Kirchen passen Sicherheitskonzepte an

Sicher ist sicher

Bei den katholischen Bistümern und evangelischen Kirchen in Deutschland herrscht nach dem Anschlag in Berlin erhöhte Wachsamkeit. Viele haben ihre Sicherheitskonzepte überarbeitet. Die Kirchen sollen insgesamt aber offen bleiben.

Die Kirchen haben ihr Sicherheitskonzept angepasst / © Maja Hitij (dpa)
Die Kirchen haben ihr Sicherheitskonzept angepasst / © Maja Hitij ( dpa )

Nach dem Anschlag in Berlin stehen vielerorts die Kirchen in regelmäßigem Kontakt mit den Behörden, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab. Die Kirchen wollen jedoch weiterhin mit offenen Türen einladend sein, besonders zu den Feiertagsgottesdiensten an Weihnachten. Es gebe eine abstrakte Gefährdungslage, aber keine Hinweise auf ein konkretes Gefährdungspotenzial, erklärte etwa das Kölner Domkapitel. Ähnlich äußerte sich die Evangelische Kirche im Rheinland.

In Köln werde das Sicherheitskonzept für den Dom stets "aktuellen Herausforderungen" angepasst, erklärte das zuständige Metropolitankapitel. Mitarbeiter der gotischen Kathedrale würden regelmäßig geschult. Begrüßenswert sei die stets hohe Präsenz der Polizei und des Ordnungsamtes in der Domumgebung. Einlasskontrollen sind jedoch nicht geplant. "Der Kölner Dom steht als Gotteshaus grundsätzlich jedem offen, wir wollen ihn nicht zur Festung ausbauen", hieß es.

Sperrung für Autoverkehr in Berlin

Nach dem Anschlag an der Gedächtniskirche hat der Berliner Dom seine Sicherheitsvorkehrungen noch mal deutlich erhöht. Zu Heiligabend werde die Straße vor Berlins größtem Gotteshaus für den Autoverkehr vollständig gesperrt, sagte der Geschäftsführer der Domverwaltung, Lars-Gunnar Ziel, dem epd. Die Straße am Lustgarten ist damit am 24. Dezember von 12 Uhr bis Mitternacht nur für Fußgänger zugänglich.

Damit solle das Risiko eines Vorfalls wie an der Gedächtniskirche verringert werden. Zudem sollen sich die Besucher der Weihnachtsgottesdienste im Berliner Dom sicher fühlen, erklärte Ziel. Zu Heiligabend werden dort rund 11.000 Besucher erwartet. Für jede Christvesper wird mit bis zu 1.700 Menschen gerechnet.

Auf dem Dresdner Neumarkt wird für Freitag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen zur Weihnachtlichen Vesper eingeladen. Zum Gottesdienst einen Tag vor dem Heiligen Abend werden wie in jedem Jahr wieder Tausende Besucher auf dem Platz vor der Frauenkirche erwartet. Die Vesper ist die größte regelmäßig unter freiem Himmel stattfindende Gottesdienstveranstaltung in Deutschland.

"Fürchtet Euch nicht"

Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, kann sich nicht vorstellen, dass die kirchlichen Feiern mit dem Maschinengewehr geschützt werden. "Das passt nicht zur Weihnachtsgeschichte, die wir mit den Worten predigen: Fürchtet euch nicht", sagte der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche dem epd.

Es sei klar, dass es eine Verunsicherung gebe. "Die müssen wir als Seelsorger wahrnehmen, begleiten und in Worte fassen. Wir müssen damit aber auch leben." Wenn die Kirche ihre Gottesdienste aus Sicherheitsgründen einschränken würde, ginge sie den Terroristen "geradezu auf den Leim". Er vertraue der Polizei, dass sie die Situation im Auge behalte und sich gegebenenfalls melde, wenn weitergehende Maßnahmen ergriffen werden müssten.

Aachener Dom

Auch der Aachener Dom als Weltkulturerbestätte solle grundsätzlich allen offen stehen, sagte der Aachener Dompropst Manfred von Holtum.

Bereits nach dem Terroranschlag im Juni in einer französischen Kirche seien die Aufsichten im Dom zu besonderer Wachsamkeit angewiesen worden. Verdächtige Rücksäcke und Taschen würden kontrolliert. An den besonders gut besuchten Weihnachtsgottesdiensten würden zusätzliche ehrenamtliche Ordnungskräfte eingesetzt.

Keine Sicherheitskontrollen vor dem Gottesdienst

Die Evangelische Kirche im Rheinland erklärte, sie stehe schon seit einiger Zeit mit den Sicherheitsbehörden der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland in Kontakt. Über konkrete Sicherheitsmaßnahmen wollte die Kirche indes keine Angaben machen.

Auch die Evangelische Kirche von Westfalen und die Lippische Landeskirche hoben die Offenheit für die Gläubigen hervor. Kirchen seien offene Orte der Begegnung und des Friedens, sagte der Pressesprecher der westfälischen Kirche, Andreas Duderstedt, in Bielefeld. "Sicherheitskontrollen vor den Gottesdiensten würden dem widersprechen und außerdem keine wirkliche Sicherheit bringen."

Lkw-Barrikaden in Paderborn

In Paderborn gebe es beim Weihnachtsmarkt sowie im Bereich des Doms eine erhöhte Polizeipräsenz, erklärte das Paderborner Erzbistum. Die Zugänge werden durch Lkw-Barrikaden der Schausteller und Budenbesitzer abgesichert. Zu den Weihnachtsgottesdiensten werde die Domgilde als ehrenamtliche Aufsicht im Dom mit großem Personaleinsatz und erhöhter Sensibilität vor Ort sein, hieß es.

Das Ruhrbistum Essen erklärte, Kirchen sollten offene Häuser sein, gerade in einer Zeit, in der Menschen verängstigt und verunsichert seien. Der Zugang besonders zu den Weihnachtsgottesdiensten solle nicht beschränkt werden. Ähnlich äußerte sich auch das Bistum Münster. In Rheinland-Pfalz will die Polizei verstärkt auch die Sicherheit von Gottesdiensten in den Blick nehmen. Die Polizei werde verstärkt im Umfeld von Kirchen auf Streife gehen, sagte der Mainzer Polizeidirektor Achim Zahn.

Keine besonderen Maßnahmen in München

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums München hingehen sagte, es gebe derzeit keinen Anlass, Kirchen und Gottesdienste verstärkt zu sichern. Auch in Hamburg wird es laut Polizeipräsident Ralf Martin Meyer keine besonderen Maßnahmen geben. Man könne vor dem Michel, der Kirche St. Michaelis, keine Sicherheitsschleusen aufstellen oder gar sämtliche Rucksäcke kontrollieren.

Die hannoversche Landeskirche forderte in einem Brief ihre knapp 1.400 Kirchengemeinden auf, die Sicherheitsmaßnahmen, die den Gemeinden ohnehin empfohlen würden, besonders zu beachten. Auch andere evangelische Landeskirchen wie die in Baden und Württemberg, in der Pfalz sowie die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck planen keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen, wie die Umfrage des epd ergab.

Quelle:
epd