Kirchen kritisieren Nationalparkpläne am Jerusalemer Ölberg

"Vorsätzlicher Angriff auf die Christen"

Israel will einen Nationalpark ausweiten - unter anderem auf kirchlichem Land. Drei der Jerusalemer Kirchenführer sehen darin einen gezielten Angriff auf christliche Rechte und protestieren in einem gemeinsamen Brief.

Olivenbäume vor der Paternosterkirche auf dem Ölberg in Jerusalem. / © Corinna Kern (KNA)
Olivenbäume vor der Paternosterkirche auf dem Ölberg in Jerusalem. / © Corinna Kern ( KNA )

Pläne, weite Teile des Ölbergs in Jerusalem als Nationalpark zu deklarieren, stoßen auf Kritik der Kirchen. Man könne sich "des Eindrucks nicht erwehren, dass verschiedene Einrichtungen versuchen, alle nichtjüdischen Charakteristika der heiligen Stadt zu minimieren, um nicht zu sagen zu eliminieren, indem sie versuchen, den Status quo auf diesem heiligen Berg zu verändern", heißt es in einem Schreiben an die israelische Umweltministerin Tamar Zandberg, aus dem Medien am Montag zitieren. Unterzeichner sind Franziskanerkustos Francesco Patton, der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. und der armenische Patriarch Nurhan Manougian.

Schutz von Grünflächen oder ideologische Agenda?

Konkret werfen die Kirchenführer Israel vor, "unter dem Deckmantel des Schutzes von Grünflächen" eine ideologische Agenda zu betreiben, die die Rechte der Jerusalemer Christen negiere. Offiziell wurde der Plan zur Ausweitung des Nationalparks von der israelischen Behörde für Natur und Nationalparks (INPA) vorgestellt. Es scheine aber, so die Unterzeichner, dass die Initianten und Förderer des Plans den Zweck verfolgten, "eine der heiligsten Stätten des Christentums zu konfiszieren und zu verstaatlichen und ihren Charakter zu verändern".

Sie kritisieren die Pläne als "eine brutale Maßnahme, die einen direkten und vorsätzlichen Angriff auf die Christen im Heiligen Land, auf die Kirchen und auf ihre uralten, international garantierten Rechte in der heiligen Stadt darstellt". Eine Kopie des Briefes ging an den Nuntius im Heiligen Land, Erzbischof Adolfo Tito Yllana, sieben europäische sowie den türkischen Konsul in Jerusalem.

Die Kirchenführer riefen die Ministerin dazu auf, die Behörde anzuweisen, den Plan zurückzunehmen. Ferner forderten sie sie auf, "sicherzustellen, dass die INPA ihr Mandat fernab von allen politischen und ideologischen Erwägungen erfüllt, die nicht strikt mit ihrer Aufgabe verbunden sind". Es handele sich nicht um das erste Mal, dass die Behörde "eine feindliche Rolle gegen die Kirchen und die christliche Präsenz im Heiligen Land spielt". Ministerin Zandberg war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Olivenbäume im Garten Gethsemane in Jerusalem  (dpa)
Die Olivenbäume im Garten Gethsemane in Jerusalem / ( dpa )

Anhörung zur Genehmigung vorverlegt

Der umstrittene Park wurde laut der Zeitung "Haaretz" nach dem Sechstagekrieg 1968 errichtet und erstreckt sich derzeit über rund 271 Hektar Land entlang der Mauern zur Altstadt, das palästinensische Stadtviertel Silwan sowie Teile des Kidron- und des Hinnon-Tals. Weite Teile des Parks liegen östlich der sogenannten "Grünen Linie" und werden von der rechtsgerichteten Siedlerorganisation Elad verwaltet. Nach den INPA-Plänen soll der Park um 27,5 Hektar erweitert werden.

Ziel sei es, den öffentlichen Charakter des Gebiets durch die Erhaltung seiner historischen, religiösen und nationalen Bedeutung sowie seiner Landschaft und Architektur zu gewährleisten, so INPA. Der geplante Ausbau stärke den Schutzstatus des Gebietes als eine der wichtigsten Kulturlandschaften der Welt. Für das Gebiet werde kein Baurecht erteilt, auch würden die Kirchen nicht beschädigt.

Ursprünglich sollten die Ausbaupläne am Palmsonntag (10. April) zur Genehmigung vor den zuständigen Bau- und Planungsausschuss kommen. Die Anhörung wurde nun auf den 2. März vorverlegt. Medienberichten zufolge kündigte die INPA an, das Gespräch mit den Kirchenführern zu suchen.

Organisation kritisiert "Zerstückelung" des Gebiets

Der Plan habe zur Folge, dass die Altstadt vollständig von "Siedlungen und siedlungsbezogenen Projekten" umzingelt und die christlichen und palästinensischen Gebiete um sie herum zerstückelt würden, kritisierte die israelische Organisation "Terrestrial Jerusalem". Sie warnte, dass dies das empfindliche Gleichgewicht in der Altstadt und ihrer unmittelbaren Umgebung untergraben und damit Ostjerusalem weiter destabilisieren werde.

Die Organisation stellt den Plan in Zusammenhang mit weiteren israelischen Projekten in und um Siedlungsenklaven in Altstadtnähe, etwa in den palästinensischen Vierteln Scheich Jarrah und Silwan. Ziel sei es, "die Altstadt und ihr visuelles Einzugsgebiet vom übrigen Ostjerusalem abzuschneiden". In diesem Zusammenhang verweist "Terrestrial Jerusalem" auch auf das umstrittene Seilbahnprojekt, das Jerusalems alten Bahnhof im Westen der Stadt mit der Klagemauer verbinden soll.

Unklar ist, inwieweit der geplante Park-Ausbau Einfluss auf Infrastrukturvorhaben der Kirchen auf ihrem Land haben könnte. Unter anderem bauen derzeit die Franziskaner an einem Besucherzentrum und einem Tunnel zwischen dem Kidrontal und der modernen Kirche der Nationen (Todesangstbasilika).

Autor/in:
Andrea Krogmann
Quelle:
KNA