Kirche kritisiert de Maizieres Aussage zu islamischen Feiertagen

"Das liegt noch nicht an"

Mit seinem Vorstoß zur Einführung muslimischer Feiertage stößt Bundesinnenminister de Maiziere auf Ablehnung in Kirche und Politik. Für das Katholische Büro Niedersachsen ist es verfrüht, Unions-Kollegen sehen das christliche Erbe in Gefahr.

Symbolbild Kalender / © Steffen Schellhorn (epd)
Symbolbild Kalender / © Steffen Schellhorn ( epd )

Nach der Kritik des katholischen Büros Niedersachsen an de Mazieres Reaktion zur Einführung muslimischer Feiertage, beziehen immer mehr Vertreter aus Kirche und Politik Stellung. Felix Bernard, Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, hatte am Freitag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) geäußert, die Frage nach der Einführung gesetzlicher muslimischer Feiertage in Deutschland stehe "noch nicht an".

Zunächst müsse man auf Länderebene mit den muslimischen Verbänden zu tragfähigen Vereinbarungen über eine gesellschaftliche Teilhabe kommen, sagte Bernard.

Stimmen aus der Kirche

Der evangelische Theologe Gerhard Duncker äußerte sich zurückhaltend. Es könne auf Kosten christlicher Feiertage gehen, wenn ein weiterer Feiertag eingeführt werde, so Duncker, der früher deutscher Seelsorger in der Türkei war, gegenüber domradio.de. Man könne Feiertage streichen, "aber man sollte darüber nachdenken, ob eigentlich alles in unserer Tradition zur Disposition steht".

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte der "Passauer Neuen Presse" am Samstag, ein muslimischer Feiertag könne integrationsfördernd wirken. Bereits 2013 hatten sich sich der Zentralrat und später auch die Türkische Gemeinde für die Einführung eines muslimischen Feiertages in Deutschland ausgesprochen.

Kritik aus der Union

"Unser christliches Erbe ist nicht verhandelbar", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der "Bild"-Zeitung am Samstag. "Islam-Feiertage in Deutschland einzuführen kommt für uns nicht in Frage."

CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sagte: "Bei uns kann nun wirklich jeder nach seiner Façon selig werden. Das gilt auch für das Feiern religiöser Feste." Eine andere Frage sei, ob der Staat zukünftig auch nicht-christliche Feiertage unter den Schutz einer gesetzlichen Regelung stellen solle. Bosbach: "Dafür sehe ich keinen wirklich überzeugenden Grund."

Auch der Innenexperte der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU), äußerte sich kritisch: "Deutschland ist über Jahrhunderte durch die christliche Tradition geprägt und bestimmt worden", so Mayer. Daran habe sich bis heute nichts geändert. "Im Übrigen gilt: Dass der Islam zu Deutschland gehört, lässt sich historisch durch nichts belegen und ist auch heute nirgendwo zu erkennen."

Auch der niedersächsischen CDU-Landeschef und Spitzenkandidat Bernd Althusmann berief sich laut Medienberichten auf "eine lange Tradition" von Feiertagen in Deutschland. Für eine Änderung sehe er keinen Bedarf.

Anzahl der Feiertage variiert je nach Bundesland

 

Innenminister de Maiziere hatte sich bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wolfenbüttel gesprächsbereit gezeigt: "Ich bin bereit, darüber zu reden, ob wir auch mal einen muslimischen Feiertag einführen", sagte er in seiner Rede. Allerheiligen sei auch nur dort Feiertag, wo viele Katholiken lebten. Warum könne man also dort, wo es viele Muslime gebe, nicht auch mal über einen muslimischen Feiertag nachdenken. Allerdings betonte de Maiziere auch: "Generell sind unsere Feiertage christlich geprägt, und das soll auch so bleiben."

Die Anzahl der Feiertage variiert in Deutschland je nach Bundesland. Neun Feiertage gelten in allen Bundesländern einheitlich: Neujahrstag (1. Januar), Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Arbeit (1. Mai), Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) sowie der erste und zweite Weihnachtsfeiertag (25. und 26. Dezember). Nur der 3. Oktober, der Tag der deutschen Einheit, geht auf ein Bundesgesetz zurück.


Quelle:
KNA