Die christliche Fastenzeit und der muslimische Fastenmonat Ramadan beginnen in diesem Jahr nahezu zeitgleich – für viele Kirchenvertreter ein starkes Zeichen für Dialog und Zusammenhalt.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sieht darin eine besondere Einladung, das Verbindende zwischen Christen und Muslimen bewusst wahrzunehmen.
"Diese seltene Übereinstimmung lädt uns dazu ein, mit wachem Sinn all das wahrzunehmen, was uns miteinander verbindet", schreibt der Limburger Bischof in einem am Dienstag veröffentlichten Grußwort an muslimische Gläubige. Zugleich erinnert er an die Situation von Juden, Christen und Muslimen im Heiligen Land, die von Frieden weit entfernt seien.
Während seines Besuchs am Jahresende sei ihm schmerzlich bewusst geworden: "Eine gerechte Friedensordnung, die die Menschenwürde von Israelis und Palästinensern gleichermaßen schützt, ist in weite Ferne gerückt." Die Gewalt habe äußerlich wie innerlich tiefe Wunden geschlagen. Doch inmitten der Verwüstungen sei der Wunsch nach Frieden allgegenwärtig.
Friedensbotschaft von Papst Leo XIV.
Bätzing greift zudem die Friedensbotschaft von Papst Leo XIV. zum 1. Januar auf. Wer durch das Gebet Herz und Verstand weite, öffne seine Augen für das Leid der Mitmenschen. So würden Menschen fähig, solidarisch zu handeln, Brücken zu bauen und die Würde jedes Menschen zu achten. "Dann ist Religion auch keine Barriere, sondern eine Ressource für den Frieden", so Bätzing.
Dazu trage auch Fasten bei: Es sei mehr als materieller Verzicht und körperliche Askese. Vielmehr könne dadurch die Beziehung zu Gott vertieft und zugleich eine größere Achtsamkeit gegenüber Mitgeschöpfen entwickelt werden.
Kirchen in NRW wünschen Muslimen gesegneten Ramadan
Auch die christlichen Kirchen in Nordrhein-Westfalen betonen in einem gemeinsamen Grußschreiben zum Ramadan das Verbindende – und verbinden ihre Wünsche mit einem klaren gesellschaftlichen Appell. In einem Brief an muslimische Mitbürger wünschen sie einen "gesegneten Monat voller Vergewisserung und Zuversicht", wie unter anderem das Erzbistum Köln am Mittwoch mitteilte.
Unterzeichnet ist das Schreiben von den katholischen Bistümern Aachen, Essen, Münster und Paderborn sowie den evangelischen Landeskirchen Rheinland, Lippe und Westfalen.
Der Ramadan sei eine Zeit des Gebets und der Solidarität. "Darin zeigt sich eine Haltung, die für unsere Gesellschaft von größter Bedeutung ist: Achtsamkeit im Umgang miteinander, Bereitschaft zum Teilen und ein wachsames Herz für Gerechtigkeit und Frieden", heißt es in dem Schreiben.
Appell zur gemeinsamen Demokratieverantwortung
Christen und Muslime trügen, so die NRW-Kirchen, gemeinsam Verantwortung dafür, Demokratie lebendig zu halten und Vertrauen wachsen zu lassen: "Wo Glauben frei und verbindlich praktiziert und Gemeinschaft offen und respektvoll gelebt wird, können Räume entstehen, in denen Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen, Vielfalt wertzuschätzen und Konflikte mit Respekt auszutragen."
Das sei gerade in Zeiten wichtig, in denen demokratische Grundwerte unter Druck gerieten. Die Glaubensgemeinschaften seien daher herausgefordert, Zeichen für Dialog, Offenheit und friedliches Zusammenleben zu setzen; zugleich danken die Kirchen den muslimischen Gemeinden, Verbänden und Engagierten für ihr soziales und spirituelles Wirken und ihren Beitrag zu einem friedlichen und solidarischen Miteinander.
Auch Bätzing ruft in diesem Zusammenhang dazu auf, sich "jeder Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzustellen, sei es Rassismus, Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit". Gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Polarisierung dürfe man sich nicht entmutigen lassen, sondern sei aufgerufen, Zeugnis für Gerechtigkeit und Versöhnung abzulegen.