten. Auch das EU-Klimapaket steht auf der Tagesordnung.
Der Bischöfe richteten ihren Brief auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Regierungschefs von Großbritannien und Schweden, Gordon Brown und Fredrik Reinfeldt. Merkel hatte der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) gesagt: "Der EU-Gipfel wird keine Klimaschutzbeschlüsse fassen, die in Deutschland Arbeitsplätze oder Investitionengefährden. Dafür werde ich sorgen."
Warnung vor "Verwässerung" des Emissionshandels
Die Klima-Allianz, der rund 100 Umweltverbände, Gewerkschaften und entwicklungspolitische Organisationen angehören, warnte Merkel vor einer Kehrtwende in der Klimapolitik. Sollte sich Deutschland mit kurzsichtigen, an Wirtschaftsinteressen orientierten Forderungen bei dem Gipfel durchsetzen, drohten "weniger Innovation in der Wirtschaft", weniger Klimaschutz und mehr Arbeitslose, sagte der Bundesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.
Die Absatzkrise der Autoindustrie sei eine Folge des Baus von Fahrzeugen mit hohen Emissionswerten. Dies zeige exemplarisch, wie "unterlassener Klimaschutz" Arbeitsplätze gefährde. Weiger schätzt die Folgekosten des Klimawandels auf das fünf- bis zehnfache der Kosten zur Bewältigung der aktuellen Finanzkrise.
Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, warnte vor einer "Verwässerung" des europäischen Emissionshandels durch die kostenlose Abgabe von Verschmutzungszertifikaten.
Stattdessen müssten diese zu 100 Prozent versteigert werden. Sonst gebe es keinen Anreiz, in klimafreundliche Techniken zu investieren.
"Keine Ausnahmen beim EU-Gipfel"
Für eine Beteiligung der Entwicklungsländer am Erlös des Emissionshandels plädierte das katholische Hilfswerk Misereor. Schon jetzt gebe es wegen des Klimawandels auf der südlichen Halbkugel viele Opfer wegen verdorrter Ernten, verdursteter Tiere, versalzten Grundwassers und zahlreicher Unwetter, sagte Geschäftsführer Thomas Antkowiak.
Der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, warnte der Erhalt von Klima und Umwelt sei nicht verhandelbar. Deshalb dürften es beim EU-Gipfel Ende der Woche auch keine Ausnahmen vereinbart werden, weder für die deutsche Auto-Industrie noch für Polens Kohlekraftwerke, sagte er im Südwestrundfunk.
Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, appellierte an die Unternehmen, sich mit Innovationen rasch auf den Klimaschutz einzustellen. "Wir müssen mehr in rationelle Energienutzung und erneuerbare Energien stecken", sagte er im DeutschlandRadio Kultur.
Der Klimaschutz wird nach einer Umfrage der Umweltstiftung WWF für
75 Prozent der Bundesbürger bei der Bundestagswahl 2009 eine wichtige Rolle spielen. Die Hälfte der Befragten erwarte von der CDU mehr Engagement im Umweltbereich, 39 Prozent von der SPD, 36 Prozent von den Grünen und 28 Prozent von der FDP.
Kirchen und Umweltschützer mahnen vor EU-Gipfel zu Klimaschutz
Klimaziele nicht aufweichen
Kurz vor dem EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel haben Kirchen und Umweltschützer davor gewarnt, den Klimaschutz wegen der Finanzkrise zu vernachlässigen. Die Belebung der Wirtschaft dürfe nicht auf Kosten der nachhaltigen Entwicklung gehen, erklärten der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, der lutherische Erzbischof Anders Wejryd (Schweden) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, am Dienstag.
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